Presseartikel  
26./27. Mai 2007 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 121/2007

„Vom Reden wird die Börninghausener die Kirche nicht fertig“

DAS INTERVIEW: Uwe Ramsberg spricht über seine Arbeit als Vorsitzender des Kirchbauvereins und die Kritik an seinen Äußerungen.

Uwe RamsbergPr.Oldendorf.
Westempore, Nordempore? Bei der denkmalgerechten Sanierung der St. Ulricus-Kirche in Börninghausen gehen die Meinungen zwischen Presbyterium sowie dem Vorsitzenden des Kirchbauvereins, Uwe Ramsberg, bekanntermaßen weit auseinander. Zum Sanierungsstreit befragte NW-Redakteurin Kirsten Tirre Uwe Ramsberg, der gleichzeitig SPD-Fraktionsvorsitzender ist.

Herr Ramsberg, wie bequem hat es sich denn eigentlich auf der Nordempore gesessen?

UWE RAMSBERG: Auf beiden Emporen, auf der Nord- und Westempore, haben die Gottesdienstbesucher gleichermaßen am Gottesdienst teilhaben können. Bequemlichkeit spielt in einem Gottesdienstbesuch doch nur eine untergeordnete Rolle.

Wegen Ihrer Haltung zum Einbau der Nordempore und ihren Äußerungen in der Sitzung des Hauptausschusses sind Sie von verschiedener Seite heftigst kritisiert worden. Wie nehmen Sie das persönlich auf?

RAMSBERG: Zum Einbau der Emporen (Nord- und Westempore) sind in der Vergangenheit mindestens 7 Varianten ins Gespräch gebracht worden, dies vom Jahr 2005 an. Dies zeugt sicher nicht von intensiver Auseinandersetzung mit der geschichtlichen Vergangenheit des Gebäudes. Dabei waren die Vorschläge zur Umgestaltung nur eines der Ärgernisse im Laufe der letzten beiden Jahre. Wer ein solch verantwortungsvolles Unternehmen wie die Renovierung unserer Kirche übernimmt, hat auch die Pflicht, sich mit der Geschichte des Gebäudes auseinanderzusetzen. Wenn dies nicht geschieht, ärgert es mich schon sehr heftig.

Selbst Mitglieder des eigenen Vereins haben sich von Ihren Äußerungen öffentlich distanziert. Kann ein Vorstand so überhaupt noch vertrauensvoll zusammenarbeiten und ziehen Sie Konsequenzen daraus?

RAMSBERG: Der Verein zur Erhaltung der St. Ulricus Kirche wird in seiner nächsten Vorstandssitzung am 12. Juni über die Dinge sprechen. Ich habe eine Aufgabe als Vereinsvorsitzender. Wir wollen bei der Renovierung der Kirche so gut mithelfen, wie wir können. In der letzten Jahreshauptversammlung gab es nichts Negatives. Als Privatperson behalte ich mir schon das Recht vor, mir eine eigene Meinung entwickeln zu dürfen, und diese dann auch zu äußern.

Für das Image des Kirchbauvereins ist so eine öffentliche Auseinandersetzung nicht gerade hilfreich .Haben Sie nicht Sorge, dass weniger Spendengelder fließen, was einer zügigen Sanierung nicht gerade zuträglich wäre?

RAMSBERG: Die Finanzierung der anstehenden Bauabschnitte ist nach den Äußerungen aus dem Presbyterium gesichert, sodass einer zügigen Sanierung nichts im Wege stehen dürfte. Die Diskussion um die Empore darf auch die Beendigung der Renovierung nur teilweise beeinflussen.

Qua Amt ist auch Gemeindepfarrer Friedrich-Wilhelm Beckmann in den Zwist involviert. Inwieweit belastet das ihr Verhältnis zueinander?

RAMSBERG: Ich glaube nicht, dass mein persönliches Verhältnis zu Herrn Beckmann öffentlich interessant sein dürfte.

Können Sie sich vorstellen, um des lieben Friedens willen doch noch von Ihrer Meinung zum Wiedereinbau der Nord-Empore abzurücken?

RAMSBERG: Ich bin davon überzeugt, dass meine Überzeugung hier nicht alleine ausschlaggebend ist. Die Beschlüsse zu den denkmalrechtlichen Erlaubnissen sind im Denkmalsausschuss der Stadt gefasst worden. Dieser Ausschuss hat sich intensiv mit der Angelegenheit vertraut gemacht und seine Entscheidungen getroffen Sie überschätzen da meine Einflussnahmemöglichkeiten. Entscheidungen im demokratischen Bereich der städtischen Gremien werden mit Mehrheit entschieden. Dem habe ich mich genau wie jeder andere zu beugen.

Bereuen Sie ein bisschen, dass Sie soviel Arbeit in St. Ulricus investiert haben?

RAMSBERG: Ich werde jetzt immer wieder darauf angesprochen, dass ich bei den Ausgrabungen soviel Zeit in dies Kirchengebäude gesteckt habe und eineinhalb Jahre fast nur in der Kirche anzutreffen gewesen bin. Keine Minute dieser Arbeit habe ich ungerne getan. Keine einzige Minute dieser Zeit möchte ich missen. Ich bin stolz auf die vielen ehrenamtlichen Helfer, die wir gehabt haben, und dankbar für die Zeit, die sie dem Kirchengebäude gespendet haben. Dies war nicht selbstverständlich und doch wird es so leicht übergangen. Und genauso freue ich mich mit den Helfern auf das fertigwerden der Kirche. Nur vom Reden wird sie nicht fertig.