Presseartikel  
22/23. Oktober 2005 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 246/2005

"Sie haben Glück gehabt"
St. Ulricus: Gewölbe-Einsturz verhindert / Fundamente und Knochen freigelegt
von Jörn Spreen-Ledebur

Pr. Oldendorf - Börninghausen. „Sie haben Glück gehabt“, meint der leitende Architekt Bernd Brüggemann. Sie – das sind die Besucher der Börninghauser Kirche. Glück haben sie gehabt, dass die Gewölbe der mittelalterlichen Ulricus-Kirche nicht eingestürzt sind. Die Gewölbe-Sanierung ist abgeschlossen – fast wäre es zu spät gewesen.

Großes Interesse: Zahlreiche Gemeindemitglieder informierten sich am Donnerstagabend 
    über die Fortschritte der Sanierung der Börninghauser St.-Ulricus-Kirche.

Am Donnerstagabend informierten Brüggemann, Uwe Ramsberg (Vorsitzender Kirchbauverein) und Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann die Gemeindeglieder über den Stand der Dinge bei der Sanierung der Ulricus-Kirche. Die rund 185.000 Euro teure Sanierung der Gewölbe ist inzwischen beendet. Eine Ursache für die zuletzt schadhafte Statik war nach Einschätzung Brüggemanns, dass die Mauern der Ulricus-Kirche eigentlich nicht für ein Gewölbe ausgelegt waren. Das Gewölbe sei erst nach dem Kirchenbrand von 1463 eingezogen worden und habe die bis dahin vorhandene Flachdecke ersetzt.

Hinsichtlich der Gewölbe ist aus Sicht der Verantwortlichen wohl in letzter Sekunde gehandelt worden. Einige Steine aus dem Gewölbe seien so locker gewesen, dass man sie mit der Hand habe herausnehmen konnte, sagte Brüggemann. „Wir haben alle sehr viel Glück gehabt.“ Inzwischen haben freiwillige Helfer aus der Gemeinde in Abstimmung mit dem Denkmalamt damit begonnen, den Fußboden aufgenommen.

Teile der Heizungsanlage, die in das bisherige Bodenniveau eingebaut waren, seien schadhaft gewesen, sagten Beckmann und Ramsberg. Ramsberg zeigte den Teilnehmern der Gemeindeversammlung eine angesengte Isolierungsplatte. Zum Glück sei außer einem Schwelbrand nichts passiert – und der habe sich mangels Luftzufuhr nicht ausweiten können, so Beckmann. Die vor 35 Jahren eingebaute Heizung sei leider unsachgemäß eingebaut worden, betonte Ramsberg. Die Feuchtigkeit, die sich unter dem bisherigen Fußboden gebildet hatte, ließ nach Angaben von Brüggemann, Beckmann und Ramsberg auch den um 1870/71 eingebauten Sandstein-Fußboden zerbröseln. Die Helfer stießen bei den Arbeiten in einer Tiefe von rund 30 Zentimetern unter dem bisherigen Fußboden-Niveau auf einen Bodenbelag aus Backsteinen. Der könne aus dem 17. Jahrhundert stammen, sei aber möglicherweise auch älter, so Brüggemann. Die Platten seien diagonal im Kirchenschiff verlegt worden – mit Ausnahmen.

Geheimnis: Architekt Bernd Brüggemann (l.) und Uwe Ramsberg sind gespannt auf die Öffnung des Grabes.Im östlichen Teil des Kirchenschiffs liegen die Platten anders – und unter diesem Teil der Steine vermuten Brüggemann, Beckmann und Ramsberg eine Grabstelle. Diese Grabstelle werde aufgenommen, wenn ab dem 2. November Archäologen in St. Ulricus aktiv seien. Man sei gespannt, was dieser Ort berge. An einer anderen Grabstelle sind unter anderem Knochen gefunden worden. Die sollen laut Beckmann und Brüggemann ordnungsgemäß auf dem Friedhof beigesetzt werden.

Auf der Nordseite des Kirchenschiffs geben Fundamente noch einige Rätsel auf, die rund 80 Zentimeter unter dem bisherigen Bodenniveau liegen. Brüggemann will nicht ausschließen, dass es sich dabei um Fundamente eines Nebenaltars handelt. In diesem Bereich wurde eine Scherbe gefunden, die Archäologen nach Angaben Ramsbergs in das achte oder neunte Jahrhundert datieren. Ebenfalls freigelegt wurden die Fundamente einer Wand, die einst den heutigen Chorraum abschloss.

In den kommenden Wochen und Monaten wollen die Börninghausener gemeinsam mit den Denkmalschützern beraten, welcher Fußboden in St. Ulricus eingebaut werden kann. Das soll nach Möglichkeit im kommenden Jahr geschehen. Sinn mache es, dann auch die Vorbereitungen für den Einbau der neuen Heizung zu treffen, sagte Beckmann. Fußboden und Heizungs-Vorbereitungen würden rund 100.000 Euro kosten. Je mehr Mitglieder der Kirchbauverein habe und je mehr eigene Mittel er einbringen könne, desto besser seien die Chancen für Zuschüsse für diese Maßnahme.Sanierungsbedarf besteht wie berichtet auch am Turm von St. Ulricus. Die Kosten gaben Brüggemann und Beckmann am Donnerstagabend mit 65.000 Euro an. Diese Summe ist inzwischen fast komplett vorhanden – lediglich rund 2.000 Euro fehlen noch. Ramsberg sagte, dass der Kirchbauverein sich bemühen werde, diese Lücke in der Finanzierung möglichst schnell zu schließen.