Presseartikel  
22/23. Oktober 2005 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 246/2005

Archäologen übernehmen das Regiment
Knochenreste in der Kirche gefunden


Börninghausen (HoG). Die St. Ulricus-Kirche in Börninghausen ist eine Baustelle. Nachdem zum Ende des vergangenen Jahres die Grundsicherung des Gebäudes abgeschlossen wurde, haben Mitglieder des Kirchbauvereins inzwischen in Eigenleistung den Fußboden entfernt. Nun übernehmen Anfang November Archäologen das Regiment, um durch weiteres Abtragen des Untergrundes mehr über dieses alte Gotteshaus zu erfahren.

Baustelle St. Ulricus-Kirche: Der Kirchbauverein hatte zu einer Gemeindeversammlung eingeladen, in der über den Stand der Renovierungsarbeiten informiert wurde. Foto: Horst-H. Griepenstroh Bei ihren Arbeiten sind die Mitglieder des Kirchbauvereins im Inneren der Kirche auf Gräber gestoßen und auch Knochen wurden gefunden. Mindestens zwei Gräber sind bekannt, wobei eines von ihnen noch geschlossen ist. Es werden aber noch deutlich mehr Gräber vermutet, denn, so Pastor Friedrich Wilhelm Beckmann, bis 1840 wurden die Börninghauser Pastoren in der Kirche beerdigt.

Für die Notwendigkeit, den Boden der Kirche zu entfernen, gab es gleich mehrere Gründe. So war die 35 Jahre alte Fußbodenheizung völlig marode und funktionierte nicht mehr. Uwe Ramsberg, Vorsitzender des Kirchbauvereins, präsentierte am Donnerstag in der Kirche im Rahmen einer Gemeindeversammlung eine völlig durchgeschmorte Styroporplatte, die einst als Isolierschicht unter dem Estrich gelegen hatte. Die Heizung habe nach Aussage von Ramsberg ebenso viel Wärme nach unten abgegeben, wie nach oben. Kein Wunder also, dass es in dem Gotteshaus nicht warm geworden sei, obwohl die Energiekosten enorm waren.

Auch sei durch das Anheben des Bodenniveaus in und auch außerhalb der Kirche das Mauerwerk durch aufsteigende Feuchtigkeit stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Dem solle nun durch die Absenkung Einhalt geboten werden. Unter der Fußbodenheizung kam ein roter Sandsteinboden zum Vorschein, bis in die 60er Jahre hinein der Boden der St. Ulricus-Kirche, so Dipl. Ing. Bernhard Brüggemann aus Braunschweig, der die gesamten Renovierungsmaßnahmen in Börninghausen leitet. Dieser Sandsteinboden stammt nach Schätzungen Brüggemanns aus der Zeit nach dem deutsch-französischen Krieg. Aber auch dieser Boden war nur auch einen noch älteren Boden gelegt, dessen Entstehungszeit nur schwer schätzbar sei, so der Fachmann. Etwa 17. bis 18. Jahrhundert, vermutet Brüggemann. Deutlich sichtbar ist nun auch das Fundament des Chorraumes, neben dem Turm der Ursprung der Kirche. Die Verbindung zwischen Turm und Chorraum ist später entstanden.

Uwe Ramsberg, Vorsitzender des Kirchbauvereins, präsentierte während der Gemeindeversammlung eine der Styroporplatten, die als Isolierung unter der Fußbodenheizung gedient hatte. Rechts im Bild Dipl.-Ing. Bernhard Brüggemann.Für die künftige Bodenhöhe innerhalb der Kirche soll nach Aussage des Braunschweiger Fachmannes das Niveau der roten Sandsteinplatten angenommen werden. Notwendig ist jedoch ein Unterbau mit einer kapillarbrechenden Schicht, um ein Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern. Aus diesem Grunde müsse noch etwa einen halben Meter tiefer gegraben werden. Da man dabei jedoch in den Bereich der vorhandenen Gräber kommen, müsse diese Arbeit den Archäologen überlassen werden, so Brüggemann.

Auch zu den bisher durchgeführten Arbeiten nahm er Stellung. Durch den Einbau von Ankern im Bereich der Kirchengewölbe werde ein weiteres auseinander driften der Außenmauern unterbunden. Ursprünglich sei die St. Ulricus-Kirche mit einem Flachdach versehen worden, erst nach einem Brand um 1420 habe man bei Wiederaufbau die Gewölbe eingebaut, ohne aber das Außenmauerwerk zu verstärken, das für diese Belastung nicht ausgerichtet gewesen sei. Die Last der Gewölbe habe die Wände auseinander gedrückt. Durch den Einbau der von außen nicht sichtbaren Maueranker sei dieser Prozess nun unterbrochen.

Was Bernhard Brüggemann noch einiges Kopfzerbrechen bereitet, sind die großen Linden in der Nähe der Kirche. Bei den Grabungen innerhalb des Gotteshauses seien dicke Wurzeln gefunden worden, die sich quer durch die Kirche ziehen, berichtete er. Das könne keinesfalls so bleiben. Auch sei klar, dass der Boden rund um das Gotteshaus abgetragen werden müsse, um das Mauerwerk vor weiterem Schaden zu bewahren. Das Niveau außen müsse dem späteren Innenniveau entsprechen. Zwar sei rund um die Kirche eine Drainage verlegt worden, die allerdings lediglich fünf Zentimeter unter der Oberfläche liege und keinen Anschluss habe.


Arbeit auf breitere Basis stellen
Kirchbauverein startet bis Weihnachten große Mitgliederwerbeaktion


Börninghausen (HoG). Die Sanierung der St. Ulricus-Kirche ist eine kostenträchtige Angelegenheit. Rund 185 000 Euro hat allein schon die Grundsicherung gekostet, die inzwischen abgerechnet ist. Den Löwenanteil hat hier die Kirchengemeinde getragen.

Im zweiten Bauabschnitt steht nun die Sanierung des Kirchturmes an. Etwa 65000 Euro wird diese Maßnahme kosten. Hier gibt es Hilfe von außen, denn 20000 Euro gibt es von der Stiftung Denkmalschutz und 20000 Euro von der Stiftung zur Erhaltung kirchlicher Bauwerke, vom Land gab es eine Zusage über 20000 Euro, die sich inzwischen auf 1000 Euro reduziert hat, der Kirchbauverein bewilligte zunächst 5000 Euro und auf Antrag des Presbyteriums noch einmal 5000 Euro, so dass sich bisher eine Deckungslücke von noch etwa 5000 Euro ergab. Diese Lücke ist inzwischen bis auf gut 2000 Euro geschlossen worden.

Doch nun drängt die Zeit, so Pastor Friedrich Wilhelm Beckmann am Donnerstag in der Gemeindeversammlung. Denn wenn nicht kurzfristig die Sicherstellung der Finanzierung nachgewiesen werde, müsse mit einer Rückforderung der Zuschüsse aus den beiden Stiftungen gerechnet werden. Damit sei dann die gesamte Kirchturmrenovierung hinfällig. Notfalls werde hier sicherlich der Kirchbauverein noch einmal einspringen, so Pastor Beckmann, doch aus dessen finanzielle Möglichkeiten seien überaus begrenzt.

Und hier war der Pastor schon beim nächsten Thema. Eine groß angelegte Werbeaktion soll mehr Mitglieder für den Kirchbauverein bringen. Derzeit hat der Verein 268 Mitglieder, davon 112 von außerhalb. Wie Pastor Beckmann ausführte, umfasse die Kirchengemeinde Börninghausen rund 600 Häuser, wovon Bürger aus lediglich 100 Häusern im Kirchbauverein engagiert seien. Hier bis zum Jahresende 500 Häuser aus der Kirchengemeinde einzubinden, ist das erklärte Ziel. »Wir werden Klinken putzen gehen«, erklärte Vorsitzender Uwe Ramsberg. Spontan erklärten sich am Donnerstagabend etliche Mitglieder des Kirchbauvereins bereit, hier von Haus zu Haus zu gehen, um weitere Gemeindeglieder zu werben. Das gesamte Presbyterium ist mit dabei und auch der Posaunenchor mache mit, erklärte der musikalische Leiter. Es wurden bereits Listen verteilt und Bezirke festgelegt. Bis Weihnachten soll die Werbeaktion abgeschlossen sein.

Mit der Kirchturmsanierung sei die Kirchenrenovierung längst nicht abgeschlossen. Insgesamt stand eine Summe von 250000 Euro im Raum, die bis zur Komplettsanierung noch fehlen. Pastor Beckmann rief eindringlich dazu auf, hier zusammen zu rücken. Schließlich gehe es um die gesamte Kirchengemeinde. »Wir müssen die Kräfte bündeln, Eigeninitiative ist unbedingt notwendig«, unterstrich er.