Presseartikel  
8. März 2005 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 56/2005

Fünf Weihekreuze als Zeugnis
Neue Serie von Dieter Besserer über die Börninghauser Kirche (Teil 1)

von Stadtheimatpfleger Dieter Besserer

Pr. Oldendorf.  Vor Kurzem wurde in Börninghausen ein Kirchbauverein für die sanierungsbedürftige und im Innengewölbe einsturzgefährdete St. Ulricus-Kirche  gegründet, in dem jeder Mitglied werden kann (die NW berichtete). Diese aus dem 13. Jahrhundert stammende romanische Saalkirche mit dem noch älteren Kirchturm ist wegen ihrer Geschichte von höchstem Denkmalwert, insbesondere auch aus baugeschichtlichen Gründen.In mehreren Folgen beleuchtet Dieter Besserer die Entstehung und Bedeutung dieser Kirche.   

Der älteste Teil der heutigen St. Ulricus-Kirche ist neben dem Kirchturm der quadratische Chor. Dabei handelt es sichIm Zentrum: Die von 1220 bis 1237 gegründete St. Ulricus-Kirche lag inmitten der im Eggetal liegenden Villikation Börninghausen, im Eigentum der Burggrafen von Stromberg, zu der fast alle älteren Bauernhöfe in Eininghausen und Börninghausen gehörten. um den heutigen Altarraum mit Orgelbereich. Dieser romanische Teil der Kirche, erkennbar an den Fenstern, war der ursprüngliche Kirchenbau des 13. Jahrhunderts.

Gegründet wurde die Kirche als Patronatskirche des hochadeligen Hauses von Stromberg/Rüdenberg von Bischof Konrad von Rüdenberg, von 1209 bis 1237 Bischof von Minden. In Zusammenhang mit der Translation von Reliquien des hl. Bischofs Ulrich von Augsburg aus Augsburg an das Mindener Kollegialstift St. Martini, die im Zeitraum 1188 bis 1195 erfolgte, gelangten später Teile dieser Reliquien über den Probst von St. Martini, Werner von Rüdenberg (1220 - 1252), einem Neffen des Bischofs Konrad von Rüdenberg, für die Kirchengründung nach Börninghausen.

Nach heutigem Kenntnisstand ist die Kirchengründung durch Bischof Konrad von Rüdenberg zwischen 1220 und 1237 anzusetzen. Er war nach den Quellen ein sehr tätiger Bischof in geistlicher und weltlicher Hinsicht. So hatte er 1221 oberhalb von Lübbecke unter kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Grafen von Tecklenburg seit 1213 die mindische Landesburg Reineberg erbauen lassen und 1227 das Kloster Levern in der heutigen Gemeinde Stemwede gegründet.

Die Mindener Domkirche: Diese war Sitz von Bischof Konrad von Rüdenberg (1209-1237). Er gilt als der Gründer der Börninghauser Kirche. Das Foto entstand um 1935.In Börninghausen besaß die Familie des Bischofs, die hochadelige Familie von Stromberg/Rüdenberg, die sogenannte Herrschaft Börninghausen, wahrscheinlich als Lehen des Bistums Minden. Diese Grundherrschaft um fasste fast alle Bauernhöfe in Börninghausen, Eininghausen und in der Börninghauser Masch und wurde als sogenannte Villikation verwaltet. Im Zentrum dieser Grundherrschaft lag der Villikationshaupthof, 1556 noch als Meier zu Börninghausen bezeichnet, an den die zugehörigen Höfe die Abgaben leisten mussten. Es ist der spätere Hof Meyer Nr. 2. Neben diesem Hof wurde eine von Wasser umgebene Befestigungsanlage angelegt mit einem Wehrturm aus der Zeit vor 1220 im Zentrum.

In der Flucht dieses Wehrturms nach Osten hin ließ der fromme Bischof Konrad von Rüdenberg eine kleine romanische Kirche anlegen, die noch heute als Chor der Börninghauser Kirche erhalten ist. Bischof Konrad wird wahrscheinlich diese Familienkirche seines hochadeligen Hauses persönlich dem hl. Bischof Ulrich geweiht haben. Von diesem Weiheakt zeugen noch in der Altarplatte der Börninghauser Kirche die eingemeißelten fünf Weihekreuze und das Sepulcrum. Darunter ist das Altargrab zu verstehen worin der weihende Bischof die Reliquien des heiligen Bischofs Ulrich von Augsburg zur dauerhaften Aufbewahrung niederlegte.
Fortsetzung folgt