Presseartikel  
23. August 2007 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 195/2007

Erlaubnis an einige Auflagen geknüpft
St.-Ulricus: Sanierung kann weiter gehen
VON KIRSTEN TIRRE

Pr. Oldendorf. Etwas ungewöhnlich sei es schon, wenn einem am Abend vor der Ratssitzung noch eine Beschlussvorlage zur St.-Ulricus Kirche ins Haus flattere, merkte Ernst-August Schrewe (CDU) an. Zumal eigentlich nicht der Rat, sondern der Denkmalausschuss zuständig sei.

Doch nachdem der Hauptausschuss unlängst die Erteilung einer denkmalgerechten Erlaubnis zum Einbau einer Kirchenheizung vertagt hatte (die NW berichtete), entschied jetzt der Rat. Denn die Kirchengemeinde drängt die Zeit. Allerdings knüpften die Parlamentarier die Genehmigung an eine Reihe von Auflagen.

Mit zwei Gegenstimmen (FWG) und einer Enthaltung Günter Meier (FWG) votierte der Rat mehrheitlich für den erweiterten Beschlussvorschlag von Uwe Ramsberg (SPD). Die Verwaltung hatte die Zustimmung zum Einbau der Heizung lediglich von der Auflage abhängig gemacht, dass zum Schutz der historischen Ausstattung in der Kirche ein mobiler Befeuchter anzuschaffen ist.

Der Beschluss, den Uwe Ramsberg (gleichzeitig Vorsitzender des Kirchbauvereins) zur Abstimmung brachte, sieht so aus: „Der Rat beschließt, der Kirchengemeinde Börninghausen die denkmalrechtliche Erlaubnis für die Erneuerung der Kirchenheizung auf der Grundlage der vorliegenden Planung mit der Auflage zu erteilen, dass die Temperierheizung so gebaut wird, dass die Empore in der Form wieder eingebaut werden kann, wie sie vor der Renovierung bestanden hat.“ Weiter wird der Kirchengemeinde per Beschluss zur Auflage gemacht, dass zum Schutz der Ausstattung ein mobiler Befeuchter einzusetzen ist. Gleichzeitig stellte der Rat der Stadt fest, „ dass die Kirchengemeinde Börninghausen gegen den § 9 Denkmalschutzgesetz NRW verstoßen hat – in der Weise, dass die Betonplatte im Chorraum der St.-Ulricus-Kirche entgegen der Absprachen widerrechtlich entfernt worden ist. Dies stellt einen nicht wieder gut zu machenden Schaden dar.“ Dr. Ellger vom Westfälischen Amt für Denkmalpflege habe am 13. August den Schaden begutachtet und festgestellt, dass durch diese „widerrechtliche Maßnahme im Chor“ mit einem Verlust von Befunden in einer Schichtdicke von knapp 15 bis 20 Zentimetern auszugehen sei, heißt es in der Begründung des Beschlusses. Dazu wörtlich: „Dies stellt nach § 41 Denkmalschutzgesetz eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit einer nicht unerheblichen Geldbuße bis zu 250.000 Euro belegt werden. Die Verhängung der Geldbuße obliegt der unteren Denkmalbehörde.“

Im letzten Absatz des Beschlusses ist festgeschrieben: „Der Kirchengemeinde Börninghausen ist deutlich zu machen, dass bei einem weiteren Verstoß gegen das Denkmalrecht oder denkmalrechtliche Auflagen mit weiteren drastischen Geldbußen zu rechnen ist.“

Die meisten Ratsmitglieder sahen es wie Hannelore Lösche (Grüne): „Durch das Entfernen der Bodenplatte im Chorraum sind Arbeiten vollzogen worden, die nicht denkmalgerecht waren.“ Es müsse sichergestellt werden, das die Empore nunmehr wie beschlossen eingebaut wird. Lediglich Horst Röscher (FWG) hielt dagegen: „Ich möchte keine Schuldzuweisung an die Kirchengemeinde mittragen.“ Einstimmig votierte der Rat zudem für die vorläufige Unterschutzstellung des Kirchhofes und der Kirche als Bodendenkmal.