Presseartikel  
10. November 2005 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 261/2005

Das Gotteshaus als Grabungsfeld
Archäologen suchen im Fußboden der St.Ulricus-Kirche nach Mauerresten


Pr. Oldendorf - Börninghausen (-sl-). Archäologen des Landesdenkmalamtes untersuchen derzeit die mittelalterliche St.-Ulricus-Kirche. Nicht ausgeschlossen ist, dass dabei weitere Gräber gefunden werden.

Feinarbeit mit Bürsten: Bodenarchäologe Dr. Otfried Ellger (l.) und Vereins-Vorsitzender Uwe Ramsberg berieten gestern über die anstehenden Arbeiten in St. Ulricus. FOTO: JOERN SPREEN-LEDEBURDas Niveau des Fußbodens in der Ulricus-Kirche soll, wie berichtet, abgesenkt werden. Der neue Fußboden brauche einen entsprechenden Unterbau, sagte Dr. Otfried Ellger, Bodenarchäologe vom Landesdenkmalamt aus Münster. In der Börninghausener Kirche befinden sich die verschiedenen Fußböden vergangener Jahrhunderte in Schichten übereinander; bei den bisherigen Grabungen und dem Entfernen von Bodenbelägen waren Mauerreste freigelegt worden. Die gehörten nach Einschätzung von Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann zum Teil zur Westwand des heutigen Altarraums oder dienten vermutlich auch als Fundament für einen Seitenaltar.

Die anstehenden Grabungen in St. Ulricus sind aus Sicht von Ellger „die Gelegenheit, die Schichten jetzt zu untersuchen.“ Später seien die weg. Ohne die einzelnen Bodenschichten an den Mauerresten fehle für mögliche archäologische Aussagen ein wesentlicher Teil. Als Glücksfall bezeichnete Ellger den Umstand, dass sich die Archäologen bei den Untersuchungen in St. Ulricus Zeit lassen können.

Man werde deshalb wahrscheinlich bis Mitte kommenden Jahres immer wieder Börninghausen besuchen und in der Kirche Untersuchungen vornehmen. Ob ein mutmaßliches Grab unweit des Altarraums geöffnet wird, steht derzeit noch nicht fest. Sei das ein verfülltes Grab, müsse man das nicht öffnen, so Ellger. Handele es sich dabei aber um eine Gruft, sehe das anders aus.

Hinter der Tieferlegung des Bodens und dem Einbau einer neuen Heizung steht auch Uwe Ramsberg. Vorsitzender des Börninghauser Kirchbauvereins. „Für uns ist es wichtig, für diese Maßnahmen zu werben“, sagt er. Nicht jeder habe schließlich dafür Verständnis, dass der bisherige Fußboden herausgenommen worden sei. Ramsberg verweist in diesem Zusammenhang aber darauf, dass die darunter eingebaute alte Heizungsanlage nicht mehr funktionstüchtig gewesen sei: „Die Kirche ohne Heizung – das funktioniert nicht.“ Zufrieden ist Ramsberg mit der Mitgliederentwicklung des Kirchbauvereins. Inzwischen haben sich dem Verein rund 360 Menschen angeschlossen. „Jeden Tag kommen neue Anträge.“ Auch die Spendenbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger sei größer als erwartet.