Presseartikel  
25. Mai 2007 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 120/2007


Aus Briefen an die Redaktion
»Zumutung und Vertrauensbruch«

Zum Thema Emporenerhaltung in der St. Ulricus-Kirche in Börninghausen:

»Ich wende mich als Vorstandsmitglied des Kirchbauvereins, Stadtheimatpfleger und beratendes Mitglied des Denkmalausschusses gegen die teilweise unwürdigen Tendenzen in den Lesebriefen insbesondere der ev. Pfarrer Peters und Rasch sowie einiger Vorstandsmitglieder des Kirchbauvereins.

  • Wenn Herr Pfarrer Peters an Herrn Ramsberg als Vorsitzender des Kirchbauvereins schreiben will, so soll er die Leser damit verschonen. Die Adresse von Herrn Ramsberg ist Gerenortsweg 2 in Pr. Oldendorf. Pfarrer Peters hat den Internetauftritt, wo die Adresse steht, selbst benannt. Er hat vorher mit Herrn Ramsberg nicht gesprochen. Diese Art und Weise des Umgangs mit Menschen und die Rücktrittsforderung ohne vorherige Sachdiskussion mit dem Betroffenen ist insbesondere für einen Pfarrer unwürdig und unchristlich. Die 10 Gebote und die christliche Nächstenliebe sollten dem Herrn Pfarrer ja wohl bekannt sein.
  • Der Leserbrief einiger Vorstandsmitglieder des Kirchbauvereins ist eine Zumutung und ein Vertrauensbruch. Mit Herrn Ramsberg, dem Vorsitzenden, ist vorher nicht gesprochen worden. Die Klärung unterschiedlicher Auffassungen hat zunächst im Kirchbauverein selbst und hier im Vorstand zu erfolgen. Gerade in einem Verein, der den Begriff »Kirche« im Namen führt, kann man doch wohl Qualität und Menschenwürde im Umgang untereinander von den Vorstandsmitgliedern erwarten.
  • Die Stadt Pr. Oldendorf ist untere Denkmalbehörde nach Denkmalschutzgesetz. Die Mitglieder des Denkmalausschusses sind vom Volk gewählte Vertreter. Dies ist die von der Verfassung gewollte Volksherrschaft. Die Unabhängigkeit der gewählten Volksvertreter ist eines der höchsten Güter in unserer Demokratie neben der Meinungsfreiheit. Herr Uwe Ramsberg ist Mitglied des Denkmalausschusses und genießt den gesetzlichen Schutz als gewählter Volksvertreter und hat gesetzliche Meinungsfreiheit. Natürlich können und dürfen Mitglieder des Vorstandes des Kirchbauvereins auch anderer Meinung als er sein.
  • Der Vorwurf von Herrn Pfarrer Rasch, es ginge bei der Stadt Pr. Oldendorf gegen Pfarrer Beckmann persönlich (»eins auswischen«), ist völlig abwegig. Aus meiner Praxis in über 25 Jahren als Stadtheimatpfleger kenne ich solche Absurditäten nicht, wie jetzt in Börninghausen. Wir leben in einem Rechtsstaat. Gegen belastende Verwaltungsentscheide beim Denkmalschutz kann der Betroffene, hier die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Börninghausen, Widerspruch einlegen, wenn keine Einigung im Vorfeld möglich ist. Dann entscheidet die nächst höhere Stelle.
  • Pfarrer Schmiedeberg nutzt seine Meinungsfreiheit. Dies ist zu begrüßen und nicht zu beanstanden, auch wenn ich eine andere Auffassung habe. Der Geist der Leserbriefe der Pfarrer Rasch und Peters jedoch stimmt mich bedenklich. Die Kirche ist kein Staat im Staate. Auch für die Kirche gilt das Denkmalschutzgesetz. Das durchaus sachkundige kirchliche Bauamt und die Kirchengemeinde Börninghausen sind jedoch Partei und müssen sich den denkmalrechtlichen Entscheidungen der zuständigen staatlichen Behörden stellen.
  • Der Denkmalschutzgedanke scheint mir in Börninghausen bei der Kirchengemeinde nicht genügend ausgeprägt. Ich habe in über 25 Jahren meine Erfahrung gesammelt. Von der wirklich denkmalwerten Empore von 1684 aktuell einmal abgesehen ist es für mich als Stadtheimatpfleger eine Zumutung, wenn die Kirchengemeinde Börninghausen im gotischen oder auch romanischen Kirchenschiff die Nordwand durchbrechen und eine zusätzliche Tür einbauen will. Insbesondere kirchliche Denkmäler sollten als Geschenk Gottes betrachtet und auch so behandelt werden.«

DIETER BESSERER
32361 PR. OLDENDORF

Hinweis: Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.