Presseartikel  
2. März 2005 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 51/2005

Kirchbauverein rettet St. Ulricus

Pr. Oldendorf (WB/wm). Ein Kirchbauverein ist der Rettungsanker: Er soll dafür sorgen, dass mindestens 550 000 Euro zusammenkommen, die benötigt werden, um die St. Ulricus-Kirche im Pr. Oldendorfer Ortsteil Börninghausen (Kreis Minden-Lübbecke) zu erhalten. Das Gotteshaus muss in weiten Teilen saniert werden. Derzeit werden die vom Einsturz bedrohten Gewölbe mit einem Kostenvolumen von 185 000 Euro stabilisiert. Demnächst müsste der Turm renoviert werden. Innen und außen wäre der Boden um bis zu 80 Zentimeter abzutragen, um die Proportionen wieder herstellen zu können. Technik und Heizung sind ebenfalls marode und zu ersetzen. Nach der Vereinsgründung am Montag unterschrieben gleich 90 Bürger die Beitrittserklärung; Ortspfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann will bis Jahresende 500 Mitglieder gewinnen.
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Das historische Erbe erhalten  
120 Besucher kamen zur Gründung des Kirchbauvereins Börninghausen


Börninghausen (wm). Die Rettung der St. Ulricus-Kirche in Börninghausen ist nicht allein Sache der evangelisch-lutherischen Kirche. Vielmehr wollen sich offenbar viele Eggetaler und Bürger aus den angrenzenden Städten und Gemeinden finanziell engagieren, um dieses wirklich große Projekt zu »stemmen«. Mit der Gründung eines Kirchbauvereins am Montagabend wurde der erste Schritt auf dem langen Weg dorthin getan.

Das jedenfalls hoffen Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann und Dipl. Ing. Bernhard Brüggemann, der als leitender Architekt die derzeit laufenden Arbeiten am ersten Sanierungsabschnitt betreut. Bis gestern Vormittag lagen bereits 90 unterschriebene Beitrittserklärungen vor, »Tendenz steigend«, wie Beckmann zufrieden feststellte.

Um 21.07 Uhr »stand« der Vorstand des neuen Vereins; Altbürgermeister Hartmann Wünsch hatte die Wahl ganz professionell durchgezogen. Die Besetzung der Vorstandsposten bereitete keine Probleme. Vorsitzender ist Uwe Ramsberg, seine Stellvertreterin ist Bürgermeisterin Anke Korsmeier-Pawlitzky. Geschäftsführer ist Klaus Pfannenschmidt, die Finanzen beaufsichtigt Elke Stiebitz, ihr Stellvertreter ist Kurt Vieselmeier. Mit beratender Stimme gehören Dieter Besserer, Rüdiger Vortmeier, Edith Wobig, Heike Kampeter und Doris Danielmeier dem Vorstand als Beisitzer an. Die rund 120 Besucher der Gründungsversammlung sprachen dem neuen Vorstand einstimmig ihr Vertrauen aus; lediglich einige Enthaltungen wurden registriert. Der Beitrag beläuft sich auf jährlich mindestens zwölf Euro je Beitrittserklärung; nach oben sind jedoch keine Grenzen gesetzt.

Sie haben die schwere Aufgabe, möglichst viele Mitglieder zu werben und Geld für die Sanierung der St. Ulricus-Kirche zu beschaffen: Der gerade gewählte Vereinsvorstand mit Uwe Ramsberg (6.v.r.) , seine Vorstandskollegen, Beisitzer und Rechnungsprüfer.

Friedrich Wilhelm Beckmann hatte zu Beginn einen Blick in die lange Geschichte von St. Ulricus geworfen und war dann auf die Sanierungsmaßnahmen eingegangen. Seit dem 30. September 2001 sei bekannt, dass Handlungsbedarf bestehe. Alle Gremien, die daran beteiligt werden müssen, seien informiert worden. »Dabei haben wir auch bittere Erfahrungen machen müssen. Nicht selten drängte sich uns der Eindruck auf, hingehalten zu werden. Für Denkmalschutz scheint kein Geld da zu sein«, beklagte der Seelsorger. Er habe den Eindruck, dass die Finanzgemeinschaft des Kirchenkreises Lübbecke im Grunde nicht einmal mehr die Grundversorgung in den Gemeinden sicherstellen könne. »Das Kirchensteuersystem ist kaputt«, bilanzierte Beckmann. Angesichts der Budgetkürzungen, die auch die Kirchengemeinde Börninghausen betreffe, sei mit weiterem Geld für die Sanierung von Ulricus nicht zu rechnen. »Aus dem Kreiskirchenamt ist sogar die Meinung vertreten worden, das Gotteshaus sich selbst zu überlassen - eine ungeheuerliche Aussage«, empörte sich der Gemeindepfarrer. Und da jetzt auch das Landeskirchenamt den Antrag der Gemeinde, Kirchenvermögen veräußern zu dürfen, um den Erlös in die Sanierung fließen lassen zu können, abgelehnt habe, habe er die Einsicht gewonnen: »Hilf dir selbst, sonst hilft dir niemand.«

Blick in den vollbesetzten Saal des Albert-Schweitzer-Gemeindehauses zur Gründung des Kirchbauvereins. Von links Hans Eickmeyer, der die vorbereitende Arbeitsgruppe leitete, rechts neben ihm Stadtheimatpfleger Dieter Besserer, der dem Vorstand als Beisitzer angehört.Ohne einen Kirchbauverein sei die historische Mittelpunktkirche St. Ulricus nicht zu retten. Beckmann erinnerte an das Jahr 1967, als die Bürger ähnlich gut kooperiert und damit den Bau der Friedhofskapelle ermöglicht hatten. Sein Ziel sei die Zahl von 500 Vereinsmitgliedern bis Jahresende. »Wenn wir nicht alle Kräfte bündeln, wird sich die Renovierung lange hinziehen und damit drastisch verteuern. Auch nach meiner Zeit soll kirchliches Leben in St. Ulricus weitergehen«, betonte er und bezeichnete den Tag der Vereinsgründung als historisch: »Vielleicht sind wir eines Tages froh, dabei gewesen zu sein.«
(Wilfried Mattner)
Bisher schon viel geleistet 
Hoffen auf Zuschüsse


Börninghausen (wm). »Keine Kirche im Umfeld kommt mit St. Ulricus mit. Von hier ging die Christianisierung der Umgebung aus; es ist ein wahnsinnig schöner Bau«, schwärmte Dipl. Ing. Bernhard Brüggemann vor der Vereinsgründung. Er informierte über Mängel und Chancen.

Die im 15. Jahrhundert nach damaliger »Mode« gebauten Gewölbe hätten die Flachdecken ersetzt. Der Druck der qualitativ nicht guten Gewölbe hätten die Wände auseinandergedrückt. »Es ist ein Wunder oder eine Fügung, dass die Gewölbe bisher gehalten haben. Die Arbeiter konnten die Steine einzeln herausnehmen.« Mit ihrer Sanierung und Verankerung könne die Kirche jetzt wieder längere Zeit leben. In absehbarer Zeit müsse aber auch der Turm gesichert werden, den die innen liegende Treppe auseinander zu drücken drohe. Bereits jetzt sei eine »Beule« sichtbar, die herab zu fallen drohe.

Es sei fantastisch, was bisher geleistet worden sei, lobte der Fachmann. Doch sei man noch lange nicht am Ende. Auch der Innenraum müsse völlig umgestaltet werden. Und das Terrain innen wie außen müsse abgesenkt werden, um die wirklichen Proportionen wieder herzustellen. Auch müsse die gesamte Technik und Heizung erneuert werden. Denn gerade eine Heizung sei erforderlich, wenn man aus St. Ulricus keine »Sommerkirche« machen wolle - wie »in Lübbecke« vorgeschlagen worden sei.

Neben den 185 000 Euro für die Sanierung der Gewölbe - dazu muss die Kirchengemeinde noch knapp 13 000 Euro Eigenkapital beisteuern - seien rund 65 000 Euro für die Turmsicherung erforderlich. Insgesamt seien mindestens 550 000 Euro notwendig, um dieses Sanierungspaket auch nur annährend zu schultern. Er selbst habe Gesamtkosten von 945 000 Euro ermittelt. Es bestehe die Hoffnung, dass die Stiftung Denkmalschutz das Projekt doch noch fördere und sich auch der Regierungspräsident in Detmold an den Kosten beteilige.
(Wilfried Mattner)