Presseartikel  
03. März 2008 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 53/2008

 
Zorn und Bitterkeit kamen hoch
Verein zur Erhaltung des Gotteshauses hat einen neuen Vorsitzenden

Börninghausen (WB). Der offene Streit in Denkmalschutzfragen, der in jüngerer Vergangenheit die Sanierung der St. Ulricus-Kirche überschattet hat, prägte natürlich auch die Jahreshauptversammlung des Vereins zur Erhaltung des Gotteshauses. Ganz ungeschminkt ist dabei abgerechnet worden, sind Unmut, sogar Zorn und Bitterkeit zum Ausdruck gekommen und haben schließlich zu einem Wechsel in der Vorstandsspitze geführt.


Dabei haben sich die Mitglieder zunächst noch verhalten gezeigt: Vorsitzender Uwe Ramsberg konnte den ersten Teil seines Jahresberichtes mit Rückblick verlesen. Und auch die Hälfte des zweiten Parts haben die Mitglieder, wenn auch mit leisen Zwischenäußerungen, hingenommen. Doch dann ist der Sturm los gebrochen, ausgelöst durch seine Äußerungen zu eigenen Belastungen und zu den Ausgrabungen: »Zu keiner Zeit ist in so schneller Zeitfolge hintereinander gelogen worden, sind Aussagen, die in Protokollen niedergeschrieben und nachzulesen sind, widerrufen oder als nicht gesagt dargestellt worden.«

Die Reaktion ist mehr als deutlich gewesen: »Müssen wir uns das hier anhören? Wir sind Mitglieder und wollen einen sachlichen Geschäftsbericht, nicht Ihre persönliche Meinung.« Damit ist die Arena für Zwischenrufer geöffnet worden: »Wir machen hier keinen Wahlkampf, wir haben soviel Geschwätz gelesen, dass wir uns das hier nicht anhören müssen.« Auf die Äußerung, dass man in Kürze einen Rücktritt des Vorsitzenden erwarten würde, hat Ramsberg erwidert, dass es dazu nicht kommen werde: »Es wird ganz formal gewählt werden.« Chorleiter Henrik Menzel warf Ramsberg »unehrenhaftes Verhalten« vor. Ramsberg wies noch einmal darauf hin, dass das Vertrauen zwischen dem Presbyterium und seiner Person auch seinerseits nicht mehr vorhanden sei, so wie das Presbyterium ihm dies bereits schriftlich im November mitgeteilt hatte.

Weitere Unmutsbekundungen haben Ramsberg zum endgültigen Abbruch veranlasst: »Wenn Sie der Ansicht sind, den Bericht nicht hören zu wollen, bedauere ich dies, nehme es aber zur Kenntnis.« Die Versammlung drängte auf Neuwahlen. Ramsbergs Aussage, er werde nicht wieder kandidieren, wurde mit Applaus quittiert. »Wenn jemand wegen seines Gesundheitszustandes gezwungen sei, Ämter niederzulegen, gibt es nicht zu beklatschten. Ich finde das total daneben«, hat Uwe Ramsberg reagiert.

Die nächsten Tagesordnungspunkte gingen reibungslos vonstatten. Der Kassenbericht ist von Schatzmeisterin Elke Stiebitz verlesen worden, den Prüfbericht hat Hartmann Wünsch gegeben, der eine »sehr gute und ordentliche Buchführung« bestätigt hat. Auf Antrag ist dem Vorstand mit wenigen Enthaltungen einstimmig Entlastung erteilt worden. Eine Einigkeit der Mehrheit hat in jedem Fall geherrscht. Das haben die durchaus unkomplizierten Neuwahlen deutlich gemacht.

Die Versammlung hat Reinhard Finke einstimmig mit sieben Enthaltungen zum neuen Vorsitzenden gewählt. Im Vorfeld hatte Bürgermeisterin Anke Korsmeier-Pawlitzky ausrichten lassen, für das Amt der zweiten Vorsitzenden nicht wieder zur Wahl zu stehen. Zu ihrer Nachfolgerin ist Marietta von Haugwitz gewählt worden. Einstimmig im Amt bestätigt wurde Klaus Pfannenschmidt als Geschäftsführer, Elke Stiebitz als Schatzmeisterin und Kurt Vieselmeier als stellvertretender Schatzmeister. Ebenso die Beisitzer Heike Kampeter, Doris Danielmeier, Rüdiger Vortmeier und Edith Wobig. Dieter Besserer hat aus besonderen Gründen, die jedoch nichts mit dem Verein zu tun hätten, auf eine weitere Kandidatur verzichtet. Als Nachfolger ist Wilhelm Meier gewählt worden. Lina Köster ist turnusgemäß jetzt erste Kassenprüferin für Hartmann Wünsch. Die Versammlung hat Ursel Meier zur zweiten Kassenprüferin gewählt.

Der neue Vorstand des Vereins zur Erhaltung des Gotteshauses in Börninghausen, der jetzt den Verein wieder in ruhigeres Fahrwasser führen will: Ob es gelingt? Fotos: Sonja Gruhn

Nach dieser Verschnaufpause ging es weiter. Als der neue Vorsitzende ohne weiteren Kommentar seinen Platz eingenommen hatte und eine gemeinsame Sitzung mit den Mitgliedern des Presbyteriums anregte, hat Dieter Besserer sein Verhalten gerügt: „Es würde Ihnen gut anstehen, wenn Sie wenigstens Dank sagen würden.« Besserer hat sich im Namen des Vereins für die Arbeit bei Ramsberg bedankt: »Auch wenn ich jetzt gesteinigt werde.«

Tritt kein leichtes Amt an: Vorsitzender Reinhard Finke. Und dass sein neues Amt kein leichtes seien wird, hat Finke gleich im Anschluss erfahren. Chorleiter Menzel stellte den Antrag, zu prüfen, ob es möglich sei, auf juristischem Wege gegen Personen oder Gruppen vorzugehen, die gegen das Interesse des Vereins gehandelt haben. Der Verein habe lediglich die Aufgabe, Gelder zu besorgen und zur Verfügung zu stellen, lautete die Antwort.

Dieter Besserer meldete sich noch einmal schlichtend zu Worte: »Ich würde anraten, nach vorne zu schauen und den Ärger der Vergangenheit zurück zu lassen.« Doch schon die nächste Frage führte wieder auf Konfrontationskurs: »Ist dies ein gleichgeschalteter Verein? Werden abweichende Meinungen nicht mehr geduldet?« Dürfen wir nur zahlen und unser Gehirn abgeben?« Der neue Vorsitzende hat versucht, noch mal die Wogen zu glätten und einen Neubeginn anzustreben. Im weiteren Verlauf hat sich unter anderem Pastor Friedrich Wilhelm Beckmann, Christian-Georg von Haugwitz und Waltraud Ewert vom Presbyterium zu Worte gemeldet.

(Lesen Sie dazu den Bericht in der nächsten Ausgabe).