Presseartikel  
03. März 2008 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 53/2008

Kirchbauverein unter neuem Vorsitz
Versammlung mit Zwischenrufen und Applaus
VON NILS BEINKE

Pr. Oldendorf-Börninghausen. Im Schatten der fast fertig sanierten St. Ulricus-Kirche in Börninghausen zieht ein Sturm auf. Während draußen die ersten Böen vor dem nahenden Unwetter „Emma“ warnen, zeigten sich bei der Jahresversammlung des Vereins zur Erhaltung dieses denkmalgeschützten Bauwerks bereits dunkle Wolken.  

Kandidierte nicht mehr: Uwe Ramsberg. FOTOS: NILS BEINKE Große Streitigkeiten um die verhältnismäßig kleine Kirche im Eggetal entstanden schon im Vorfeld der Sitzung und lieferten Diskussionsstoff. So bekam auch Vorsitzender Uwe Ramsberg beim Verlesen des Jahresberichts deutlichen Gegenwind zu spüren. Als er kritische Töne anschlug, nahm dies die Versammlung zum Anlass, den Bericht durch Rufe zu unterbrechen. Es wurde gesagt, dass „kein Interesse an der persönlichen Meinung des Vorsitzenden besteht, sondern ein sachlicher Bericht verlesen werden soll“. Dem entgegnete Ramsberg: „Ich bedaure, dass in letzte Zeit der Zutritt zur Baustelle nicht gestattet war und ich somit nichts über den Fortschritt der Renovierungsarbeiten sagen kann.“

Abschließend verwies er noch auf einem Brief vom Presbyterium, welches ihm fehlendes Vertrauen bescheinige und somit eine Zusammenarbeit unmöglich mache. Noch einmal kandidieren wollte Ramsberg nicht, und führte gesundheitliche Gründe an. Auch Stadtheimatpfleger a.D. und Beisitzer Dieter Besserer sowie die verhinderte Bürgermeisterin und zweite Vorsitzende des Vereins, Anke Korsmeier-Pawlitzky, standen nicht für eine weitere Amtszeit zu Verfügung.

Wahlleiter Hartmann Wünsch hatte dennoch keine Probleme, Nachfolger zu finden. Als neuer Vorsitzender wurde Reinhard Finke einstimmig bei sieben Enthaltungen gewählt. Seine Stellvertreterin ist nun Maritta v. Haugwitz. Wiedergewählt wurden als Geschäftsführer Klaus Pfannenschmidt, die Schatzmeisterin Elke Stiebitz und ihr Stellvertreter Kurt Vieselmeier sowie die Beisitzer Doris Danielmeier, Rüdiger Vortmeier, Edith Wobig und Heike Kampeter. Wilhelm Meier kam als Beisitzer hinzu.

Führungswechsel: Der neue Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung der St. Ulricus-Kirche, Reinhard Finke (r.) und seine Stellvertreterin Maritta von Haugwitz. Immer noch bestand viel Redebedarf bei der Mitgliederversammlung. Der neue Vorsitzende und ehemalige Presbyter Reinhard Finke versprach eine enge Zusammenarbeit mit dem Presbyterium und erntete dafür reichlich Applaus. Uwe Ramsberg wünschte ihm viel Kraft und Freude an der Arbeit im Vorstand. Dennoch ließ die Versammlung der „Emporen-Streit“ nicht los. Die Frage, ob eine, zwei oder gar keine Empore zum Inneren der Kirche gehören sollen, wurde kontrovers diskutiert. Nach der ersten Abstimmung im Stadtrat als unterer Denkmalbehörde liegt die Entscheidung jedoch nun in der Hand des Kreises. Bis dahin, so plädierte ein Versammlungsmitglied, sollte der „Emporen-Eiertanz“ ruhen. Finke gab zu bedenken, dass „manche Entscheidungen auf höherer Ebene akzeptiert werden müssen. Es geht in unserem Verein nämlich vorrangig um die Beschaffung von Mitteln zum Erhalt dieses baulichen Kleinods im Eggetal, welche auf lange Sicht nur durch uns erhalten bleiben kann“.

Als nächstes soll die durch die Bauarbeiten ramponierte Orgel wieder in Stand gesetzt werden. Hier konnte Pastor Friedrich Wilhelm Beckmann eine erfreuliche Nachricht überbringen. Der Zustand des gewaltigen Instruments sei besser als erwartet und somit sinken die Kosten von den ursprünglichen erwarteten 35. 000 Euro auf rund 12.000 Euro.

Außerdem seien die Bauarbeiten voll im Zeitplan, so der Pastor weiter, und der Eröffnung am 27. April sollte nichts im Wege stehen. Davon durften sich die Mitglieder im Anschluss der Jahreshauptversammlung bei einem Rundgang durch die Baustelle selbst überzeugen. Bei allem Zwist scheint also die St.-Ulricus-Kirche selbst keinen weiteren Schaden genommen zu haben, sondern wird bald wieder im neuen Glanz erstrahlen.