Presseartikel  
19. März 2008 - Wittlager Kreisblatt, Lokalausgabe der "Neue Osnabrücker Zeitung", Nr. 67/2008

 
Viel länger angedauert als zunächst gedacht
Sanierung der St.-Ulricus-Kirche – Gotteshaus soll am 27. April wieder öffnen

BÖRNINGHAUSEN/BÜSCHERHEIDE (sl). Sie gehört zu den ältesten Gotteshäusern in der Region. Und sie ist Predigtstätte für Gläubige aus Westfalen und Niedersachsen. Am 27. April soll sie wieder öffnen und im Mittelpunkt des Gemeindelebens stehen: Die St.-Ulricus-Kirche in Börninghausen.


Das vermutlich vor mehr als 1000 Jahren gegründete Gotteshaus ist Mittelpunkt einer Gemeinde, die neben den westfälischen Orten Börninghausen und Eininghausen auch das niedersächsische Büscherheide umfasst. Die Landesgrenze spielt da keine Rolle; gute Verbindungen der Eggetaler Kirche nach Osnabrück haben seit Jahrhunderten Tradition. Das wird sich auch bei der feierlichen Wiedereinweihung von St. Ulricus widerspiegeln. Die soll am Sonntag, 27. April, gefeiert werden. Den Gottesdienst wird dann der Osnabrücker Domchor mitgestalten. Die abendliche Dankandacht gestalten die Gruppen und Chöre aus der Gemeinde.

Mit der Wiedereinweihung endet ein Vorhaben, das viel länger andauerte als gedacht. Immerhin waren die Schäden an dem mittelalterlichen Gotteshaus auch größer als gedacht. Die Gewölbe wurden vor dem Einsturz bewahrt, die Statik wiederhergestellt. Die Mauern wurden stabilisiert, um das Gewölbe tragen zu können. „Ursprünglich waren die ja gar nicht vorgesehen, ein Gewölbe zu tragen“, sagt Ortspfarrer Friedrich-Wilhelm Beckmann. Das Kirchenschiff wurde erst nach einem Brand im 15. Jahrhundert eingewölbt; zuvor hatte es eine flache Balkendecke.

Das Gotteshaus ist wiederhergestellt; derzeit laufen letzte Restarbeiten. Der Fußboden wurde auf das alte Niveau abgesenkt und mit neuen Sandsteinplatten versehen. Bei den Grabungen im Vorfeld dieser Maßnahme hatten Archäologen Gebeine gefunden – und auch rund 70 Münzen. Die älteste datiert aus dem 13. Jahrhundert.

Die mittelalterlichen Fresken sind inzwischen gereinigt worden, die Farbgebung an den Gewölberippen angelehnt an den Originalzustand wiederhergestellt.

Insgesamt hat die Sanierung der Kirche bis jetzt knapp 600 000 Euro gekostet. Weitere 12 000 Euro müssen jetzt aufgewendet werden, um die Orgel wieder herzurichten. Die ist vom Schimmel befallen und muss gesäubert werden. Das Instrument hatten die Eggetaler übrigens 1682 vom Großen Kurfürsten geschenkt bekommen.

Neben Zuschüssen von Behörden und Stiftungen haben sich auch die Gläubigen stark eingebracht. Eine Bank ist der vor drei Jahren gegründete Kirchbauverein, der inzwischen mehr als 500 Mitglieder zählt. „Der wird nie aufgelöst“, sagen Beckmann und Presbyterin Erika Nobbe. Schließlich sei die Gemeinde angesichts sinkender Einnahmen aus der Kirchensteuer auf Spenden angewiesen.

Noch wird in St. Ulricus gewerkelt, damit am Tag der Wiedereröffnung alles in neuem, alten Glanz erstrahlt. Viel ist noch zu tun, und auch die vom Presbyterium und vielen Gläubigen gewünschte größere Westempore kann gebaut werden. Die ersetzt zwei kleinere Emporen und soll mehr Raum für die Kirchenmusik und Gottesdienstbesucher ermöglichen. Gegen dieses von den Denkmalschützern abgesegnete Vorhaben hatte es Proteste gegeben. Die Stadt Pr. Oldendorf hatte als untere Denkmalbehörde ihr Einvernehmen versagt – und damit den Kürzeren gezogen. Der Kreis Minden-Lübbecke hat der Kirchengemeinde jetzt recht gegeben und den sogenannten „Versagungsbescheid“ der Stadt aufgehoben. „Darüber sind wir überglücklich“, sagen Beckmann und Nobbe.

Pfarrer Beckmannn

Hat es schwarz auf weiß: Pfarrer Beckmannn freute sich gestern über den Brief aus dem Kreishaus. Das Schreiben bestätigt die Auffassung der Kirchengemeinde zur neuen Empore.


Silke Schomacher arbeitet an Feinheiten des Triumphbogens.

Silke Schomacher arbeitet an Feinheiten des Triumphbogens. Den ziert die Darstellung eines Pflanzenornamentes.


Verlegung der Bodenplatten

Maßarbeit: Reinhard Nitz und Svenja Schrage verlegen die neuen
Bodenplatten in der St.- Ulricus-Kirche. Fotos: Joern Spreen-Ledebur