Presseartikel  
24. Januar 2008 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 20/2008

Emporen-Disput jetzt eine Ebene höher
Widerspruch der Kirchengemeinde Börninghausen beschäftigt die Kreisverwaltung
VON KIRSTEN TIRRE

Pr. Oldendorf-Börninghausen. Der „Emporenstreit“ zwischen der Kirchengemeinde Börninghausen und der Stadt als untere Denkmalbehörde hat erst einmal keine Auswirkungen auf die Einweihungsfeier der sanierten St. Ulricus-Kirche. Die Feierlichkeiten sind für Ende April angesetzt, „und mit den Restaurationsarbeiten liegen wir derzeit voll im Plan“, heißt es aus Reihen der Verantwortlichen in der Kirchengemeinde..


Ruhiges Händchen: Mit einem Pinsel zieht Ellen Buschmeier aus Paderborn die Verzierungen an der Decke des alt-ehrwürdigen Gotteshauses nach. Viel Fingerspitzengefühl ist dafür erforderlich. FOTO. PATRICK MENZEL

Die beiden historischen Emporen – um die sich der Zwist dreht – sind derzeit noch eingelagert. Die Kirchengemeinde Börninghausen möchte diese, wie mehrfach berichtet, aus liturgischen Gründen zu einer großen Westempore vereinen. Die Stadt als untere Denkmalbehörde beharrt hingegen auf dem Wiedereinbau beider Emporen in das Kirchendenkmal.

Und zu keinem anderen Ergebnis führte denn auch die jüngste Sitzung des Hauptausschusses. Bei zwei Gegenstimmen (FWG) hielt das Gremium an seinem Beschluss vom April 2007 fest und gab dem Widerspruch der Kirchengemeinde nicht statt. Da nutzte es auch wenig, dass die Kirchengemeinde Börninghausen gegen die Verfügung der Stadt gleich eine ganze Reihe von Argumenten für eine vergrößerte Westempore beigefügt hatte, die auch einem größeren Chor genügend Raum bieten würde.

Neben Gutachten des landeskirchlichen Baureferates sowie des Landeskirchenmusikdirektors, Ulrich Hirtzbruch, lag dem Widerspruch auch eine Stellungnahme des Kreiskantors im ev. Kirchenkreis Lübbecke, Heinz-Hermann Grube, bei. Grube teilt die Meinung des Architekten sowie der Kirchengemeinde, dass eine vergrößerte Westempore unter liturgischen und unter musikalisch-praktischen Gesichtspunkten eindeutig die bessere Lösung sei und „einen großen Gewinn für das gottesdienstliche Leben in der St.-Ulricus-Kirche bringen wird.“

Grube weiter: „Es wäre ein großer Fehler, die Erhaltung eines bestimmten baulichen Zustandes um der Bewahrung willen einer Veränderung vorzuziehen, die die weitere Entwicklung eines reichen gottesdienstlichen und musikalischen Lebens in der St.-Ulricus-Kirche erheblich fördern würde.“

Eine erneute längere Diskussion um den Wiedereinbau der Emporen hielten die Ausschussmitglieder für nicht notwendig. Marlotte Oestreich (SPD): „Der Versuch der Kirchengemeinde, Gegenargumente zu finden und dabei die Kultur und die Musik zu bemühen, ist legitim. An unserer Meinung ändert sich allerdings nichts.“

Genauso sahen es CDU und Grüne. Ernst-August Schrewe (CDU): „Wenn ein Denkmal ein Denkmal ist, dann muss es auch so wieder erstehen, wie es war. Das gilt ja auch für einige Privatobjekte im Fachwerkdorf Offelten. Die Auflagen begeistern die Privatleute nicht gerade. Wir können im Denkmalschutz nicht mit zweierlei Maß messen.“

„Wir finden, die neue Empore passt in die Kirche“, meinte Horst Röscher (FWG). Seiner Ansicht nach hätte der Kirchbauverein im Vorfeld eine Bürgerversammlung zu dem Thema einberufen sollen. „Ich würde der Kirchengemeinde raten, das zu tun.“

Jetzt liegt der Widerspruch auf dem Tisch der Kreisverwaltung als obere Denkmalbehörde, die nun gehalten ist, eine Entscheidung zu treffen.