Presseartikel  
07./08. Juni 2007 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 130/2007


Leserbrief: Nicht Partei für Falschen ergreifen

Zum Thema Emporenerhaltung in der St. Ulricus-Kirche in Börninghausen (LK vom 17., 23. und 25. Mai):

»Stadtheimatpfleger Besserer wendet sich gegen die >teilweise unwürdigen Tendenzen< in meinem Leserbrief zur Empore in Börninghausen. Die pauschale Parteiergreifung für den nach meiner Überzeugung nicht mehr geeigneten Vorsitzenden des Kirchbauvereins kann so nicht hingenommen werden. Der Vorhalt mit den Zehn Geboten beeindruckt mich als Pfarrer in keiner Weise. Sie gelten für jeden Christen.

Meine Frage bleibt: Hat Herr Ramsberg sich an die Zehn Gebote gehalten, als er anfing, die Presse für seine unsachlichen Standpunkte zu missbrauchen, als er sich in der Zeitung dafür einsetzte, die Orgel von der Ostempore über dem Altar wieder in den Rücken der Gemeinde zu stellen auf eine Westempore, als er Äußerungen gegen die Presbyteriumsmitglieder in die Öffentlichkeit trug und unnütze und unsachliche Briefe an das Presbyterium schrieb?
Um es ganz klar zum Ausdruck zu bringen: Nicht der Brief einiger Vorstandsmitglieder des Kirchbauvereins ist >Zumutung und Vertrauensbruch<, sondern einzig und allein das Verhalten von Herrn Ramsberg. Wo hat Herr Ramsberg vor seinen öffentlichen Äußerungen als Vereinsvorsitzender das Gespräch mit den anderen Vorstandsmitgliedern gesucht?

Sehr geehrter Herr Besserer, Sie ergreifen hier unter fadenscheinigen Vorwänden Partei für den Falschen. Gerade >gesetzliche Volksvertreter< müssen sehr sorgfältig mit der >gesetzlichen Meinungsfreiheit< umgehen und dürfen diese nicht missbrauchen. In einer neuerlichen Zeitungsäußerung sagt Herr Ramsberg: >Wer ein solch verantwortungsvolles Unternehmen wie die Renovierung unserer Kirche übernimmt, hat auch die Pflicht, sich mit der Geschichte des Gebäudes auseinander zu setzen.< Hat Herr Ramsberg bessere Voraussetzungen dazu als Landesdenkmalamt, Landeskirchenamt, Pfarrer und Presbyterium? Wenn Herr Ramsberg sich herausnimmt, für die Kirchenrenovierung verantwortliche Gremien an ihre Pflichten zu erinnern, dann kommt mir die Frage: Wer erinnert Herrn Ramsberg eigentlich an seine Pflichten, die er als Ratsherr und Gemeindemitglied hat? In der Kirche kann offenbar jeder mitreden, auch wer sie nur äußerst selten oder gar nicht mehr zum Gottesdienstbesuch betritt.

Auf jeden Fall ist meine frühere Feststellung in keiner Weise durch Ihre wortreichen Darlegungen widerlegt worden, dass nämlich eine vorgefasste ablehnende Haltung zum Anliegen einer sinnvollen Empore der Kirchengemeinde Börninghausen schon in der Gemeindeversammlung am 5. März vorhanden war. Daraus kann man folgern, dass Gremien der Stadt parteiisch sind. Wenn Herr Ramsberg in der Presse behauptet, dass der Denkmalausschuss >sich intensiv mit der Angelegenheit vertraut gemacht< hat, dann darf man doch die Frage stellen: Ist das die Wahrheit? Ist es nicht vielmehr so, dass Herr Ramsberg auf geschickte Weise das Gremium der Stadt auf seine Seite gezogen hat und es im Vorfeld geschafft hat, auch die Gegnerfraktion komplett auf seine Linie einzuschwenken? Fragen könnte man auch stellen zum Verhalten der Bürgermeisterin, die in der öffentlichen Sitzung Ratsmitgliedern das Wort erteilte, die sie öffentlich die unsachgemäßen Meinungen zur Qualität des leitenden Architekten und zur Arbeit des Presbyteriums äußern ließ.
Dem Stadtheimatpfleger Besserer ist voll zuzustimmen, wenn er schreibt >Die Kirche ist kein Staat im Staate. Auch für die Kirche gilt das Denkmalschutzgesetz.< So hat er es mehrfach in der Versammlung am 5. März in Börninghausen betont. Andererseits aber steht nirgendwo geschrieben und ist nach keinem geltenden Gesetzestext vorgesehen, dass Gremien der Stadt einschließlich der sie beratenden Personen mit so genannten Fachkompetenzen ihre Macht missbrauchen und eine sinnvolle Emporenlösung, wie sie selbst von der Obersten Denkmalbehörde in Münster und von der Obersten Baubehörde der Landeskirche in Bielefeld ausdrücklich und uneingeschränkt befürwortet wird, unter fadenscheinigen Argumenten, die jedem wirklichen Fachmann nur ein verständnisloses Kopfschütteln abnötigen, einheitlich im Fraktionszwang abschmettern.

PFARRER OLIVER PETERS
33104 PADERBORN

Hinweis: Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.