Presseartikel  
8. Juni 2005 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt" Nr. 130/2005

In zwei Jahren Gottesdienst wieder möglich
Arbeiten an der Kirche gehen zügig voran


Börninghausen (HoG). Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann ist zuversichtlich: »Wenn alles gut läuft, können wir Durch den Einbau einer Treppe wurde das Mauerstück an der Westseite des Turmes stark in Mitleidenschaft gezogen. wohl in zwei Jahren in der St. Ulricus-Kirche wieder Gottesdienste feiern«.

Die Renovierungsarbeiten an dem kleinen Gotteshaus im Eggetal schreiten voran. Die Innenrenovierung ist zum größten Teil abgeschlossen, zumindest was die Gewölbe angeht. Bereits im Dezember war das Mauerwerk durch Längs- und Queranker gesichert worden, um ein weiteres Auseinanderdriften der Außenmauern zu verhindern. Verursacht wurde diese Gefahr durch die Deckenlast der Gewölbe. Die Gewölbe drohten sogar einzustürzen, doch auch diese Schäden sind inzwischen behoben worden. Es hatten sich in den Gewölben Beulen gebildet, die hydraulisch und mechanisch beseitigt wurden. Die Risse sind inzwischen verfugt und vergossen. Mit diesen ersten Maßnahmen wurde die Kirche vor dem weiteren Verfall bewahrt. Allerdings sind noch einige Schäden am so genannten Triumphbogen zum Kirchenchor hin sichtbar, doch wenn auch die beseitigt sind, gilt die statische Sicherung als abgeschlossen. Rund 185 000 Euro haben die Arbeiten in diesen ersten Sanierungsabschnitt gekostet. Lobend äußert sich Pfarrer Beckmann dahingehend, dass damit der veranschlagte Kostenrahmen eingehalten wurde.

Im nächsten Abschnitt geht es nun um die Sanierung des Turmes, der als ältester Teil des Gebäudes Ende des 12. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt wurde. Nach Auskunft von Bernhard Brüggemann aus Braunschweig, dem die Bauleitung der gesamten Sanierungsmaßnahmen obliegt, dürfte der Turm aber wesentlich älter sein. Das Bauwerk hat Jahrhunderte überdauert, aber der Einbau einer Treppe im westlichen Teil hat seine Spuren hinterlassen. Wann dieser Einbau erfolgte, ist laut Pastor Beckmann unbekannt. Doch die Folgen sind deutlich sichtbar. Das Mauerwerk wölbt sich nach außen, es hält der Belastung nicht mehr stand. Rund 65 000 Euro dürfte die Turmsanierung wohl kosten.

Die statische Sicherung der St. Ulricus-Kirche ist zunächst einmal abgeschlossen. In Kürze kann das Gerüst aus dem Gotteshaus entfernt werden.Doch auch damit ist die Kirchensanierung noch längst nicht abgeschlossen. So wurde vor etwa 35 Jahren eine Elektro-Fußbodenheizung eingebaut und dadurch das Niveau im Inneren der Kirche deutlich angehoben. Um nun außen keine Stufen anbringen zu müssen, wurde der gesamte Außenbereich ebenfalls angefüllt. Das hat zur Folge, dass die Kirchenmauern ein Stück weiter im Erdreich verschwunden sind. Die Folge sind nun deutlich Risse im Mauerwerk, hervorgerufen durch aufsteigende Feuchtigkeit. Also soll nun das Niveau im Inneren der Kirche wieder auf den alten Zustand abgesenkt und der Boden rund um die Kirche wieder abgetragen werden. Bernhard Brüggemann hofft, vielleicht den alten Fußboden in der Kirche wieder freilegen zu können.

Eine neue Heizung für die Kirche und ein neuer Anstrich im Inneren sollen dann die Arbeiten erst einmal abschließen. Rund 200 000 Euro dürften diese Maßnahmen dann noch einmal kosten, so dass mit Gesamtkosten in Höhe von etwa 450 000 Euro zu rechnen sind. Pastor Beckmann zeigt auf Risse im Mauerwerk, die durch das Anheben des Bodenniveaus verursacht wurden.Zwar gebe es Zuschüsse von verschiedenen Stellen, aber in bescheidenem Maße, erklärt Pastor Beckmann. Den Löwenanteil müsse die Gemeinde selbst schultern. Aus diesem Grunde wurde im Februar der Verein zur Erhaltung der St. Ulricus-Kirche aus der Taufe gehoben, dessen Gemeinnützigkeit inzwischen vom Finanzamt anerkennt ist. Die Gemeinde hält zu ihrer Kirche und 245 Mitglieder stehen derzeit bereits auf der Beitragsliste. Und sie kommen längst nicht alle aus dem Eggetal. »Auch von außerhalb ist man uns zugetan«, freut sich Pastor Beckmann. Und natürlich wird im Zuge der weiteren Kirchensanierung eine Menge Eigenleistung erbracht. »Bei den Außenanlagen können wir selbst viel machen und auch die Niveauabsenkung im Inneren der Kirche soll zu einem großen Teil in Eigenleistung erledigt werden, natürlich unter fachlicher Anleitung, so Beckmann.

Natürlich sind enorme finanzielle Anstrengungen erforderlich, um die Kirchensanierung sicherzustellen. Das fällt einer kleinen Gemeinde nicht leicht. Die St. Ulricus-Kirche ist jedoch eine der ältesten Kirchen in der Gegend überhaupt. Hinsichtlich ihres Erhaltungswertes gibt es keine Zweifel und schließlich bedeutet die gesamte Erhaltungsmaßnahme auch eine Verpflichtung der Geschichte gegenüber. Bernhard Brüggemann hatte dieses Kleinod einst als Meilenstein für die Christianisierung des Eggetales bezeichnet.
(Horst-H. Griepenstroh)