Presseartikel  
10. Mai 2007 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 108/2007

Briefe an die Lokalredaktion
Von Uwe Ramsberg distanzieren

Pr. Oldendorf-Börninghausen. Zwei Leserbriefe beschäftigen sich mit der St.-Ulricus-Kirche. Folgende Erklärung stammt von den Vorstandsmitgliedern des „Vereins zur Erhaltung der St.-Ulricus-Kirche Börninghausen“.

Am 23. April hat im Rathaus eine öffentliche Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses als Denkmalausschuss der Stadt Pr. Oldendorf stattgefunden, an der einige Eggetaler Bürger teilgenommen haben. Die Presse hat darüber berichtet.

In dieser Sitzung hat Herr Uwe Ramsberg als Ratsmitglied, der auch Vorsitzender des Börninghauser Kirchbauvereins ist, das Presbyterium Börninghausen sowie den Architekten Dipl. Ing. Brüggemann, der mit der Renovierung der Börninghauser Kirche befasst ist, scharf angegriffen. Wir als Mitglieder des Vorstandes des Kirchbauvereins möchten uns davon ausdrücklich distanzieren. Zu diesem Schritt haben wir uns entschlossen, da wir mehrfach aus der Gemeinde und von außerhalb angesprochen wurden, ob wir mit den Ansichten des Vorsitzenden des Kirchbauvereins übereinstimmen.

Unsere Meinung stimmt in keiner Weise mit der des Herrn Uwe Ramsberg überein.

Heike Kampeter
Klaus Pfannenschmidt
Elke Stiebitz
Kurt Vieselmeier
Rüdiger Vortmeier
Edith Wobig

Empore ist hässlich und ein Relikt

Pr. Oldendorf. (...) Wir bestaunen mit Recht, wie liebevoll unsere Vorfahren ihre Kirche gebaut haben. Sie sind steinerne Glaubenszeugnisse. Dabei haben sie sehr wohl auf die rechten Raumverhältnisse geachtet und ihre Wirkung. Wichtig war dabei der freie Durchblick auf Altar und Kanzel als den Hauptbeziehungspunkten der Kirche und des Gottesdienstes. Anfang des 16. Jahrhunderts kam es dann in den evangelischen Kirchen zu Einbauten, sogenannten Emporen, auf denen zusätzliche Sitzplätze geschaffen wurden, weil dazu Bedarf bestand. Allerdings stellte dies eine Not- und Verlegenheitslösung dar, weil sie den Kirchenraum einengten und meist auch Kirchenfenster verbauten, wie in St.-Ulricus störend in den Kirchraum hineinragten. Heute aber werden sie oft abgebaut, weil dafür kein Bedarf mehr besteht.(...)

Wenn es um Erhaltung und Pflege des Gotteshauses geht, dann ist doch vor allem seine eigentliche Bestimmung gefragt, als Ort, da die Gemeinde zum Gottesdienst zusammenkommt. Der aber soll zum Lob und Ehre Gottes und zur Freude der Gemeinde festlich ausgestaltet werden. Dazu bedarf es aber auch immer wieder mitwirkender Gemeindeglieder in Gesang- und Posaunenchor, für die dann auch der notwendige Raum vorhanden sein muss.

Die alte Nordempore in St.-Ulricus ist dazu nicht geeignet, sie ist zu schmal, bietet zu wenig Platz, wie auch Bläser des Posaunenchors bestätigt haben, die mit ihren Köpfen an das Deckengewölbe gestoßen sind.

Die vorhandene Westempore aber war ebenfalls zu klein und verdeckte sogar teilweise den Gewölbebogen. Darum wurde vom Architekten vorgeschlagen, mit dem vorhandenen Material der abgebauten Nordempore eine größere Westempore zu schaffen. Damit wurden 40 Plätze gewonnen.

Diese Empore soll so eingebaut werden, dass der westliche Gewölbebogen nicht beeinträchtigt wird. Der Vorteil wäre neben dem Platzgewinn eine befreiende Raumwirkung. Das gilt auch für die Plätze unter der Nordempore, die sehr bedrückend und verdunkelnd auf die Sitzreihen unter ihr wirkte. Diese Maßnahmen würden den Kirchenraum nicht verschlechtern oder gar zerstören, sondern im Gegenteil verschönern, zumal sie die ursprünglichen Raumverhältnisse wiederherstellten.

Das raten und planen nicht „naive Stümper“, sondern hochqualifizierte Fachleute, die im Dienst der Kirche stehen und im Einvernehmen mit dem zuständigen Pfarrer und dem Presbyterium von St.-Ulricus tätig sind; sie können doch wohl am besten beurteilen, was in der Kirche für den Gottesdienst benötigt wird. Wer unvoreingenommen den Kirchenraum betrachtet und auf sich wirken lässt, wird gewiss eingestehen, dass durch den Abbau der Empore nichts zerstört, sondern die Raumwirkung wiederhergestellt, ja verbessert und verschönert wird.

Bedenken wir doch bitte: Es geht um das Gotteshaus, um seine würdige Gestaltung für den Gottesdienst und nicht um Erhaltung eines zwischenzeitlich eingebauten Reliktes der Vergangenheit, das heute seine Funktion verloren hat und dazu noch hässlich ist, die Empore, an der sich alles entscheiden muss.(...)

Armin Schmiedeberg
Pfarrer i. R.
Pr. Oldendorf-Holzhausen

Hinweis: Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.