Presseartikel  
08./09. März 2008 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 58/2008

KOMMENTAR Versöhnen und vergeben
Sanierung von St. Ulricus kurz vor dem Abschluss
VON JOERN SPREEN-LEDEBUR


Joern Spree-LedeburEine Kirche ist ein Ort, an dem Menschen Gott nahe sein wollen. Es ist ein Ort, an dem sie zur Besinnung kommen möchten. Sich mit den wesentlichen Dingen des Lebens befassen wollen, nicht mit überflüssigem Ballast.

Ein Gotteshaus als Ort innerer Einkehr: Das war auch die St.-Ulricus-Kirche in Börninghausen. Und das wird sie wieder. Das Gotteshaus lädt bald zur Besinnung ein. Und das sollte genutzt werden.

Die mehrjährige Sanierung des mittelalterlichen Bauwerks neigt sich dem Ende entgegen. Nicht immer ist das so einfach gelaufen, wie sich die Beteiligten das erhofft haben. Die Tücke lag manchmal im Detail – wenn es etwa unerwartete Schäden am Mauerwerk waren. Und wenn Archäologen graben, dann brauchen sie mitunter etwas länger als gedacht – vor allem, wenn sie interessante Funde aus der Jahrhunderte alten Geschichte von St. Ulricus zutage fördern.

Tücken, die gab es aber auch in anderen Bereichen – dort, wo das eigentlich niemand brauchen konnte. Zweifel gab es an den Ursachen für die schadhaften Gewölbe. Manche wähnten als Ursache sogar die neuen Glocken; zweifelten ein Gutachten an, das diese Behauptung widerlegte. Zwischendurch gab es Stress wegen einer entfernten Betonplatte – und vor allem Streit wegen der Emporen-Frage.

Die ist nun vom Kreis zugunsten der Kirchengemeinde entschieden worden. Und damit sollte es nun auch gut sein. Weiteren Zwist kann schließlich keine Kirchengemeinde brauchen – erst recht nicht in Zeiten, in denen die Kirche Steuereinnahmen und Gemeindeglieder verliert.

In Börninghausen ist in den vergangenen Jahren viel über Steine gesprochen und auch gestritten worden. Kirche sind aber nicht nur Steine, sondern vor allem auch Menschen. Die bevorstehende Wieder-Einweihung der Kirche ist eine gute Gelegenheit, jeglichen noch vorhandenen Zwist zu beenden und gemeinsam in die Zukunft zu gehen. Der erste Schritt dazu ist Versöhnung und Vergebung.

Für Christen sollte das selbstverständlich sein.