Presseartikel  

27. Juli 2007 - Wittlager Kreisblatt, Lokalausgabe der "Neue Osnabrücker Zeitung" Nr. 171/2007

Denkmalpfleger legen Sanierung still
Von Joern Spreen-Ledebur

Büscherheide / Börninghausen.
Seit geraumer Zeit wird die Börninghauser Ulricuskirche saniert - bis vor wenigen Tagen das vorläufige Aus kam. Einige Tage rührte sich nichts in dem alten Gemäuer. In einem Teil darf jetzt wieder gearbeitet werden. Nur der Chorraum der mittelalterlichen Börninghauser Kirche ist nach wie vor tabu.


Die Stadt Pr. Oldendorf hatte Ende vergangener Woche einen Stopp der Sanierungsarbeiten verfügt. Knackpunkt und Grund dafür war die Betonplatte im Chorraum. Es habe die Absprache gegeben, dass die Betonplatte nicht angetastet werde, sagte gestern Herbert Weingärtner, Beigeordneter im Pr. Oldendorfer Rathaus und somit Vertreter der unteren Denkmalbehörde. Arbeiten an der Platte hätten die mittelalterlichen Wandfresken gefährden können. Untersuchungen unter der Bodenplatte verzögerten außerdem den zeitlichen Rahmen und verursachten zusätzliche Kosten. Zudem sei über die denkmalrechtliche Erlaubnis zum Einbau einer neuen Heizung noch nicht entschieden. Damit werde sich im August der Denkmalausschuss befassen, betonte Weingärtner.

Es kam aber anders. Am vergangenen Freitag habe ihn ein Bürger angerufen und die Vermutung geäußert, dass in der Kirche möglicherweise Arbeiten ausgeführt worden seien, die nicht genehmigt gewesen seien, erklärte Weingärtner. Er habe sich vor Ort umgesehen: "Die gesamte Betonplatte war weg." Daraufhin habe er die Stilllegung der Baustelle veranlasst. Nach Angaben von Weingärtner hatte Hartmut Krohme vom Baudezernat des Landeskirchenamtes das Entfernen der Betonplatte veranlasst. Krohme war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Was tun? Darüber haben gestern alle Beteiligten beraten - und für Teilbereiche einen Kompromiss erzielt. Im Bereich des Turmes und des Kirchenschiffes darf ab sofort weitergearbeitet werden. Lediglich im Chorraum gilt nach wie vor die Stilllegung. Wann und wie es dort weitergeht, hängt davon ab, ob Dr. Otfried Ellger, Archäologe des Landschaftsverbandes, Grabungen vornehmen möchte.

Mit Hinweis auf das laufende Verfahren wollte sich Pfarrer Friedrich-Wilhelm Beckmann gestern zu den Vorgängen nicht äußern. Ebenso Uwe Ramsberg, Vorsitzender des Kirchenbauvereins. Ramsberg verwies darauf, dass man sich erst im Vorstand über neue Entwicklungen informieren wolle, bevor man an die Öffentlichkeit gehe. Die nächste Sitzung des Vorstandes findet im August statt, dann soll es Informationen durch ein Mitglied des Presbyteriums geben.

Neben der Betonplatte gibt es noch einen anderen Punkt, der im Eggetal die Gemüter erregt. Das Presbyterium möchte die bisher zwei kleinen Emporen zu einer größeren zusammenfassen - unter Beibehaltung der alten Brüstungen. Das Amt für Denkmalpflege hat dem zugestimmt, die Stadt als untere Denkmalbehörde nicht. Die Argumente des Fachausschusses wurde der Münsteraner Behörde noch einmal übermittelt, sagte Weingärtner. Eine Antwort steht aus. Die Kirchengemeinde kann gegen den Bescheid der Stadt Rechtsmittel einlegen. Bislang haben beide Seiten aber erklärt, das nach Möglichkeit doch vermeiden zu wollen.