Presseartikel  
19./20. April 2008 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 92/2008



Bischof Homeyer wird erwartet
Zur Eröffnung der St.-Ulricus-Kirche

Börninghausen (WB). Zur Wiedereröffnung der St.-Ulricus-Kirche wird Altbischof Dr. Josef Homeyer von Hildesheim nach Börninghausen kommen. Er hält am Sonntag, 27. April, um 20 Uhr in der Dankandacht die Predigt.


Wird zur Wiedereröffnung der St.-Ulricus-Kirche in Börninghausen erwartet: Bischof Homeyer. Josef Homeyer wurde 1929 als Sohn einer Bauernfamilie in Harsewinkel geboren, studierte Theologie und Philosophie in Münster und Innsbruck und promovierte 1955 zum Doktor der Philosophie. 1958 empfing er im Dom zu Münster die Priesterweihe, war danach als Pastor in Warendorf und Mettingen tätig. Später wurde er Diözesanseelsorger für das Landvolk und anschließend Schulreferent im Bistum Münster. 1972 wurde er Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz. Im Jahr 1983 wurde er Bischof von Hildesheim.

Dieses Amt hat er bis zu seiner Emeritierung 21 Jahre inne gehabt. Er hat die Deutsche Bischofskonferenz in verschiedenen Kommissionen vertreten und war auf der Ebene der Europäischen Bischofskonferenz von 1987 bis 2006 deren Präsident. Vor allem hat er sich um die deutsch-polnische Aussöhnung und um die Ökumene zwischen katholischer und evangelischer Kirche bemüht. Bekannt sind auch seine Kontakte zur serbisch-orthodoxen Kirche.

Bischof Homeyer, der schon 1988 in Börninghausen war, wird als Freund der Gemeinde diese auch zum denkwürdigen Tag der Wiedereröffnung der Kirche, die er stets mit Wohlwollen begleitet hat, besuchen. Gleichzeitig werden durch diesen Besuch die ökumenischen Impulse, die von Börninghausen ausgehen, öffentlich anerkannt.


Wort zum Sonntag
Von Pfarrer Friedrich-Wilhelm Beckmann

Friedrich-Wilhelm Beckmann ist Pfarrer in Börninghausen. Am 27. April wird nach dreieinhalbjähriger Renovierung unsere St.-Ulricus-Kirche in Börninghausen feierlich wieder eröffnet. Durch die Bündelung enormer Anstrengungen und vor allem durch großen finanziellen Einsatz aus der Gemeinde und von außerhalb ist das möglich geworden.

Darf man es angesichts vielfältiger Nöte in unserer Welt wagen, solch einen Aufwand in ein totes Kirchengebäude zu investieren? Ähnlich hat schon Judas bei der Salbung Jesu in Bethanien gefragt, der damals von einer Verschwendung sprach. Abgesehen davon, dass aufgrund der geltenden Denkmalschutzbestimmungen ein solches historisches Kleinod, das in seinen Anfängen rund gerechnet tausend Jahre alt ist, wie jedes weltliche Denkmal auch ganz sicher unseren Nachkommen erhalten werden muss, ist unsere alte Kirche zudem ein seit Jahrhunderten von vielen Generationen durchbeteter Raum. Sicher, sich versammeln und Gottesdienst feiern kann die Gemeinde überall. Aber eine Kirche ist mehr als nur ein rein funktionales Gebäude.

In den Psalmen des Alten Testaments (Psalm 26,8) betet jemand: »Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.« Von Anfang an gibt es so etwas wie Liebe zum Hause Gottes. In einem anderen Psalm (42,5) heißt es: »Das Herz geht mir über, wenn ich daran denke: wie ich zum Haus Gottes zog in festlicher Schar, mit Jubel und Dank in feiernder Menge.«

Orte der Gottesbegegnung, wie unsere Kirchen es sind, prägen das ganze Leben. Wir sprechen von der Kirche als Gotteshaus. Natürlich wissen wir, wenn wir an den Propheten Jesaja denken (Jesaja 66,1), dass wir Gott kein Haus als Wohnort oder Ruhestätte bauen können. Gott kann überall gegenwärtig sein.

Aber gleichzeitig gilt, was wir in der Offenbarung des Johannes lesen (Offenbarung 21,3), dass Gott in unserer Mitte wohnen will und seine Kirche so etwas wie ein besonderer Ort seiner Gegenwart für uns Menschen sein will.

Jesus sagt: »Mein Haus soll ein Bethaus sein!« (Matthäus 21, 13) Durch das, was an Sonn- und Feiertagen und in jedem Gottesdienst und in jeder Andacht geschieht, dass uns Gott in Wort und Sakrament nahe kommt, ist jede Kirche so in Beschlag genommen und ausgerichtet, dass sie immer ein Ort bleibt, wo Gottes Ehre wohnt.

Die jahrhundertealte Mensaplatte unseres Altars in Börninghausen hat fünf eingemeißelte Kreuze, die dort einst bei der Weihe angebracht wurden. Wir brauchen Gott auf unserem Altar keine Opfer mehr darzubringen wie im Alten Bund, die Gott gnädig stimmen sollen. Gott ist uns zu Hilfe gekommen und hat seinen Sohn ein für allemal am Kreuz für uns geopfert.

Die fünf Kreuze erinnern an die fünf Wundmale Jesu am Kreuz. Diese Hingabe und Liebe feiern wir im Altarsakrament, wenn wir uns um den Tisch des Herrn versammeln und Gott neu in unsere Mitte kommt unter den Gaben von Brot und Wein.
Durch die Gemeinschaft mit sich stärkt er unseren schwachen Glauben und macht uns so erst fähig zur Gemeinschaft mit unseren Mitmenschen. Unsere alte Kanzel aus dem Jahr 1632 hat auffällig oft den Engelskopf. Engel sind Boten aus Gottes Welt. Die Kanzel ist der Ort für die Predigt. Die Heilige Schrift, das Hauptheiligtum der Kirche, bedarf immer wieder der Auslegung und Anwendung auf unseren Alltag, wo uns die Engel, Boten aus Gottes Welt, und vor allem der Heilige Geist leiten müssen, der in Gestalt einer Taube über dem Haupt des Predigers dargestellt ist.

Solch eine umfassende Kirchenrenovierung erscheint zunächst bei oberflächlicher Betrachtung als Investition in ein totes Gebäude. Bei näherem Hinsehen ist es allerdings eine Investition in lebendige Menschen - weil die Menschen in unserer einseitig auf Zweckmäßigkeit ausgerichteten Welt Orte brauchen, die in ihrer Würde etwas widerspiegeln von Gottes verschwenderischer Liebe zu uns Menschen.

Unsere St.-Ulricus-Kirche in Börninghausen wird auch künftig täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet sein, weil die Menschen unserer Zeit Orte der Stille und des Gebets brauchen. In Dank und Freude können wir Gott nur loben. Cantate - Singet - heißt der morgige Sonntag.