Presseartikel  
18. Mail 2008 - Unsere Kirche, Lokalausgabe Minden-Ravensberg, Nr. 21/2008

Gebautes Glaubensbekenntnis
St. Ulricus in Börninghausen wieder eröffnet

BÖRNINGHAUSEN - "So nein Kleinod durfte doch nicht zugrunde gehen!" Reinhard Finke, der Vorsitzende des Kirchbauvereins Börninghausen, freut sich, dass nach dreieinhalbjähriger Bauzeit die Ulricus-Kirche in Börninghausen (Preußisch Oldendorf) in neuem Glanz erstrahlt und wieder für Gottesdienste zur Verfügung steht. Nun wurde die aus dem 15. Jahrhundert stammende Wehrkirche im Eggetal in einem feierlichen nachmittäglichen Gottesdienst wieder eröffnet.

Mehr als 500 Menschen waren gekommen, um die Einweihung zu feiern - 250 in der komplett gefüllten Kirche, die anderen im benachbarten Gemeindehaus, in das der Gottesdienst übertragen wurde. Gemeindepfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann, der sich in der liturgischen Bewegung und in der Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche engagiert, hatte den Domchor Osnabrück für den Gottesdienst gewonnen. Außerdem beteiligten sich der katholische Titularbischof Dr. Max-Georg Freiherr von Twickel aus Salzbergen, etliche evangelische Pfarrer aus der näheren und ferneren Umgebung sowie Professor Dr. Jürgen Kampmann aus Tübingen am Festgottesdienst.

Pfarrer Friederich Wilhelm Beckmann würdigte in seiner Predigt das Engagement der zahlreichen Spender und ehrenamtlichen Helfer, die die Sanierung und Renovierung der Kirche ermöglichten. Er bezeichnete die Wehrkirche als ein "Kleinod in Ostwestfalen". "Diese Stätte ist reich an Geschichte - Menschen haben hier ihre Beziehung zu Gott gepflegt", sagte Beckmann. Er betonte, dass nicht Gott, sondern die Menschen Kirchengebäude bräuchten.

Beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus lobte der Superintendent des Kirchenkreises Lübbecke, Dr. Rolf Becker, das Engagement der Gemeinde für ihre Kirche. Die Höhe der Spenden, aber auch die Tatsache, dass Menschen aus ganz Deutschland sich für die Renovierung der Kirche eingesetzt hätten, seien schwier unglaublich", sagte Becker.

Bischof Dr. Max-Georg Freiherr von Twickel, Titularbischof von Lugura in Nordafrika und ehemaliger Weihbischof im Bistum Münster, sprach von der Kirche als einem "Juwel". Er hob das ökumenische Engagement von Pfarrer Beckmann und der Kirchengemeinde hervor: "Diese Kirche führt Katholiken und Evangelische zusammen". Als Vertreter der Politik sprach der Landrat des Kreises Minden-Lübbecke, Dr. Ralf Niermann. Für ihn sei diese Kirche ein "Sehnsuchtsort", zu dem es ihn immer hingezogen habe. Die Bürgermeisterin von Preußisch Oldendorf, Anke Korsmeier-Pawlitzky, sagte, es sei "Wunderbares" geleistet worden.

Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann bei seiner Predigt.

Die Sanierungsbedürftigkeit der Kirche hatte sich im Jahr 2001 herausgestellt. Schäden im Gewölbe machten Notabstützungen notwendig. Da weder die Gemeinde noch der Kirchenkreis ausreichend Geld für die Sanierung hatten, drohte die Schließung der Kirche. Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann sorgte für die Gründung eines Kirchbauvereins, der sich um Spenden und Stiftungsgeld für die Kirche bemühte. Mehr als 500 Mitglieder zählt der Verein heute. Die Baumaßnahmen bis zur Wiedereinweihung kosteten rund 650.000 Euro. Außerdem wurden etliche Arbeiten von Mitgliedern der Kirchengemeinde und des Kirchbauvereins in Eigenleistung erbracht.

Ende 2004 begannen dann die Bauarbeiten, zu denen neben der Sanierung des Gewölbes und des Turmes der Einbau einer neuen Fußbodenheizung, die Tieferlegung des Bodens sowie die Renovierung des Innenraumes gehörten. Streit gab es zuletzt darum, ob wieder zwei Emporen in die Kirche eingebaut werden sollten oder nur eine, vergrößerte Westempore. Letztlich entschied der Kreis Minden-Lübbecke, dass der Einbau der Westempore auch unter Aspekten des Denkmalschutzes zulässig sei. Sie soll in den nächsten Wochen eingebaut werden. Nicht nur für die ausstehenden Arbeiten, auch für den weiteren Erhalt der Kirche ist man auf Unterstützung und Spenden angewiesen.