Presseartikel  
12. September 2007 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 212/2007


Nordempore bleibt geschützt
Versagensbescheid schon formuliert

Pr. Oldendorf (wm). Nach der Entscheidung des Haupt- und Finanzausschusses, das Tiefersetzen des Altars in der St. Ulricus-Kirche in Börninghausen mit einer denkmalrechtlichen Erlaubnis zu genehmigen, ist ein Problem gelöst. Mit dem Streit um die Empore schmort jedoch noch ein weiteres im Eggetal.


Deutlich wurde in der Sitzung, dass die Parlamentarier den Abbruch der Bodenplatte im Altarraum nach wie vor für »rechtswidrig« halten. Mit der denkmalrechtlichen Erlaubnis - eine entsprechende Dringlichkeitsentscheidung war bereits vorher getroffen worden - wurde nun lediglich der rechtliche Rahmen dafür geschaffen, dass die Kirchengemeinde die Sanierungsarbeiten fortsetzen könne (sh. LK von gestern).

Nach dem derzeitigen Stand können aber weder die Kirchengemeinde noch die evangelische Landeskirche von Westfalen damit rechnen, dass die Stadt im Emporenstreit in gleicher Weise nachgibt. Hierbei geht es bekanntlich darum, dass der Antrag im Raum steht, in Zukunft auf die Nordempore zugunsten einer größeren Westempore zu verzichten.

Beigeordneter Herbert Weingärtner informierte den Ausschuss über ein neues Schreiben des Landeskirchenamtes, in dem darauf hingewiesen wird, »dass der Umbau der Empore aus lithurgischen Gründen zwingend erforderlich ist«. Das sei in mehreren Ortsterminen von der Kirchengemeinde und Vertretern des landeskirchlichen Baureferates Bielefeld deutlich gemacht worden. Um nun den fortlaufenden Baufortschritt möglich zu machen, wird die Stadt darum gebeten, den von der Kirchengemeinde am 31. März gestellten Umbauantrag zu genehmigen. Dabei macht das Landeskirchenamt darauf aufmerksam, dass »nach seiner Kenntnis aufgrund vorheriger Gespräche« in dieser Angelegenheit mittlerweile auch die Zustimmung des westfälischen Amtes für Denkmalpflege zum Umbau der Empore vorliege - in Form einer »Benehmensherstellung«.

Dem steht allerdings ein städtischer Beschluss entgegen, wonach die Emporen - wie zahlreiche andere Gegenstände der Kirche - ebenfalls Denkmäler sind und per Beschluss geschützt wurden. Beigeordneter Herbert Weingärtner machte noch in der Ausschusssitzung deutlich, dass man von diesem Beschluss nicht abrücken werde. »Es bleibt dabei, dass beide Emporen in der alten Form wieder aufgebaut werden müssen«, bekräftigte er gestern nochmals gegenüber der LÜBBECKER KREISZEITUNG. Denn wenn man dem Antrag folge, könnte die Nordempore zersägt werden. Und auch wenn die Teile beim Aufbau der Westempore wieder verwendet würden, z.B. in der Brüstung oder als Wandpaneel, sei damit das »Denkmal Empore« zerstört.

Der Bescheid, mit dem der Kirchengemeinde der Umbau der Emporen in der von ihr beantragten Weise versagt wird, liege bereits im Entwurf vor und werde wohl noch in dieser Woche verschickt. Dagegen könne die Kirchengemeinde dann Widerspruch einlegen, über den der Kreis Minden-Lübbecke als Obere Denkmalbehörde zu entscheiden haben. Je nachdem, wie diese Entscheidung ausfalle, werde dann im Pr. Oldendorfer Rathaus geprüft, wie darauf zu reagieren sei.