Presseartikel  
24. Juli 2007 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 169/2007


Sanierungsstopp in St. Ulricus-Kirche

Teile der Betonplatte im Altarraum entfernt - Verstoß gegen Denkmalschutz befürchtet
Von Wilfried Mattner

Ein Bauzaun versperrt derzeit den Zugang zur St. Ulricus-Kirche in Börninghausen. Gesichert ist er mit einem Vorhängeschloss.Fotos: Wilfried MattnerBörninghausen (WB). Nach dem Streit um die Gestaltung der zukünftigen Empore in der St. Ulricus-Kirche droht jetzt möglicherweise neuer Ärger. Denn nach weiteren Abbrucharbeiten im Altarraum ist die laufende Sanierung in dem Gotteshaus gestoppt worden.

Beigeordneter Herbert Weingärtern bestätigte gestern auf Anfrage der LÜBBECKER KREISZEITUNG, dass er die Einstellung der Arbeiten am vergangenen Freitag verfügt habe. »Aus dem Altarraum ist der Betonsockel rund um Altar und Orgel herausgebrochen worden. Und eventuell ist auch darunter liegendes Erdreich mit abgetragen worden«, sagte er. Für diese Arbeiten gebe es aber keine denkmalrechtliche Erlaubnis, wie sie vom westfälischen Amt Bodendenkmalpflege für die übrigen Abbrucharbeiten im Bereich des Kirchenschiffes und des Turmes erteilt worden sei. Das sei insbesondere vor dem Hintergrund entschieden worden, um die Fresken im Altarraum zu schützen, die sich auf Putz befänden, der nicht mehr überall fest mit dem MauerwEtwas abseits vom Bauschutt sind diese beiden »dicken Brocken« abgelegt worden.erk verbunden sei. »Die Fachleute waren vor Beginn der Sanierungsarbeiten der Ansicht, dass Erschütterungen beim Abbruch der Betonplatte den Putz und damit die Fresken in Mitleidenschaft ziehen könnten. Deshalb sollte die Platte erhalten bleiben«, erläuterte der Beigeordnete. Vereinbart worden sei lediglich, dass die Betonplatte nur an einigen Stellen für den Einbau der Kirchenheizung aufgeschnitten werden sollte.

Bei einem kurzfristig anberaumten Ortstermin seien Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann und das Presbyterium der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Börninghausen von dem Teilabbruch der Betonplatte im Altarraum ebenfalls überrascht gewesen. Denn das Gremium sei nach eigenen Angaben seit Wochen nicht mehr in dem Gotteshaus gewesen, in dem derzeit der Fußboden gebaut wird. Und um sich Zutritt zu verschaffen, habe lange nach dem Schlüssel für das Vorhängeschloss gesucht werden müssen, mit dem der im Juni aufgestellte Bauzaun im Eingangsbereich von St. Ulricus gesichert ist.
Ein Bauzaun versperrt derzeit den Zugang zur St. Ulricus-Kirche in Börninghausen. Gesichert ist er mit einem Vorhängeschloss.Fotos: Wilfried Mattner
Noch am Freitag hat Weingärtner nach eigenen Worten mit Dr. Otfried Ellger, Bodenarchäologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, telefoniert, um die weitere Vorgehensweise abzustimmen. Dabei habe Ellger deutlich gemacht, dass nun der Bereich des Chorraumes ebenfalls archäologisch untersucht werden solle, »wenn die Platte schon einmal runter ist«. Weingärtner betonte, dass die Betonplatte selbst kein Denkmal sei. Für den Bereich darunter könne dies aber mit Blick auf die übrigen Funde in der Kirche durchaus vermutet werden.
Im Gespräch mit der LÜBBECKER KREISZEITUNG sprach er von einem »gravierenden Verstoß gegen denkmalrechtliche Bestimmungen«. Inwieweit dies Auswirkungen auf den Fortgang der Sanierungsarbeiten und vielleicht sogar auf finanzielle Förderungen haben könne, werde man abwarten müssen.

Ganz kurzfristig soll es jedenfalls eine Besprechung von Vertretern der an der St. Ulricus-Sanierung beteiligten Behörden geben, in der es um die Vorgehensweise und Verantwortlichkeit für den Teilabriss der Betonplatte im Altarraum gehen dürfte. Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann (im Urlaub) sowie Dipl.-Ing. Hartmut Krome vom Landeskirchlichen Baureferat in Bielefeld und Bodenarchäologe Dr. Otfried Ellger waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.