Presseartikel  
07. März 2008 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 57/2008



Stadt verliert Streit um Denkmalschutz

Pr. Oldendorf (WB).
Der Denkmalschutz-Streit zwischen der Stadt und der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Börninghausen um die Erhaltung bzw. Veränderung der Emporen in der St. Ulricus-Kirche ist entschieden. Der Kreis ist der Kirchengemeinde gefolgt, die eine neue und größere Empore für ihre Chorarbeit will. Dagegen müsse der Denkmalschutz zurückstehen. Siehe Lokalteil.

Kirche gewinnt Streit um Emporen
Kreis hebt Bescheid der Stadt gegen Veränderungen auf - Denkmalschutz nicht gefährdet
Von Wilfried Mattner

Börninghausen (WB). Der Kreis Minden-Lübbecke hat den lange schwelenden Streit um Erhaltung der alten bzw. Bau einer neuen Empore in der St. Ulricus-Kirche entschieden: Der Widerspruch der Kirchengemeinde gegen das Verbot einer Veränderung der Empore ist aufgehoben worden.


Gleichzeitig wird die Stadt als untere Denkmalbehörde angewiesen, der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde die am 21. März vergangenen Jahres beantragte Erlaubnis zur die Veränderung der Empore zu erteilen. Zuvor muss die Stadt jedoch das westfälische Amt für Denkmalpflege beteiligen, damit eventuell notwendige denkmalpflegerische Nebenbestimmungen, die bezüglich der Durchführung der zu genehmigenden Veränderung der Empore in den Erlaubnisbescheid aufzunehmen sind, festgelegt werden können. Die Kosten des Widerspruchsverfahren muss die Pr. Oldendorfer Stadtkasse zahlen.

Der Kreis als übergeordnete Instanz listet zunächst den Verfahrensablauf genau auf und kommt dann zu dem Schluss, dass der Widerspruch der Kirchengemeinde »zulässig und begründet ist«. Die Erlaubnis zur Aufgabe der bisherigen Nordempore zu Gunsten einer größeren Westempore unter Verwendung aller denkmalwerten Teile beider Emporen war erforderlich - und zu erteilen, »wenn Gründe des Denkmalschutzes nicht entgegenstehen oder wenn ein überwiegend öffentliches Interesse die Maßnahme verlangt«.

Ortspfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann zeigt auf den zukünftigen Emporenstandort über Treppe und Rundbogen. Foto: Cornelia Müller In seiner Bewertung kommt der Kreis zu dem Schluss, dass Denkmalschutz für ein Gebäude nicht bedeute, »dass an ihm keine Veränderungen mehr vorgenommen werden dürfen«. Eine beabsichtigte Veränderung sei vielmehr u. a. dann möglich, wenn das Baudenkmal dadurch seine Zeugniskraft nicht in einem Maß verliert, das nicht hinnehmbar ist. In der Einschätzung, dass die St. Ulricus-Kirche »durch den Einbau einer veränderten Emporenanlage nicht über Gebühr von ihrem Denkmalwert einbüßt«, stimme der Kreis mit dem Denkmalamt überein. Das war im Mai vergangenen Jahres gegenüber der Stadt Pr. Oldendorf zu dem Ergebnis gekommen, dass die Emporenveränderung und damit das Kircheninnere denkmalverträglich seien, zumal wesentliche Teile der denkmalwerten Substanz der Empore erhalten würden.

Weiter stellt der Kreis fest, dass auch ein überwiegend öffentliches Interesse an der Emporenveränderung durch die Belange der Religionsausübung gegeben sei. Das ergebe sich aus dem verfassungsrechtlich geschützten Selbstbestimmungsrecht der Kirchen zur Glaubens- und Religionsfreiheit. Und bei der Gewichtung der Belange der Religionsausübung komme den zum Kernbereich der Religionsausübung gehörenden Tätigkeiten »ein außerordentliches Gewicht zu, das durch Belange des Denkmalschutzes nicht überwunden werden kann«. Es sei nachvollziehbar dargelegt worden, dass die Emporenveränderung kirchenmusikalisch angezeigt sei und somit lithurgischen Belangen diene.

Die Sanierungsarbeiten in St. Ulricus laufen auf Hochtouren. Denn am Sonntag, 27. April, soll das Gotteshaus wiedereröffnet werden. Dann soll auch schon die neue große Westempore stehen. Ortspfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann informierte nach Eingang des Widerspruchsbescheides gestern gleich den Architekten. Nun werden die Handwerker so schnell wie möglich mit den nötigen Arbeiten beginnen »und notfalls auch Nachtschichten einlegen«, betont der Seelsorger, der auf dem Foto (...) auf den zukünftigen Emporenstandort über Treppe und Rundbogen deutet.

Reaktionen auf den Kreisbescheid

Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann

Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann ist froh über diese Entscheidung und darüber, dass die Chöre demnächst einen würdigen Platz für ihre Mitwirkung haben. Er hofft, dass der Emporenstreit beendet ist und lädt alle ein, in Einheit und Frieden für die Kirche zu arbeiten.

Beigeordneter Herbert Weingärtner

Beigeordneter Herbert Weingärtner bedauert, dass der Kreis lithurgische Gesichtspunkte höher bewertet als den Denkmalschutz. Das habe man aber zu akzeptieren, auch wenn man anderer Ansicht sei. An eine Klage gegen den Bescheid denkt er nicht.