Presseartikel  
07. März 2008 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 57/2008

Lokales: Ein Brief mit einer frohen Botschaft

Ortspfarrer Friedrich-Wilhelm BeckmannPr. Oldendorf. Seit mehr als einem Jahr schwelt der Streit um den Wiedereinbau der Emporen in St.-Ulricus zwischen Stadt und Kirchengemeinde. Die Entscheidung oblag jetzt dem Kreis als obere Denkmalbehörde. Gestern erhielt der Ortspfarrer Post. Was der Kreis meint, erfahren Sie im Lokalteil.

 

 

 
 

 



Filigran: Silke Schomacher arbeitet an den letzten Feinheiten des Triumphbogens. Den ziert die Darstellung eines Pflanzenornamentes. FOTOS: JOERN SPREEN-LEDEBUR

Alles wie ausgemalt
Kreis stellt sich auf die Seite der Kirchengemeinde Börninghausen / Emporenstreit entschieden
VON KIRSTEN TIRRE


Pr. Oldendorf-Börninghausen. Ortspfarrer Friedrich-Wilhelm Beckmann wusste gleich: „Der 6. März – der 104. Tauftag meines Vaters – wird ein ganz besonderer Tag.“ Er sollte Recht behalten. Gestern erreichte die evangelischen Kirchengemeinde ein Einschreiben des Kreises Minden-Lübbecke. Darin die Erlaubnis zum Einbau einer vergrößerten Westempore in der St.-Ulricus-Kirche. So, wie es sich Pfarrer und Presbyterium seit langem wünschen.

Der vielbeschriebene Emporenstreit hat damit wohl ein Ende gefunden und Pfarrer Beckmann wie Mitstreitern war die Freude darüber anzumerken. „Wir haben mit Kaffee angestoßen, Sekt hatten wir leider keinen“, sagt Martina Pfannenschmidt, Sekretärin im Gemeindebüro. Und auch Presbyterin Erika Nobbe atmete hörbar durch. Wobei: Kaum hat der Kreis als obere Denkmalbehörde dem lange währenden Streit zwischen Presbyterium sowie der Stadt als untere Denkmalbehörde ein Ende gesetzt, geht die Hektik jetzt erst richtig los.

Am Sonntag, 27. April, 15 Uhr, soll der feierliche Festgottesdienst zur Wiedereröffnung der St.-Ulricus-Kirche begangen werden. Ein Jahr sollte die Sanierung dauern, doch daraus wurden mehr als drei. Das Programm für den Festgottesdienst steht schon: Musikalisch umrahmt wird die Feier vom Osnabrücker Domchor. Und dieser könnte nunmehr in fast voller Besetzung in der schmucken Kirche singen, wenn bis zum 27. April die vergrößerte Empore an der Westwand fertig gestellt ist.

Noch lagern die Nord- und Westempore in einer Scheune in Börninghausen. Wegen des schwelenden Disputes mit der Stadt, die auf den Wiedereinbau beider Emporen drängte, blieben die historisch bedeutsamen Brüstungs-Elemente bei der laufenden Kirchsanierung erst einmal außen vor.

Gleich gestern setzte Pfarrer Beckmann alle maßgeblichen Hebel in Bewegung, informierte auch den Architekten wie das Landeskirchenamt als Bauherrin von der wichtigen Entscheidung des Kreises.

„Wir hoffen, dass wir den Einbau der vergrößerten Westempore noch bis zur Kircheinweihung hinbekommen“, sagt Erika Nobbe. Bis auf einige anstehenden Restarbeiten ist die Sanierung des denkmalgeschützten Gotteshauses im Eggetal eigentlich so gut wie beendet. Auch wenn es dort auf den ersten Blick noch wie auf einer Baustelle aussieht, „liegen wir derzeit voll im Zeitplan“, so Beckmann.

Noch ein wichtiger Schritt wurde gestern vollzogen. Die Firma Alfons Hörmann aus Wallenhorst hat den Auftrag zur Wiederherstellung der historischen Kirchorgel erhalten. Die ist arg in Mitleidenschaft gezogen worden, weil die Sanierungsarbeiten wesentlich länger dauerten als ursprünglich veranschlagt. Auf und in der Orgel hat sich Schimmel breit gemacht. Den Korpus hat bereits die Fachfirma Böddeker und Schlichting aufgearbeitet, die sich auch für die Ausmalung der Gewölbedecke und Wiederherstellung der alten Fresken verantwortlich zeigt. Versierte Orgelbauer müssen sich nun dem Inneren des Instrumentes annehmen, das zum Festgottesdienst in alter Schönheit erklingen soll.

Mitarbeiter der Restaurierungsfirma Meyer aus Pr. Oldendorf legen derzeit Bodenplatten aus Burgbergsandstein und dann drängt noch die eine oder andere kleine Schönheitsreparatur, wie die Auffrischung des Holzwerks im Altarbereich. Doch schon jetzt ist sichtbar, dass die Investition von bislang 600.000 Euro in die Sanierung, mit großer Unterstützung des Kirchbauvereins, eine mehr als lohnenswerte ist. Von der kleinen Kirche im Eggetal geht eine große Ausstrahlungskraft aus.

 
Pfarrer Beckmannn freute sich gestern über den Brief aus dem Kreishaus. Hat es schwarz auf weiß: Pfarrer Beckmannn freute sich gestern über den Brief aus dem Kreishaus. Das Schreiben bestätigt die Auffassung der Kirchengemeinde zur neuen Empore.
Reinhard Nitz und Svenja Schrage verlegen die neuen Bodenplatten in St. Ulricus. Maßarbeit: Reinhard Nitz und Svenja Schrage verlegen die neuen Bodenplatten in St. Ulricus.

Der Bescheid

Der Kreis als obere Denkmalbehörde hat dem Widerspruch der Kirchengemeinde Börninghausen stattgegeben und schreibt: „Der angefochtene Versagungsbescheid der Bürgermeisterin vom 3. September wird hiermit aufgehoben. Im Grundsatz misst der Kreis als obere Denkmalbehörde wie zuvor bereits das LWL-Amt für Denkmalpflege in Westfalen den liturgischen Belangen der Kirchengemeinde Vorrang gegenüber dem Denkmalschutz ein. Desweiteren sieht auch der Kreis in der 6-seitigen Begründung die Denkmalverträglichkeit“ gegeben, da wesentliche Teile der denkmalwerten Substanz erhalten bleiben. Die Kosten des Widerspruchverfahrens hat die Stadt zu tragen. Klage gegen den Bescheid sei beim VG Minden möglich. (tir)