Presseartikel  
19./20. April 2008 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 92/2008

WORTE DER BESINNUNG
Viel mehr als ein Gebäude


Am 27. April wird nach dreieinhalbjähriger Renovierung unsere St.- Ulricus-Kirche in Börninghausen feierlich wieder eröffnet. Durch die Bündelung enormer Anstrengungen und vor allem durch großen finanziellen Einsatz aus der Gemeinde und von außerhalb ist das möglich geworden.

Friedrich Wilhelm BeckmannDarf man es angesichts vielfältiger Nöte in unserer Welt wagen, solch einen Aufwand in ein totes Kirchengebäude zu investieren? Ähnlich hat schon Judas bei der Salbung Jesu in Bethanien gefragt, der damals von einer Verschwendung sprach. Abgesehen davon, dass aufgrund der geltenden Denkmalschutzbestimmungen ein solches historisches Kleinod, das in seinen Anfängen rund gerechnet tausend Jahre alt ist, wie jedes weltliche Denkmal auch ganz sicher unseren Nachkommen erhalten werden muss, ist unsere alte Kirche zudem ein seit Jahrhunderten von vielen Generationen durchbeteter Raum. Sicher, sich versammeln und Gottesdienst feiern kann die Gemeinde überall. Aber eine Kirche ist mehr als nur ein rein funktionales Gebäude.

In den Psalmen des Alten Testaments betet jemand: „Herr, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnt.“ Von Anfang an gibt es so etwas wie Liebe zum Hause Gottes. Orte der Gottesbegegnung, wie unsere Kirchen es sind, prägen uns das ganze Leben. Wir sprechen von der Kirche als Gotteshaus. Natürlich wissen wir, wenn wir an den Propheten Jesaja denken, dass wir Gott kein Haus als Wohnort oder Ruhestätte bauen können. Gott kann überall gegenwärtig sein. Aber gleichzeitig gilt, was wir in der Offenbarung des Johannes lesen, dass Gott in unserer Mitte wohnen will und seine Kirche so etwas wie ein besonderer Ort seiner Gegenwart für uns Menschen sein will. Jesus sagt: „Mein Haus soll ein Bethaus sein!“ (Matthäus 21, 13) Durch das, was an Sonn- und Feiertagen und in jedem Gottesdienst und in jeder Andacht geschieht, dass uns Gott in Wort und Sakrament nahe kommt, ist jede Kirche so in Beschlag genommen und ausgerichtet, dass sie immer ein Ort bleibt, wo Gottes Ehre wohnt.

Die jahrhundertealte Mensaplatte unseres Altars in Börninghausen hat fünf eingemeißelte Kreuze, die dort einst bei der Weihe angebracht wurden. Wir brauchen Gott auf unserem Altar keine Opfer mehr darzubringen wie im Alten Bund, die Gott gnädig stimmen sollen. Gott ist uns zu Hilfe gekommen und hat seinen Sohn ein für allemal am Kreuz für uns geopfert. Die fünf Kreuze erinnern an die fünf Wundmale Jesu am Kreuz. Diese Hingabe und Liebe feiern wir im Altarsakrament, wenn wir uns um den Tisch des Herrn versammeln und Gott neu in unsere Mitte kommt unter den Gaben von Brot und Wein. Durch die Gemeinschaft mit sich stärkt er unseren schwachen Glauben und macht uns so erst fähig zur Gemeinschaft mit unseren Mitmenschen.

Solch eine umfassende Kirchenrenovierung erscheint zunächst bei oberflächlicher Betrachtung als Investition in ein totes Gebäude. Bei näherem Hinsehen ist es allerdings eine Investition in lebendige Menschen – weil die Menschen in unserer einseitig auf Zweckmäßigkeit ausgerichteten Welt Orte brauchen, die in ihrer Würde etwas widerspiegeln von Gottes verschwenderischer Liebe zu uns Menschen.

Unsere St.- Ulricus-Kirche in Börninghausen wird auch künftig täglich von 9 bis 19 Uhr geöffnet sein, weil die Menschen unserer Zeit Orte der Stille und des Gebets brauchen. In Dank und Freude können wir Gott nur loben. Cantate – Singet – heißt der morgige Sonntag.

Fr.-Wilh. Beckmann
Pfarrer in Börninghausen.


Wiedereröffnung der St.- Ulricus-Kirche
Vorbereitungen in Börninghausen laufen auf Hochtouren / Festgottesdienst mit Osnabrücker Domchor


Pr. Oldendorf-Börninghausen (nw). Am Sonntag, 27. April, wird nach dreieinhalbjähriger Renovierung die St.- Ulricus-Kirche feierlich wieder eröffnet. Dazu gibt es ein reichhaltiges Programm.

Ab 13 Uhr stehen am Albert-Schweitzer-Haus Kaffee und Getränke zur Stärkung bereit für auswärtige Gäste. Um 15 Uhr beginnt der Festgottesdienst unter Mitwirkung des Osnabrücker Domchores. Der Gottesdienst wird auch auf eine Großbildwand in den großen Saal des Albert-Schweitzer-Hauses übertragen. Nach dem Eröffnungsgottesdienst ist eine Begegnung für alle im und am Albert-Schweitzer-Haus. Um 20 Uhr findet in der Kirche eine festliche Dankandacht statt mit dem vereinigten Kirchenchor Bad Holzhausen-Börninghausen und dem Börninghauser Posaunenchor. Auch die wird in das Albert-Schweitzer-Haus übertragen.

Zu dem Ereignis haben sich viele hochrangige Gäste angesagt. So der Superintendent des Kirchenkreises Lübbecke, Dr. Rolf Becker, Bischof Dr. Max-Georg Freiherr von Twickel aus Salzbergen (Titularbischof von Lugura/Nordafrika) und Altbischof Dr. Josef Homeyer aus Hildesheim, der die abendliche Predigt hält. Landrat Dr. Ralf Niermann spricht bei der Begegnung im Albert-Schweitzer-Haus ein Grußwort. Ebenso Bürgermeisterin Anke Korsmeier-Pawlitzky. Auch Vertreter der Stiftungen und Förderer der Kirche sowie der Banken werden anwesend sein. Alle örtlichen weltlichen und kirchlichen Vereine und Gruppierungen sind schriftlich eingeladen worden.

Die St.- Ulricus-Kirche und das Albert-Schweitzer-Haus sind ab 13.30 Uhr geöffnet. Turmbläser und feierliches Einläuten begrüßen die Besucher.