Presseartikel  
25./26. April 2009 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 96/2009

Ein Ortspfarrer, der Brücken baut
Friedrich Wilhelm Beckmann feiert an diesem Wochenende sein 35-jähriges Dienstjubiläum
VON TYLER LARKIN


Pr. Oldendorf-Börninghausen. Nach dem Munde reden ist nicht seine Sache. Diplomatie gehört ebenfalls nicht immer zu seinen herausragenden Eigenschaften. Das Brücken-bauen zwischen Menschen und Religionen allerdings schon. Das macht Ortspfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann nun seit 35 Jahren in Börninghausen. An diesem Wochenende feiert er Jubiläum.

Natur als Ausgleich: Ortspfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann unternimmt oft lange Spaziergänge in den Wäldern rund um das Eggetal. Die Pappelreihe unterhalb des Nonnensteins gefällt ihm besonders. FOTO: TYLER LARKIN

Beckmann ist der dienstälteste Geistliche aller 19 Kirchengemeinden im Kirchenkreis Lübbecke sowie der Nachbargemeinden in Niedersachsen. „Als ich im April 1974 im Eggetal ankam, hatte ich nur einen Gedanken: Hier bleibst du nicht lange“, sagt Pfarrer Beckmann und schlägt sich dabei lachend auf seinen Oberschenkel. Er ist der lebende Beweis, dass Theologie durchaus auch humorvoll sein kann. „Solange man sich selbst nicht zu ernst nimmt, bleibt der Spaß erhalten.“

Die Ökumene prägt Beckmanns Leben. „Gott hat nur eine Kirche gegründet. Die Menschen haben sie jedoch gespalten“, sagt er. „Die Weltlage verlangt aber, dass wir an einer Kirche arbeiten. Die Spaltung schwächt unsere Glaubwürdigkeit.“

Wegen solcher Standpunkte ist er nicht gänzlich unumstritten. Was ihm jedoch kein Kopfzerbrechen bereitet. „Ich nehme es gerne mit meinen Kritikern auf. Wer sich wie ich so weit aus dem Fenster lehnt, setzt sich Missverständnissen aus“, sagt Beckmann nüchtern und klingt dann doch wie ein Diplomat. „Mit Extremen erreicht man nichts, denn die Wahrheit liegt immer in der Mitte.“

Seine Art ist das Erbe des Vaters, der als konservativer Landwirt starke liberale Züge aufwies. „Ich hatte eine lange Leine in der Kindheit“, erinnert sich Beckmann.

Lässt man ihn gewähren, kommt dem Zuhörer eine Flut an biblischen Daten und Fakten entgegen. Er ist weit über das erwartbare Maß hinaus theologisch belesen und kann stundenlang aus theologischen Schriften zitieren. Am Ende steht immer wieder die gleiche These: „Religion ist kein Jahrmarkt, auf dem geschachert wird. Die Ökumene ist die bessere Alternative.“

Bei aller Gesprächigkeit gibt es auch Dinge, über die Beckmann öffentlich kaum spricht. Als nach einem Brand im Dezember zwei Kinder ihren Vater und alles Hab und Gut verloren, hatte der Pfarrer neben Beistand auch eine dreistellige Summe als Soforthilfe im Gepäck. Beckmann baut Brücken – seit 35 Jahren.

St. Ulricus Kirche

Die St. Ulricus Kirche in Börninghausen gehört zu den ältesten Sakralbauten in Ostwestfalen. Ihr Bau erfolgte nach heutigem Kenntnisstand zwischen 1220 und 1227. Kunsthistorisch am wertvollsten sind die alten Fresken aus der Zeit um 1450 im Apostel- und Heiligenfries. Die Altarsteinplatte ist noch die allererste aus der Zeit der Kirchengründung. Weitere Besonderheiten sind die Kanzel mit dem Schutzengelmotiv von 1632, der historische Orgelprospekt von 1661 sowie ein kunstvoll geschnitzter Taufbrunnen mit Symboliken von 1686. Durch die Wiederentdeckung der alten Raumausmalung erstrahlt das Gewölbe von 1463 wieder im ursprünglichen Glanz. In Kürze wird eine Chorempore unter Verwendung historischer Teile von 1684 errichtet. (tyl)