Presseartikel  
16. August 2007 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 189/2007

Kirchenstreit vom Zaun gebrochen
Ortspfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann hofft auf Einvernehmen bei der Sanierung von St.-Ulricus
VON KIRSTEN TIRRE

Pr. Oldendorf. Auf die Kirchengemeinde Börninghausen als Eigentümerin der St.-Ulricus-Kirche könnte ein Bußgeldverfahren zukommen. Das deutete Beigeordneter Herbert Weingärtner in der öffentlichen Sitzung des Hauptausschusses an. Mit dem ungenehmigten Entfernen einer Bodenplatte im Chorraum (die NW berichtete) ist aus Sicht des Verwaltungsmannes eine „Ordnungswidrigkeit“ begangen worden.

Stopp: Mitte Juli hat die Stadt die Stilllegung der Arbeiten an der St.-Ulricus-Kirche verfügt. Mittlerweile ist nur noch der Chorraum der Kirche tabu, die seit einigen Wochen von einem Zaun umgeben ist. FOTO: MEN Das Verstöße gegen § 41 Denkmalschutzgesetz können nach Auskunft der Verwaltung mit Bußgeldern bis zu 250.000 Euro geahndet werden. Ob ein solches Verfahren auch wirklich eingeleitet wird, ist allerdings noch völlig offen. „Darüber müssten wir als Stadt und natürlich der zuständige Ausschuss erst einmal befinden“, so Bürgermeisterin Anke Korsmeier-Pawlitzky.

Börninghausens Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann war bis gestern von einem möglichen Bußgeldverfahren noch nichts zu Ohren gekommen. Er sieht kein „schuldhaftes Verhalten“ im Entfernen der Bodenplatte, sondern vielmehr einen „Kommunikationsfehler“.

Bei den Vorarbeiten zum Verlegen von Thermoelementen für die kircheneigene Heizungsanlage seien Probleme aufgetaucht, weshalb das Baudezernat des Landeskirchenamtes der ausführenden Firma kurzerhand die Erlaubnis erteilte, die Platte zu entfernen. Diese allerdings sollte nach einer Absprache mit der Stadt eigentlich unangetastet bleiben, um Wandmalereien nicht zu gefährden. Beckmann: „Das ist wie bei jedem größeren Umbau, irgendwann tauchen Probleme auf, die vorher so nicht abzusehen waren.“

Zankapfel: Einige Verantwortliche wollen die alte Nordempore erhalten. Der Pfarrer siehts anders. Ortstermin: Im Frühjahr stellte Architekt Bernd Brüggemann (r.) die Planungen zur Gestaltung im Inneren der Kirche vor – inklusive einer angedeuteten größeren Westempore. FOTOS: ARCHIV JOERN SPREEN-LEDEBUR Während SPD-Ratsherr Uwe Ramsberg in der Sitzung die Vermutung äußerte, mit dem Aushub konnten auch noch wertvolle Funde – wie alte Münzen – im Schuttberg verschwunden sein, erklärte Stadtheimatpfleger Dieter Besserer: „Was da passiert ist, ist der Gipfel dessen, was ich jemals in Sachen Denkmalpflege erlebt habe.“ Auch von zerstörtem Vertrauen war da die Rede. Ernst-August Schrewe (CDU): „Was Misstrauen ausgelöst hat ist der Bauzaun um die Kirche.“

Die Verwaltung jedenfalls hat erst einmal einen Baustopp für den Chorraum verhängt. Gegen den Baustopp will die Kirche nach Auskunft von Pfarrer Beckmann nichts unternehmen. „Das Geld, welches wir zur Verfügung haben, soll in die Kirchsanierung fließen und nicht in einen Rechtsstreit.“ Er setze darauf („Ich stehe als Pastor für Einheit“), dass wieder ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werde. Beckmann: „Es wäre schade, wenn es nicht mehr um die Sache geht, sondern die Sanierung nur noch ein Politikum ist.“

Denn nach wie vor gibt es unterschiedliche Auffassungen zum Wiedereinbau der Emporen. Die Kirchengemeinde möchte die bisherige West- und Nordempore zu einer größeren Westempore kombinieren, auf der auch große Chöre und Bläsergruppen Platz finden. Fachausschuss, Verwaltung und Stadtheimatpfleger beharren auf einem Einbau nach altem – und ihrer Meinung nach denkmalgerechtem – Muster. Nach Meinung der obersten Denkmalbehörde in Münster wären die Vorstellungen der Kirchengemeinde durchaus „benehmensfähig“ – also mit dem Denkmalschutz zugunsten der Religionsausübung vereinbar.

Die Stadt als untere Denkmalbehörde hat nun ihrerseits eine Eingabe gemacht – und wartet dazu noch auf Antwort aus Münster. Und was Hannelore Lösche (Grüne) im Ausschuss als „Zerstörung eines Kleinodes“ bezeichnete, sieht Pfarrer Beckmann schlicht so: „Im Laufe der Zeit ist in der Kirche immer einmal wieder etwas verändert worden. Wenn nur der ursprüngliche Zustand als denkmalgerecht gilt, dann müssten wir auch auf elektrisches Licht in der Kirche verzichten und die Glocken wie früher von Hand läuten.“


Kommentar
Diskussion um Sanierung - Besinnen
VON J. SPREEN-LEDEBUR

In vielen Kirchengemeinden sind die Gläubigen bereit, sich für ihre Gemeinden zu engagieren. Sie helfen unentgeltlich bei Veranstaltungen, sie packen an, wenn gebaut wird. Dafür verdienen sie Anerkennung.

Ohne dieses Engagement wäre in den Gemeinden vieles nicht möglich. Und weil der Einsatz der Freiwilligen ein hohes Gut ist, darf das nicht gefährdet werden. Erst recht nicht durch Dinge, die zu einem Politikum werden. In Börninghausen hat es den Anschein, dass die entfernte Betonplatte und die geplanten Neugestaltung der Empore zum Politikum geworden sind.

Wenn es in Sachen Betonplatte Kommunikationsprobleme gegeben hat, dann ist das bedauerlich. Die Diskussion um den deshalb angeordneten Baustopp im Chorraum darf nicht dazu führen, dass das gemeinsame Ziel und die Anstrengung, eines der ältesten Gotteshäuser der Region zu erhalten, in den Hintergrund gedrängt wird.

Sonderlich bequem war die Nordempore doch eigentlich nicht. Warum sperren sich einige nun gegen eine zusammengefasste und größere Westempore? Und stimmen in den entsprechenden Gremien ab, obwohl sie in dieser Problematik als befangen gelten könnten? Das Christentum lehrt Vergebung und Nächstenliebe. Es lehrt, aufeinander zuzugehen. Das sollten auch die Verantwortlichen im Eggetal tun. Auch die Politik.