Presseartikel  
25. März 2005 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 71/2005 (Ostern 2005)

Wappen erinnern an den Kirchherrn
Uralter Grabstein wird restauriert - Teil II der Geschichte von St. Ulricus
Von Dieter Besserer


Börninghausen (WB). Sowohl die Geschichte der Kirche als auch die Geschichte des romanischen Kirchbaus bis in die heutige Zeit ist ein Beispiel für die Entwicklung von einer hochadeligen Grundherrschaft mit Patronatskirche hin zu einer voll entwickelten Pfarrkirche mit eigenem Pfarrer und Kirchspiel. In Börninghausen ist dies sehr gut zu beobachten. Heute setzen wir die Serie über diese Kirche im Eggetal fort.

So sah die St. Ulricus-Kirche Börninghausen mit ihrem romanischen Wehrturm um 1905 aus. Zu erkennen ist auch die Neuanpflanzung einer Linde sowie Äste, eines bereits älteren Baumes. Mittlerweile sind sie alle gefällt. Die zwischen 1220 und 1237 gegründete Patronatskirche war zunächst für die Bedürfnisse des Grundherrn vorgesehen, der hochadeligen Familie von Stromberg-Rüdenberg und hier insbesondere für den Mindener Bischof Konrad von Rüdenberg. Hier wurde die Messe für den Grundherrn und wahrscheinlich nach und nach auch für dessen eigenbehörigen Bauern gehalten.

Vor dieser Zeit gehörte der östliche Teil von Börninghausen zum Kirchspiel Holzhausen und der westliche Teil mit der Bauernschaft Eininghausen und Büscherheide zum Kirchspiel Oldendorf. In einem längeren Zeitraum entwickelte sich nach der Gründung die Patronatskirche zur Pfarrkirche des Börninghauser Eggetals. Dies entspricht auch der allgemeinen Entwicklung der Eigenkirchen bzw. Patronatskirchen nach dem Wormser Konkordat des Jahres 1122. Die Pfarrer der Kirchspiele Oldendorf und Holzhausen konnten diese Entwicklung nur hemmen, aber nicht verhindern. So erscheint 100 Jahre später, im Jahre 1334, die frühere Patronatskirche kirchenrechtlich urkundlich durch das Prädikat »ecclesia parochialis« als Pfarrkirche des Börninghauser Eggetals. Das heißt natürlich nicht, dass das Kirchspiel schon seine heutige Größe hatte. Zu dieser Zeit im Jahre 1334 hatten die Grafen von Ravensberg ihre bereits 1292 erworbenen Rechte an dem »Amt Börninghausen« und der Patronatskirche über, wurden aber erst im Jahre 1334 eingelöst, da die Bauerngüter in Börninghausen und das Kirchenpatronat an die aus Börninghausen stammende adlige Familie von Bornheim verpfändet gewesen waren.

Im Gewölbe des Altarraumes befindet sich über dem Altar das Wappen der Grafen von Ravensberg als Patronatsinhaber. Charaktreristisch dafür sind drei Sparren. Die Bildung des Kirchspiels Börninghausen bedeutete natürlich, dass die Kirchherrn der Kirchen Oldendorf und Holzhausen Gläubige abgeben mussten. Dadurch ergaben sich auch finanzielle Verluste für die beiden genannten Kirchen. Die flächenmäßige Ausdehnung des Kirchspiels Börninghausen zum Nachteil der Kirchspiele Oldendorf und Holzhausen hat sich daher stufenweise in einem länger andauernden Prozess vollzogen. Belegt ist, dass im Jahre 1424 die Börninghauser Masch mit den dort liegenden Vorthof noch zum Kirchspiel Holzhausen gehörte. Erst im Jahre 1463 ist anzunehmen, dass das Kirchspiel seine heutige Größe erreichte. In diesem Jahr wurde die Kirche bedeutend erweitert. Darauf deuten zwei Wappen an der östlichen Innenwand der Kirche hin. Es handelt sich um die Wappen des ravensbergischen Drosten zur Burg Limberg Alhard von Hörde und seiner Frau Margarethe von Langen mit der Jahreszahl 1463. Nach dem Tod wurde er 1467 in der Börninghauser Kirche bestattet, denn die Burg Limberg lag im Kirchspiel Börninghausen. Sein Grabstein hat bis um 1970 in der Börninghauser Kirche und einige Zeit auch davor gelegen, Er wird zur Zeit von der Firma Meyer aus Pr. Oldendorf restauriert und soll dann an der Kirche als Geschichtsdenkmal wieder aufgestellt werden.

Alhard von Hörde war der Stellvertreter des Patronatsherrn, des Herzogs von Jülich und Berg in Düsseldorf, der auch Graf von Ravensberg war. In diesem Jahre 1463 wird ausweislich der Jahreszahl das gotische Kirchenschiff zwischen Turm und  der Kapelle erreichtet worden sein. Auch dürften zu dieser Zeit die drei ravensbergischen Sparren im Gewölbe des Altarraumes durch Aufmalung angebracht worden sein. Sie dokumentieren unübersehbar für alle Gläubigen und den Börninghauser Priester, der auf die Sparren schaute, wer sein Patronatsherr war. Sie sind heute noch zu sehen. Mit der Erweiterung war die bauliche Verbindung zwischen dem früheren Wehrturm und der Gründungskirche geschlossen worden. Diese Erweiterung berechtigt zu der Annahme, dass zu dieser Zeit das Kirchspiel Börninghausen seine heutige Ausdehnung erhalten hatte. Noch heute sind die beiden Bauabschnitte bei den Fenstern durch den romanischen Stil im Altarraum und im gotischen Stil im Kirchenschiff deutlich zu erkennen.