Presseartikel  
23. März 2005 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 69/2005

St. Ulricus war Patronatskirche
Bischofsfamilie gründete im Eggetal ein kleines romanisches Gotteshaus - Teil I der Geschichte von St. Ulricus
Von Dieter Besserer


Börninghausen (WB).
Die stark sanierungsbedürftige und im Innengewölbe einsturzgefährdete St. Ulricus-Kirche - eine aus dem 13. Jahrhundert stammende romanische Saalkirche mit dem noch älterem Kirchenturm - ist insbesondere auch aus baugeschichtlichen Gründen von höchstem Denkmalwert.

Die Mindener Domkirche (hier um 1935) war der Sitz von Bischof Konrad von Rüdenberg (1209 - 1237). Er gilt als der Gründer der Börninghauser Kirche. Die zwischen 1220 und 1237 gegründete Patronatskirche war zunächst für die Bedürfnisse des Grundherrn vorgesehen, der hochadeligen Familie von Stromberg-Rüdenberg und hier insbesondere für den Mindener Bischof Konrad von Rüdenberg. Hier wurde die Messe für den Grundherrn und wahrscheinlich nach und nach auch für dessen eigenbehörigen Bauern gehalten.

Da aus öffentlich-kirchlichen Kassen wegen der Finanznot kaum noch Sanierungszuschüsse zu erwarten sind, hat Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann die Gründung eines Kirchenbauvereins initiiert. In mehrere Folgen soll die Entstehung und Bedeutung dieser Kirche und ihre Geschichte beleuchtet werden.

Der älteste Teil der heutigen St. Ulricus-Kirche ist neben dem Kirchturm der quadratische Chor. Dabei handelt es sich um den heutigen Altarraum mit Orgelbereich. Dieser romanische Teil der Kirche, erkennbar an den Fenstern, war der ursprüngliche Kirchenbau des 13. Jahrhunderts. Gegründet wurde die Kirche als Patronatskirche des hochadeligen Hauses von Stromberg/Rüdenberg von dem Mindener Bischof Konrad von Rüdenberg, der von 1209 bis 1237 Bischof in Minden war. In Zusammenhang mit der Translation von Reliquien des hl. Bischofs Ulrich von Augsburg aus Augsburg an das Mindener Kollegiatstift St. Martini, die im Zeitraum von 1188 - 1195 erfolgte, gelangten später Teile dieser Reliquien über den Probst von St. Martini, Werner von Rüdenberg (1220 - 1252), er war ein Neffen des Bischofs Konrad von Rüdenberg, für die Kirchengründung nach Börninghausen. Nach heutigem Kenntnisstand ist die Kirchengründung durch Bischof Konrad von Rüdenberg zwischen 1220 und 1237 anzusetzen. Dieser Bischof hatte die heutige Börninghauser Kirche als Patronatskirche des hochadeligen Hauses von Stromberg/Rüdenberg gegründet.

Die von 1220 bis 1237 gegründete Kirche lag inmitten der im Eggetal liegenden Vilikation Börninghausen, im Eigentum der Burggrafen von Stromberg, zu der fast alle älteren Bauernhöfe in Eininghausen und Börninghausen gehörten. In Börninghausen besaß die Familie des Bischofs, die hochadelige Familie von Stromberg/Rüdenberg, die sogenannte Herrschaft Börninghausen, wahrscheinlich als Lehen des Bistums Minden. Diese Grundherrschaft umfasste fast alle Bauernhöfe in Börninghausen, Eininghausen und in der Börninghauser Masch und wurde als sogenannte Villikation verwaltet. Im Zentrum dieser Grundherrschaft lag der Villikationshaupthof, 1556 noch als Meier zu Börninghausen bezeichnet, an den die zugehörigen Höfe die Abgaben leisten mussten. Es ist der spätere Hof Meyer Nr. 2. Neben diesem Hof wurde eine von Wasser umgebene Befestigungsanlage angelegt mit einem Wehrturm aus der Zeit vor 1220 im Zentrum. In der Flucht dieses Wehrturms nach Osten hin ließ der fromme Bischof Konrad von Rüdenherg eine kleine romanische Kirche anlegen, die noch heute als Chor der Börninghauser Kirche erhalten ist. Bischof Konrad wird wahrscheinlich diese Familienkirche seines hochadeligen Hauses persönlich dem hl. Bischof Ulrich geweiht haben. Von diesem Weiheakt zeugen noch in der Altarplatte der Börninghauser Kirche die eingemeißelten fünf Weihekreuze und das Sepulcrum. Darunter ist das Altargrab zu verstehen, worin der weihende Bischof die Reliquien des heiligen Bischofs Ulrich von Augsburg zur dauernden Aufbewahrung niederlegte.