Presseartikel  
   
19. Januar 2005 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 15/2005

"Es war höchste Zeit"
Börninghauser Ulricus-Kirche bekommt ein Korsett verpasst


Pr. Oldendorf-Börninghausen (-sl-). Wer mit Baudenkmälern zu tun hat, muss leidensfähig sein. Geld gibt es fast keines mehr, Arbeit dagegen genug. Ein Beispiel dafür ist die St. Ulricus-Kirche in Börninghausen. Das Gebäude muss saniert werden, doch Geld ist nur für einen kleinen Teil der Arbeiten vorhanden.

Experten unter sich: Architekt Bernd Brüggemann (links) und Hans Meyer beraten über die Sanierung der mittelalterlichen Ulricus-Kirche. Das Gotteshaus bekommt ein Korsett, welches die Einsturzgefahr bannen soll."Man möchte am liebsten abschließen und den Schlüssel wegwerfen", meint Bernd Brüggemann (Braunschweig). Das sei der Frust, den man habe, meint der leitende Architekt. Viele Baudenkmäler - wenig Geld. Für die Börninghauser St.-Ulricus-Kirche gebe es lediglich Geld für die statische Sanierung, mehr nicht. Dringend erforderlich wäre aus Sicht Brüggemanns auch eine Sanierung der Turm-Statik. Auch andere Arbeiten müssen gemacht werden, und dazu zählen unter anderem der Anstrich und eine neue Heizung. Aber auch dafür gibt es keine Zuschüsse. "Dafür ist bislang kein Cent freigekommen", meint Brüggemann.

Das Problem sei, dass eine Kirchengemeinde im Prinzip einem eingetragenen Verein entspreche. Wenn das Vereinsgebäude nicht in Ordnung sei, müssten die Arbeiten vom Verein selbst gezahlt werden. Dafür reichten die Mitgliederbeiträge allerdings nicht. Die Ulricus-Kirche ist aus Sicht Brüggemanns nicht allein ein Vereinsgebäude. Damit möchte der Braunschweiger Architekt das Marode: Auch der Gurtbogen zum Chorraum ist von der schadhaften Statik in Mitleidenschaft gezogen worden. Gotteshaus nicht vergleichen. Die Kirche sei ein Baudenkmal, sie sei ein Kulturgut und müsste demnach eigentlich Anspruch auf Hilfe durch die öffentliche Hand haben. Förderungen des Landes seien aber ausgelaufen. "Das ist doch überall so." Das deutsche Modell, dass Eigentümer ihr Baudenkmal auch selbst unterhalten müssten, sei das schlechteste Finanzierungsmodell, so der Architekt.

Mit Bewunderung schaut Brüggemann auf Dänemark. Kirchensteuer gibt es nicht, stattdessen eine Kultursteuer. Die müssen alle zahlen, egal, welcher Konfession sie angehörten. Mit Hilfe dieser Steuer würden Kulturdenkmäler unterhalten - auch Kirchen. Für das Leben und die Arbeit in den Kirchengemeinden werde dann ein Kirchengeld bezahlt. Natürlich sei klar, dass nicht benötigte Gebäude aufgegeben werden müssen. "Das macht doch jeder Immobilienbesitzer so." Aber historische Bauten aufgeben - mit dem Gedanken mag sich Brüggemann nicht anfreunden.

Arbeiten: Das Gewölbe zur Turmseite wurde wieder hergestellt."Wäre hier nur eine Rasenfläche, wäre das Zentrum des Dorfes weg", sagt er und weist auf die eingerüstete Ulricus-Kirche. Die Kirche, meint Brüggemann, müsste auf Dauer von der Unterhaltung der Baudenkmäler entbunden werden. "Das sind Baudenkmäler, die müssen als Kulturgut erhalten werden." Ein Museum käme doch auch nicht auf die Idee, eine "Stradivari" zu verkaufen, um Geld zu machen. Die Kulturgüter habe man übernommen und stehe in der Pflicht, sie in vernünftigem Zustand den Nachkommen zu übergeben. So wie die Ulricus-Kirche. Deren Kirchenschiff-Mauern seien ursprünglich nicht für Gewölbe ausgelegt gewesen. Nach einem Brand wurden gotische Gewölbe eingezogen; zum Stützen wurden außen Pfeiler angebaut. Deren Wirkung entsprach aber wohl nicht ganz den Hoffnungen, die in sie gesetzt wurden. Die Mauern drifteten auseinander und seien so schief, das sehe man auch ohne Wasserwaage, meint Brüggemann.

Fachleute der Pr. Oldendorfer Firma Meyer verpassen dem Gotteshaus deshalb ein Korsett. Das banne die akute Einsturzgefahr der Gewölbe, sagen Brüggemann und Hans Meyer. Die Gewölbe seinen zum Teil schon so weit heruntergekommen, dass sie negative Formen angenommen hätten. "Es war höchste Zeit." An einigen Stellen seien Steine schon locker gewesen. Es sei schon fast ein Wunder dass nicht schon Steine heruntergefallen seien. Für weitere Maßnahmen fehlt Geld. Es sei aber bewundernswert, wie groß die Spendenbereitschaft in Börninghausen sei, sagt Brüggemann.
(Jörn Spreen-Ledebur)