Presseartikel  
31. März 2005 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 74/2005

Apostel in Lebensgröße
Sakramentsnische - Teil III der Geschichte von St. Ulricus
Von Dieter Besserer


Börninghausen (WB). Nur in wenigen Dorfkirchen ist noch heute die innere Ausstattung und Ikonographie des Kirchenraums aus vorreformatorisch-katholischer Zeit zu sehen bzw. zu rekonstruieren, wie dies in Börninghausen der Fall ist. Heute setzen wir die Serie über die St. Ulricus-Kirche im Eggetal mit Folge 3 fort.

Apostelgestalten in der Börninghauser Kirche: Rechts ist der hl. Matthäus zu sehen, erkennbar an der Axt.Der heutige Altarbereich war der sakrale Raum. Der Raum vor dem Hauptaltar (Chor), ab 1334 gab es auch einen Nebenaltar, war dem Börninghauser Priester vorbehalten, der hier die Messe hielt. Vom Hauptaltar stammt heute nur noch die Altarplatte mit ihren Weihekreuzen und dem Altargrab (Sepulchrum) aus vorreformatorischer Zeit.
In der Präsenz des Adels in der Kirche gab es Rangunterschiede und Abstufungen. Ganz oben stand der Stifter der Eigenkirche oder Patronatsherr, wie er nach dem Wormser Konkordat von 1122 genannt wurde. Die Herrschaftszeichen des Landes- und Patronatsherrn und des Adels in Börninghausen vom Rittergut Fiegenburg sind in der Kirche noch heute erhalten.

Während äußere Spuren der hochadeligen Familie von Stromberg-Rüdenberg in der Kirche nicht überliefert sind, kann man die Herrschaftszeichen der Grafen von Ravensberg noch heute im Gewölbe des Chors sehen -die drei ravensbergischen Sparren hoch über dem Hauptaltar. Der Patronatsherr, dies war der Graf von Ravensberg, musste die Kirche unterhalten und hatte das Vorschlagsrecht für den Pfarrer. In der Regel musste der Mindener Bischof bzw. auch der kirchliche Archidiakon in Lübbecke diesem Vorschlag folgen.

Außerdem befinden sich noch heute an den Wänden der Kirche die Abbildungen des heiligen Bischofs Ulrich von Augsburg als Hauptpatrozinium und der hl. Margarethe und des hl. Sebastian als Nebenpatrozinium. Unter diesen lebensgroßen Figuren sind noch heute die Weihekreuze des Bischofs von Minden zu sehen. Diese Weihekreuze sind ein Beleg, dass sie aus vorreformatorischer Zeit aus dem 15. Jahrhundert stammen, wahrscheinlich aus dem Jahr 1463.
Von der Orgelempore verdeckt, ist nämlich an der Ostseite der Kirche in die Mauer ein adeliger Wappenstein mit der Jahreszahl 1463 eingemauert. Der Wappenstein stammt von Alhard von Hörde und seiner Frau Margarethe von Langen. Er war ravensbergischer Drost auf der Burg Limberg und starb 1467. In diesem Jahr 1463 wurde wahrscheinlich das Mittelschiff der Kirche von Alhard von Hörde als Vertreter des Patronatsherrn mit Hilfe der Familie von Schloen, genannt Tribbe, zu Fiegenburg, erbaut.

Im Zentrum des Gewölbes im Kirchenschiff befindet sich das Wappen von Reineke von Schloen, genannt Tribbe. Er saß auf dem Rittergut Fiegenburg im Eggetal.An den Wänden waren weiter alle Apostel in Lebensgröße und ihren besonderen Attributen dargestellt. Besonders gut ist dies beim hl. Andreas mit dem großen Andreaskreuz zu sehen. Die Attribute waren notwendig, damit die Gläubigen, die in der Regel nicht lesen und schreiben konnten, sich über die Heiligen ihrer Kirche informieren konnten.

An der Nordseite ist noch heute ein an der Kirchenwand aufgemaltes Sakramentshäuschen als Architektur mit Turmdach zu sehen. In der in die Wand eingelassenen Sakramentsnische wurden früher die von dem Börninghauser Priester geweihten Hostien aufbewahrt. Im Zentrum des Gewölbes im Kirchenschiff ist ein Kreuz mit in den Winkeln befindlichen Punkten zu sehen. Dies dürfte wohl das adelige Wappen der Familie von Schloen, genannt Tribbe, auf dem Rittergut Fiegenburg sein. Wahrscheinlich stammt es aus dem Jahre 1463, als das Kirchenschiff gebaut wurde. Es ist das Wappen von Reineke von Schloen, genannt Tribbe, Erbherrn zu Fiegenburg und späterer Drost der Burg Limberg, der auch Rat des Herzogs von Jülich und Berg, Grafen von Ravensberg, war.