Presseartikel  
17./18. Mai 2007 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 114/2007

Briefe an die Lokalredaktion
Dem Pfarrer „eins auswischen“?

Pr. Oldendorf. Zwei weitere Leserbriefe erreichten die Redaktion zur Diskussion über die Renovierung der St.-Ulricus-Kirche in Börninghausen.

Es wundert mich überhaupt nicht, dass der Denkmalausschuss der Stadt Pr. Oldendorf den Antrag der Kirchengemeinde Börninghausen zum Einbau einer Westempore abgelehnt hat. Ich habe als Mitglied des Kirchbauvereins am 5. März an der Gemeindeversammlung in Börninghausen mit Informationen zur Kirchenrenovierung teilgenommen.

An dem Abend war bereits erkennbar, dass Ratsmitglieder und Denkmalschützer der Stadt eine vorgefasste Meinung zum Vorhaben der Kirchengemeinde hatten. Die wohlbegründeten Ausführungen des Architekten sowie des Vertreters des Landeskirchlichen Bauamtes aus Bielefeld wurden von einigen in der Versammlung überhaupt nicht gehört und beachtet.

Soweit ich informiert bin, hat das Presbyterium Börninghausen einstimmig die Westempore beschlossen, die an dem Abend auch provisorisch und sehr anschaulich zur Besichtigung in der St.-Ulricus-Kirche aufgebaut war. Von den Fachleuten wurde einleuchtend dargelegt, dass die Anliegen der Denkmalpflege berücksichtigt seien und der Gemeinde mit dieser funktionstüchtigen Empore gedient ist.

Meine Frage an die Gremien der Stadt Pr. Oldendorf ist: Sind es wirklich sachliche Gründe – ohne Fraktionszwänge – die zu der Ablehnung des Antrags geführt haben oder will man dem überaus erfolgreichen und theologisch, ökumenisch und liturgisch so versierten Börninghauser Pfarrer und seinem Presbyterium „eins auswischen“?

Ich möchte in Erinnerung rufen, dass es wohl in erster Linie Pfarrer Beckmann zu verdanken ist, dass die Finanzierung für die weiteren Arbeiten an dieser einmaligen Kirche gesichert ist. Er hat es nicht verdient, dass einzelne Personen, die sich auf ihre Ansicht von Denkmalschutz berufen und denen es wohl kaum um Glaube und Kirche gehen dürfte, die Wiedereröffnung des Kleinods St.-Ulricus so verzögern.

Oliver Peters
(Ev. Pfarrer)
Schloß Neuhaus

„Seltsamer Widerspruch“

Der Presse habe ich entnommen, dass der Antrag der Ev.-Luth. Kirchengemeinde Börninghausen zum Einbau einer sinnvollen, neu gestalteten Empore vom Haupt- und Finanzausschuss der Stadt Pr. Oldendorf abgelehnt wurde.

Nach meinen Informationen befürwortet sowohl die Oberste Denkmalbehörde des Landesdenkmalamtes in Münster wie auch das Baureferat der Evangelischen Kirche von Westfalen in Bielefeld den Einbau der Empore, wie ihn der Architekt vorgeschlagen und das Presbyterium einstimmig beschlossen hat.

Welche stichhaltigen Argumente dagegen hat der Denkmalausschuss der Stadt? Nach dem fast einstimmigen Beschluss des Denkmalausschusses legt sich für mich die Frage nahe: Hat hier wirklich ein „Fachausschuss“ entschieden oder geht es um eine persönliche Entscheidung gegen Pastor Beckmann und das Börninghauser Presbyterium? Die Äußerungen, die der Vorsitzende des Kirchbauvereins, der gleichzeitig in Gremien der Stadt sitzt, in öffentlicher Sitzung gegen das Presbyterium und gegen den leitenden Architekten gemacht hat, stehen für mich in einem seltsamem Widerspruch zum Vorsitz im „Verein zur Erhaltung der St.-Ulricus-Kirche“. Da ich schon seit Jahren die St.-Ulricus-Kirche als Ort würdiger Liturgie und als Hort geistlicher Ökumene schätze, war es für mich von Anfang an klar, dass ich die Erhaltung dieser wertvollen Kirche finanziell unterstützen möchte.

So bin ich gleich nach Vereinsgründung Mitglied im Kirchbauverein geworden und habe die Renovierung durch gelegentliche Kollekten unserer Gemeinde unterstützt. Auf Dauer kann ich nicht einem Verein angehören, dessen Vorsitzender sich so gegen den Pfarrer und das Presbyterium stellt.

Christian Rasch
Ev.-Luth. Pfarrer
32051 Herford

Hinweis: Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.