Presseartikel  
18./19. August 2007 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 191/2007

Briefe an die Lokalredaktion
„Opfer wird zum Täter gemacht“

Pr. Oldendorf - Börninghausen. Die Sanierung der St. Ulricus-Kirche sorgt weiterhin für Zündstoff. Im folgenden Leserbrief meldet sich der Stadtheimatpfleger zu Wort:

Am 11. Juli 2007 war ich in Börninghausen und u. a. auch bei der Kirche wegen der dort befindlichen Absperrungen. Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann erlaubte mir das Betreten der Kirche nicht, auch andere wurden zurückgewiesen, anfangs selbst Herr Beigeordneter Weingärtner durch die Baufirma.

Spätestens am 20. Juli 2007, nachdem der städtische Beigeordneter Herbert Weingärtner die kirchliche Baustelle denkmalrechtlich stillgelegt hatte, wusste ich worum es ging. Pfarrer Beckmann wollte wohl vollzogene Tatsachen schaffen. Er hat damit als Verantwortlicher der Kirche wichtigste archäologische Gegebenheiten für immer unwiederbringlich zerstören lassen und gegen das Denkmalrecht verstoßen. Beckmann ist mittlerweile bei den Denkmalbehörden einschlägig bekannt, bereits vor dem 20. Juli war es schon zu Verstößen u. a. durch ungenehmigte Grabungen gekommen, wie Herr Weingärtner in der Denkmalausschusssitzung erläuterte.

Nun soll es ein „Kommunikationsfehler“ gewesen sein. Diese „Masche“ kenne ich bei Pfarrer Beckmann über Jahrzehnte. Auch z. B. bei den alten Glocken, den Pfeilern am alten Friedhof und den Linden auf dem Kirchhof waren es immer nur „Irrtümer“ und „Versehen“, wie Pfarrer Beckmann in der letzten Gemeindeversammlung am 5. März 2007 auf meinen öffentlich geäußerten Vorwurf hin betonte.

Wenn Herr Beckmann jetzt als Pfarrer wieder die „Einheit“ betont und für ein „Vertrauensverhältnis“ gegenüber der Stadt wirbt, so ruft der Urheber der Vertrauenskrise nach vollzogenem Zerstörungsakt nunmehr zur Mäßigung auf. Das Opfer, nämlich die Stadt, wird zum Täter gemacht. Unter „Einheit“ der Kirche versteht Herr Beckmann nur die eiskalte Durchsetzung seiner eigenen Auffassungen. Demokratie in der Kirche gibt es für ihn nicht, wie auf der Gemeindeversammlung am 5. März 2007 zu hören und in dieser Zeitung am 7. März zu lesen war. Die öffentliche Anerkennung für die Bemühungen Beckmanns um die Ökumene haben ihn offenbar unempfänglich und hochmütig gegenüber Vorschriften und anderen Meinungen gemacht, wie ich erfahren musste.

Wäre ich Mitglied der Kirchengemeinde Börninghausen, könnte ich fragen, ob Pfarrer Beckmann noch tragbar ist. Da ich es aber nicht bin, ist der Superintendent bzw. die Kreiskirchenleitung aufgerufen, für gesetzeskonforme Zustände in Börninghausen zu sorgen. Dies würde dem Denkmal „St. Ulricus-Kirche“ sehr gut bekommen. Das Bibelzitat des Neuen Testaments „Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist“, häufig auf den Kanzeln zu hören, wird ja wohl keine „Sonntagspredigt“ ohne Bezug für das kirchliche Leben sein.

Herrn Spreen-Ledebur (Mitarbeiter der NW, Anm. d. Red.) möchte ich sagen, dass der vom Volk gewählte Kommunalvertreter nicht befangen sein kann, weil er eine bestimmte Meinung zu einer Sache hat. Es ist seine Pflicht diese Meinung zu haben und nach den gesetzlichen Vorschriften im Denkmalausschuss entsprechend abzustimmen.

Dieter Besserer
32361 Pr. Oldendorf

Hinweis: Leserbriefe geben ausschließlich die Meinung des Verfassers wieder.