Presseartikel  

14. März 2007 - Wittlager Kreisblatt, Lokalausgabe der "Neue Osnabrücker Zeitung" Nr. 62/2007

Werden für die neue Empore Teile der historischen Tribüne verwendet?
Von Joern Spreen-Ledebur

Büscherheide / Börninghausen.
Vor einigen Jahren waren es noch Risse, die sich durch die Gewölbe der St.-Ulricus-Kirche zogen. Die sind ausgebessert. Jetzt gibt es wieder Risse. Nur ziehen die sich nun durch die Börninghauser Kirchengemeinde.


Hartmut Krome vom Bielefelder Landeskirchenamt und Bernd Brüggemann als leitender Architekt stellten die Planungen für die künftige Gestaltung des Innenraums von St. Ulricus vor. Der Fußboden des Langhauses wird tiefer gelegt, zwei Stufen führen hinauf in den Chorraum. Zum Raum im Turm führt eine Stufe. Aus Sicht von Brüggemann und Krome hat das Vorteile. Gottesdienst-Besucher im Turmraum hätten freie Sicht auf den Altarraum. Für die neue Empore sollen Teile der alten historischen Tribünen verwendet werden: Die Ankündigung von Architekt Bernd Brüggemann konnte einige Gemüter während der jüngsten Gemeindeversammlung jedoch nicht beruhigen.

Die Empore an der Nordseite des Langhauses stamme aus dem Jahr 1684 und gehöre zur Kirche, sagte Stadtheimatpfleger Dieter Besserer. Ein Denkmal wie St. Ulricus bilde eine Einheit, und da könne man nicht einfach ein Teil herausnehmen. Dem widersprach Hartmut Krome. Die Empore werde nicht komplett entfernt, die historische Brüstung bleibe. Außerdem bedeute Denkmalschutz nicht die Unveränderbarkeit, das Amt für Denkmalpflege habe den Planungen des Presbyteriums zugestimmt.

"Die Kirche ist kein Staat im Staat", konterte Besserer. Besserers Kritik teilte Ernst-August Schrewe, der den Beschluss des Presbyteriums im "stillen Kämmerlein" monierte und die Emporen-Pläne als Frevel bezeichnete.

Die Kritik an den Emporen-Plänen scheint ein Anlass für den Streit in der Gemeinde zu sein, die Ursache könnte eine andere sein. "Pfarrer Beckmann hat versucht, mich unter Druck zu setzen", erklärte Marita Ramsberg, Frau des Kirchbauvereins-Vorsitzenden Uwe Ramsberg. Ihr Mann habe den Vorsitz nicht übernehmen wollen. "Wenn einer unter Druck gesetzt wurde, dann Pfarrer Beckmann und das Presbyterium", widersprach energisch Presbyterin Waltraut Ewert. Ramsberg sei gewählt worden und habe die Wahl angenommen.

Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann verwahrte sich gegen Unterstellungen: "Meine Aufgabe ist die Verkündigung des Wortes Gottes." Zum Glück sei ihm sein Mandat nicht von Teilen der Gemeinde gegeben worden: "Die Animositäten, die sich hier auftun, sind einer christlichen Gemeinde unwürdig." Wenn er aus den Reihen des städtischen Denkmal-Ausschusses höre, dass für den Fall des Einbaus einer neuen Empore künftige Anträge der Gemeinde im Rathaus abgelehnt würden, dann sei das schade. In dieser Richtung sei Druck von Ernst-August Schrewe ausgeübt worden, sagte Presbyter Volker Vortmeier. Das werfe ein schlechtes Licht auf den Rat, kommentierte Christian von Haugwitz.

"Ich habe den Eindruck, als ob hier mit Pfarrer Beckmann und seinem Amtsstil abgerechnet werden soll", sagte der Paderborner Pfarrer und Kirchbauvereinsmitglied Oliver Peters: "Liebe Christen: Wenn ihr keinen Pfarrer wie Beckmann hättet, dann wäre es hier zappenduster." .