Presseartikel  
29. April 2008 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 100/2008

Am Juwel erfreuen
St. Ulricus-Kirche seit Sonntag wieder geöffnet


Börninghausen (sg). Einen steinigen Weg galt es zu beschreiten. Umso größer ist die Freude, das Ziel erreicht zu haben: Die Wiedereröffnung der St. Ulricus-Kirche am Sonntag war ein Fest der Freude, der Dankbarkeit und des Lobes an alle, die mitgeholfen haben. Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann ließ es sich nach dem Festgottesdienst nicht nehmen, die Besucher einzeln zu begrüßen. Sein unermüdlicher Einsatz für den Erhalt der Kirche sowie das Engagement von Presbyterium und Kirchbauverein fanden höchste Anerkennung. »Schweiß und Tränen sind keinem, der an der Sanierung beteiligt war, erspart geblieben«, so Superintendent Dr. Rolf Becker. Seine Hochachtung galt dem Einsatz Beckmanns sowie der Presbyter, die »ein nervenaufreibendes Geschäft betreiben mussten«.

Bis auf den letzten Platz war die St. Ulricus-Kirche in Börninghausen am vergangenen Sonntag während des Festgottesdienstes zur Wiedereröffnung besetzt. Das Interesse war immens. Foto: Sonja Gruhn

Die Zahl der Spender sei schier unglaublich. Die hatten die stolze Summe von insgesamt etwa 80 000 Euro zusammengetragen. »Respekt vor dieser Leistung. Ihnen allen ist es zu verdanken, dass die St. Ulricus-Kirche wieder in dieser Pracht für Gottesdienste zur Verfügung steht.«

Becker betonte, dass Kirchen nur in zweiter Linie denkmalsgeschützte Gebäude seien: »Sie sind Häuser Gottes für die Menschen mit Symbolwert. Kirchen sind gebaute Glaubensbekenntnisse.« Auch an diesem Festtag wurde die Ökumene in Börninghausen gelebt. »Ein Katholik der diesen Gottesdienst besucht hat, hätte nicht unbedingt gemerkt, dass er sich in einer evangelischen Kirche befindet«, lobte Bischof Dr. Max-Georg Freiherr von Twickel aus Salzbergen.

Er verlieh seiner Freude über die gelungene Restaurierung Ausdruck: »Jetzt können sie sich wieder an ihrem Juwel erfreuen.« »Es ist bewundernswert, welche Initiative hier ergriffen wurde«, lobte Landrat Dr. Ralf Niermann das Geleistete. Georg Droste von der Sparkasse Minden-Lübbecke bezeichnete die Restaurierung als Bereicherung der Region sowohl im weltlichen als auch im christlichen Sinne.

»Was die Frauenkirche für Dresden und der Kölner Dom für Köln ist, das ist St. Ulricus für unser schönes Eggetal«. Mit diesen Worten erntete der erst kürzlich zum Vorsitzenden des Kirchenbauvereins gewählte Reinhard Finke den Applaus der Zuhörer. Die Sanierung habe Beckmann viel Kraft, Zeit, Nerven und Geduld gekostet, doch habe der Pfarrer sie zielstrebig zu Ende geführt. »Dies reicht weit über das hinaus, was zu dem Beruf eines Pfarrers gehört. Wir sind ihnen zu großem Dank verpflichtet.« Und ein Dankeschön in Form eines neuen Altars- und Kanzelbehanges wird in den nächsten Tagen an Beckmann überreicht werden.

Bürgermeisterin Anke Korsmeier-Pawlitzky erinnerte noch einmal an die verschiedenen Bauabschnitte und die unzähligen Stunden, die Helferinnen und Helfer auch bei den Ausgrabungsarbeiten der Archäologen im Einsatz waren. »Ich danke ihnen allen, denn ohne ihren unermesslichen Einsatz wäre dies riesige Projekt, die St. Ulricus-Kirche wieder in diesen wunderschönen Zustand zurückzuversetzen, nicht möglich gewesen. Gemeinsam wurde hier erreicht, dass dieses Kleinod Börninghausen erhalten bleiben wird und den Menschen weiterhin einen Ort der Zuflucht, des Gebetes, der Zusammenkunft bietet.«

Kirche eine Stätte geistlicher Ökumene
Dankandacht zur Kircheneröffnung


Altbischof Dr. Josef Homeyer aus Hildesheim, der sich immer sehr um die Ökumene bemüht hat, weilte bereits einmal zu einer Adventsandacht in Börninghausen. Foto: Cornelia MüllerBörninghausen (cm). Den Abschluss der Feierlichkeiten zur Wiedereröffnung der St. Ulricus-Kirche in Börninghausen bildete am Sonntagabend eine festliche Dankandacht.

Sowohl Pastor Friedrich Wilhelm Beckmann als auch Dr. Josef Homeyer, Altbischof von Hildesheim, der die Predigt hielt, erinnerten dabei an den Namenspatron der Kirche, den Heiligen Ulrich, Bischof von Augsburg.

Pastor Beckmann nannte Ulrich einen Christen mit Vorbildcharakter, in dessen Wirken Liturgie und Diakonie gleiche Priorität gehabt hätten. Zur Wiedereröffnung kündigte Beckmann an: »Unsere Kirche soll wieder eine Stätte würdiger Liturgie und geistlicher Ökumene sein«.

Altbischof Josef Homeyer, der sich in seiner Zeit als Bischof von Hildesheim ebenfalls sehr um das ökumenische Miteinander bemüht hat und 1988 bereits einmal zur ökumenischen Adventsandacht nach Börninghausen gekommen war, hob in seiner Predigt hervor, dass Europa Menschen brauche, die die Verbindlichkeit der Bergpredigt vorlebten - Menschen wie den Heiligen Ulrich.

»Die Bergpredigt formuliert Maßstäbe für Gerechtigkeit und Solidarität, auf denen das europäische Sozialsystem gründet. Die Bergpredigt hält unsere Gesellschaften, hält Europa zusammen. Was denn sonst?« unterstrich der Altbischof.

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom vereinigten Kirchenchor Bad Holzhausen-Börninghausen unter Leitung von Bärbel Kuhlemann, dem Posaunenchor unter Leitung von Henrik Menzel sowie von Franz-Josef Appelhans an der Orgel, die gemeinsam dieser Dankandacht ihren festlichen Rahmen gaben.«