Presseartikel  
28. April 2009 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 98/2009

Musiker helfen St.-Ulricus-Kirche
Umjubeltes zweites Benefizkonzert

Börninghausen (cm). »Die Freude über dieses Konzert wird bleiben, auch dann noch, wenn das Geld längst ausgegeben ist.« Maritta von Haugwitz, die zweite Vorsitzende des Kirchbauvereins, hat nicht mit Lob für die Beteiligten gespart, nachdem das Konzert der Lübbecker Musikschule Pro Musica in der St.-Ulricus-Kirche zu Ende gegangen war.

Das Trio Christian Penner (Klarinette), Simon Obermeier (Klavier) und Katrin Langewellpott (als Ersatz für Nicole Wiebe; Violoncello) spielte »Invierno porteno« von Astor Piazzolla. Foto: Cornelia MüllerZum zweiten Mal veranstaltete der »Verein zur Erhaltung der St.-Ulricus-Kirche Börninghausen« ein Benefizkonzert in der frisch renovierten Eggetaler Wehrkirche. Dieses Mal konnte die Lübbecker Musikschule Pro Musica für einen Gastauftritt gewonnen werden. Ohne zu zögern hatte Schulleiter Martin Obermeier seine Unterstützung zugesagt, nicht zuletzt wegen der hervorragenden Akustik des Gotteshauses. Die Einnahmen aus dem Konzert kommen nun dem Einbau der noch fehlenden Westempore zugute.

»Wie sehr uns die Empore fehlt, sieht man heute. Die Mitwirkenden haben gar nicht alle Platz in der Kirche«, stellte Reinhard Finke, Vorsitzender des Kirchbauvereins, bedauernd fest. Deshalb mussten die Solisten und Chormitglieder auch größtenteils im Gemeindehaus warten, bis sie an der Reihe waren. Notgedrungen versäumten sie deshalb weite Teile eines Konzerts, das nachdrücklich die Ausnahmestellung der Lübbecker Musikschule und ihrer Schüler belegte. Denn der talentierte, vielfach ausgezeichnete Nachwuchs von Pro Musica musizierte durchweg auf höchstem Niveau.

So waren mit Simon Obermeier (Klavier, Orgel), Svenja Schnepel (Violine) und Christian Penner (Klarinette) gleich drei aktuelle Stipendiaten der Sparkassenstiftung nach Börninghausen gekommen, um mit Werken von Bach, Massenet, Piazzolla und Ginastera die Zuhörer zu verzaubern. Kathrin Härtel, die sich gerade für die Teilnahme am diesjährigen Bundeswettbewerb »Jugend musiziert« qualifiziert hat, demonstrierte mit einer Vivaldi-Sonate, wie schön und kunstvoll eine Blockflöte klingen kann. Reizvoll war auch die Bearbeitung einer Barock-Komposition von Rameau für Akkordeon: Anika Dyck, die außerdem noch mit einer Originalkomposition des Jazz-Akkordeonisten Galliano zu hören war, trug sie mit großer Virtuosität vor.
Romantische Innigkeit statt barocker Leichtigkeit kennzeichnete dagegen Niels Wilhelm Gades »Andantino con motow« für Klarinette, das von Anne Nentwich mit viel Gefühl und Ausdrucksstärke interpretiert wurde. Noch vor der Konzertpause erspielte sich dann Esther Schnepel gemeinsam mit dem von Rosa Meyring geleiteten Jungen Kammerorchester endgültig die ersten Bravo-Rufe: Sie begeisterten mit Schuberts Konzertstück in D-Dur für Violine und Orchester.

Weitere Konzerthöhepunkte waren die Auftritte der Gesangssolisten und -ensembles: Johanna Grube sang die Sopran-Arie »Alles steht in Gottes Händen« von Christoph Graupner, und die sechs Sänger des von Pit Witt geleiteten Vokalensembles von Pro Musica glänzten als Stimmakrobaten. Dass das Ensemble wegen beruflicher Verpflichtungen der Mitglieder nun unmittelbar vor der Auflösung steht, wie Martin Obermeier bekannt gab, kann nur bedauert werden. Der ebenfalls von Pit Witt geleitete Jazz- und Gospelchor »S(w)ing & praise« sorgte schließlich für einen passenden und umjubelten Abschluss des Konzertes: »Let us be thankful« hieß der erste von drei mitreißenden Gospelsongs, die der Chor zu Gehör brachte. Und wie dankbar die Zuhörer für dieses zweite Benefizkonzert waren, daran ließ der Applaus keinen Zweifel.

Feierliche Prozession in die Kirche

Mitglieder der Kirchengemeinde und Weggefährten von Pastor Beckmann ziehen in einer feierlichen Prozession in die Kirche ein (von links): Kirchmeisterin Waltraud Ewert, Alexander Block (trägt das Friedenslicht aus Bethlehem), Presbyter Holger Petersmann und Kreuzträger Florian Wolf. Fotos: Cornelia Müller

Beckmann ist erster Pfarrstelle 35 Jahre treu
Ordinations- und Ortsjubiläum des Börninghauser Pastors

Börninghausen (cm) »Jubiläen im Raum der Kirche sind immer wieder Anlässe, innezuhalten und Gott zu danken.« Am vergangenen Sonntag hatte der Börninghauser Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann gleich doppelt Grund dazu: Er feierte nicht nur sein 35-jähriges Ordinationsjubiläum, sondern gleichzeitig auch sein 35-jähriges Ortsjubiläum.

Friedrich Wilhelm Beckmann wurde 1947 in Versmold geboren und wuchs auf einem Bauernhof auf. Nach seinem Theologiestudium, das ihn nach Wuppertal, Bielefeld, Heidelberg, Münster, Kiel und Hamburg führte, wurde er 1974 in seiner Heimatkirche in Versmold ordiniert. Im selben Jahr trat er seine Pfarrstelle im Eggetal an: Wie es der Zufall wollte, gerade zu einer Zeit, als die St.-Ulricus-Kirche - so wie heute - renoviert wurde. »Börninghausen ist meine erste und einzige Gemeinde geblieben. Geplant war das alles nicht, es hat sich einfach so ereignet, und ich bin überzeugt, dass Gott seine Hand im Spiel gehabt hat«, sagte Pastor Beckmann.

Martina Berger aus Kirchlengern ist eine von vielen gewesen, die Pastor Beckmann (links) zum Doppeljubiläum gratulierten.Die Feierlichkeiten zum Doppeljubiläum begannen mit Trompetenklängen: Zu Ehren von Pastor Beckmann spielten Mitglieder der Posaunenchöre Börninghausen und Oetinghausen Choräle und festliche Bläsermusik. In einer feierlichen Prozession zogen dann das Presbyterium, Lektoren und zahlreiche Amtsbrüder mit dem Börninghauser Geistlichen in die Kirche ein, um gemeinsam einen Festgottesdienst zu feiern, der liturgisch und musikalisch (Organist: Mathias Johannmeier) besonders aufwändig gestaltet war.

In seiner Predigt führte Beckmann aus, worin er all die Jahre seine Aufgabe als guter Hirte der Gemeinde gesehen habe: »In der Kirche geht es um die Wahrheit, nicht um den Zeitgeist und nicht um die Ansichten einzelner Menschen.« Deshalb habe er sich immer wieder für die Ökumene starkgemacht und an der allsonntäglichen Feier des Abendmahls festgehalten: »Mein Vermächtnis der vergangenen 35 Jahre und mein unverrückbares Motto fasse ich mit den Worten aus der Didache, der Apostellehre aus dem zweiten Jahrhundert, zusammen: Kommt häufig zusammen und sucht, was eure Seele angeht. Am Herrentag versammelt euch, brecht das Brot und sagt Dank.«

Nach dem Gottesdienst hatte Beckmann viele Hände zu schütteln. Familie, Freunde, Bekannte und Gemeindeglieder waren gekommen, um zu gratulieren und ihm alles Gute für die Zukunft zu wünschen. Für das gemeinsame Kaffeetrinken im Albert-Schweitzer-Haus hatten Mitglieder der Gemeinde Kuchen gespendet. In den Grußworten, unter anderem von Kirchmeisterin Waltraud Ewert und Beckmanns katholischem Amtsbruder Dechant Wolfgang Brinkmann, wurde mehrfach Beckmanns große Liebe zum Gottesdienst und zur Liturgie hervorgehoben. Gelobt wurden seine Verdienste um die Renovierung der St.-Ulricus-Kirche und die »liebenswürdige Hartnäckigkeit« (Brinkmann), mit der Beckmann hochgestellte katholische Geistliche wie den päpstlichen Nuntius für die ökumenischen Adventsandachten gewann.