Presseartikel  

18./19. August 2007 - Wittlager Kreisblatt, Lokalausgabe der "Neue Osnabrücker Zeitung" Nr. 190/2007

Ein gravierender Eingriff?

Büscherheide / Börninghausen (sl).
Ein Zaun am Gotteshaus, ein Baustopp für die Arbeiten im Chorraum: Die Sanierung der Börninghauser St.-Ulricus-Kirche sorgt weiterhin für Diskussionen.


Der Pr. Oldendorfer Hauptausschuss hat jetzt eine Entscheidung zum Einbau einer denkmalgerechten Heizungsanlage im mittelalterlichen Gotteshaus vertagt. Die Politiker wollen eine Entscheidung erst dann treffen, wenn sich die Kirchengemeinde schriftlich dazu geäußert hat, wie es aus ihrer Sicht mit den Fundamenten für die Empore und den Aufgang zum Turm weitergehen soll. Während der Ausschuss-Sitzung wurden erneut Differenzen zwischen der Kirchengemeinde und den Politikern wegen des Ausbaus der Betonplatte im Chorraum deutlich. SPD-Ratsherr Uwe Ramsberg, auch Vorsitzender des Kirchbaufördervereins, vermutete, dass bei den Arbeiten möglicherweise auch Funde wie Münzen im Aushub verschwunden sein könnten. Kritisiert wurde das Entfernen der Betonplatte auch von Stadtheimatpfleger Dieter Besserer.

Aus Sicht des Beigeordneten Herbert Weingärtner ist das ungenehmigte Entfernen der Platte eine Ordnungswidrigkeit. Verstöße gegen das Denkmalschutzgesetz können nach Ansicht der Verwaltung mit einem Bußgeld von bis zu 250000 Euro geahndet werden. Nach Einschätzung der Kirchengemeinde ist dieser Schritt auf einen Kommunikationsfehler zurückzuführen. Angesichts von Problemen beim Verlegen von Thermo-Elementen für die Heizungsanlage habe das Baudezernat des Bielefelder Landeskirchenamtes kurzerhand die Erlaubnis erteilt, die Platte zu entfernen.

Aufgrund dieses Schrittes hatte die Stadt zunächst die Arbeiten in der gesamten Kirche gestoppt; derzeit gilt der Baustopp noch für den Chorbereich. Ein weiterer Punkt, der die Gemüter entzweit, ist nach wie vor die Empore. Das Presbyterium möchte die bisherigen Emporen an der Nord- und an der Westwand der Kirche zu einer größeren an der Westseite zusammenfassen. Dabei sollen auch die alten Brüstungen wieder verwendet werden. Diesen Überlegungen hatte auch das westfälische Amt für Denkmalpflege zugestimmt.

Stadtheimatpfleger Dieter Besserer hatte diese Planungen in den vergangenen Monaten heftig kritisiert und von einem gravierenden Eingriff in das Denkmal gesprochen. Besserer fordert deshalb, die beiden Emporen so wiederherzustellen, wie sie bis zum Beginn der Bauarbeiten waren. Die Kirchengemeinde hofft auf eine einvernehmliche Lösung. Pfarrer Friedrich-Wilhelm Beckmann setzt darauf, dass wieder ein Vertrauensverhältnis aufgebaut wird.