Presseartikel  
24. Januar 2008 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 20/2008


Kreis muss Emporenstreit entscheiden
Widerspruch zurückgewiesen
Von Wilfried Mattner

Börninghausen (WB). Der Streit zwischen der evangelischen Kirche Börninghausen und der Stadt Pr. Oldendorf um die Empore in St. Ulrich erreicht eine neue Dimension.


Nicole Heitbreder ist Naturwerkstein-Mechanikerin im dritten Lehrjahr bei der Pr. Oldendorfer Firma Meyer, Spezialist für Restaurierungen. Hier prüft sie, ob die Burgberg-Sandstein-Quader des neuen Altars »im Lot« sind.Der Haupt- und Finanzausschuss ist in seiner Sitzung am Dienstagabend bei seiner bisherigen Linie geblieben und beharrt auf dem Wiederaufbau der Nordempore in der St. Ulricus-Kirche in der Form, wie sie vor Beginn der Sanierungsarbeiten im Gotteshaus bestanden hat. Folgerichtig wies er den Widerspruch der Kirchengemeinde bzw. des Landeskirchenamtes gegen diesen Bescheid zurück. Die Verwaltung wird nun die Angelegenheit zur Entscheidung über den Widerspruch an den Kreis Minden-Lübbecke als obere Denkmalbehörde weiterleiten.

Horst Röscher (FWG) betonte die Zustimmung seiner Fraktion zu den Kirchenplänen. Der Chor wisse nicht, wo er singen solle, die neue Empore passe durchaus in die Kirche. Röscher bedauerte, dass der Kirchbauverein zu dieser Frage keine Bürgerversammlung angeregt habe; das solle die Kirchengemeinde jetzt nachholen. Marlotte Oestreich (SPD) sagte, der Widerspruch der Gemeinde sei legitim; jetzt würden zur Begründung Kultur und Musik bemüht. Die SDP bleibe trotzdem bei ihrer ablehnenden Haltung zum Verzicht auf die alte Nordempore.

Das unterstrich aus Ernst-August Schrewe (CDU). Wenn ein Denkmal zum Denkmal erklärt werde, müsse es wieder so entstehen, wie es war, betonte der Fraktionssprecher. Vor diesem Hintergrund bleibe die CDU ebenfalls bei ihrem Nein zu Veränderungen.

Währenddessen laufen die Renovierungsarbeiten in St. Ulricus auf vollen Touren. Erste Bodenplatten werden auf der Fußbodenheizung verlegt, der Altar wird aus Burgberg-Sandstein neu gestaltet, die Fresken im Altarraum sind bereits restauriert, und an der Decke sind die Malerarbeiten ebenfalls weit gediehen.

Die Restaurateurinnen Silke Schomacher (l.) und Ellen Buschmeier von der Paderborner Spezialfirma Bödekker und Schlichting widmen sich mit größter Sorgfalt der Deckenbemalung. Fotos: Wilfried Mattner

Widerspruch des Kirchenamtes

Das Landeskirchenamt hat namens und für die Kirchengemeinde Börninghausen gegen den Bescheid der Stadt Pr. Oldendorf, mit dem die Aufgabe der Nordempore zugunsten einer größeren Westempore versagt wurde, im November 2007 Widerspruch eingelegt. Darin wird auf das »Selbstbestimmungsrecht« der Kirchen im Grundgesetz hingewiesen und festgestellt, das durch den beantragten Umbau der Empore den vorrangig zu beachtenden kirchlichen Belangen in hohem und der Denkmalpflege in angemessenem Umfang Rechnung getragen wird.

Gutachten Ulrich Hirtzbruch

Dem Landeskirchenmusikdirektor genügt die bisherige Form mit Nord- und Westempore lithurgisch und kirchenmusikalisch nicht. In der kleinen Kirche gebe es keinen anderen Aufstellungsort für Musizierende als eine neue Westempore mit Raum für etwa 45 Personen. In St. Ulricus gehe es um die Denkmalpflege an einem Baukörper, der nicht primär musealen, sondern lithurgischen Zwecken diene. Es liege auch im politischen Interesse der Stadt, dass in St. Ulricus die zur praktischen Kulturarbeit nötigen Voraussetzungen geschaffen werden.

Umfrage des Westfalen-Blatt.
Stellungnahme Heinz-H. Grube

Der Kreiskantor ist nach Gesprächen vor Ort mit Musikern für den Einbau einer größeren Westempore. Sie sei unter liturgischen und musikalisch-praktischen Gesichtspunkten eindeutig die bessere Lösung und bringe einen großen Gewinn für das gottesdienstliche Leben in St. Ulricus. Der Wegfall der Nordempore werde dem vorderen Kirchenraum größere Weite verleihen und damit eine verbesserte Akustik. Die größere Westempore gebe nicht nur Chören mehr Raum, sondern ermögliche eine Aufstellung, um sinnvoll miteinander musizieren zu können.

Bürger sagen ihre Meinung

Der Streit darum, ob die alte Nordempore in der sanierten St. Ulricus-Kirche wieder aufgebaut werden soll oder ob man auf sie verzichtet und denkmalwerte Teile in eine neue, größere Westempore integriert, spaltet seit längerer Zeit die Kirchengemeinde - und das Eggetal insgesamt. Verwaltung und eine große politische Mehrheit bestehen auf Denkmalschutz und damit auf Erhaltung der Nordempore. Doch wie ist kurz vor Abschluss der Sanierung die Bürgermeinung jetzt: Stimmen Sie bis zum 31. Januar ab im Internet unter @  www.westfalen-blatt.de/umfrage/luebbecke .