Presseartikel  
18. November 2005 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt" Nr. 268/2005

Hilfe bei Kirchensanierung
»Letztmaliger Zuschuss« - Kritik an Übereifer


Pr. Oldendorf (wm). Trotz angespannter Finanzlage will die Stadt den evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Börninghausen und Holzhausen bei Bauvorhaben helfen. Der Haupt- und Finanzausschuss bewilligte in seiner jüngsten Sitzung Zuschüsse.

Zunächst wurde um einen Antrag aus Börninghausen diskutiert. Dabei ging es um die Finanzierung des zweiten Bauabschnittes, der die Sanierung des Kirchturmes umfasst; im ersten Bauabschnitt waren bekanntlich das Gewölbe und die Außenmauern im Rahmen eines Notprogramms soweit in Ordnung gebracht worden, dass die Substanzerhaltung der altehrwürdigen Wehrkirche gewährleistet ist. An den Kosten hatte sich die Kommune mit 9.000 Euro beteiligt.

Die Kosten für die Kirchturmsanierung wurden mit 65.000 Euro veranschlagt; der Kostendeckungsplan enthält noch eine Lücke von 10.000 Euro. Um sie zu schließen, wurde die Stadt um einen weiteren Zuschuss gebeten.

Archäologie ist die Kunst der Langsamkeit: Dr. Otfried Ellger vom Landesdenkmalamt Münster legt sehr sorgfältig Bau- und Bodenreste in der St. Ulricus-Kirche frei. Foto: Wilfried MattnerDie CDU, so ihr Sprecher Ernst-August Schrewe, wolle 1.000 Euro aus dem Stadtsäckel gewähren, um guten Willen zu zeigen. Er machte aber gleichzeitig deutlich, dass dies der letzte Zuschuss der Kommune für diese Kirchensanierung sein müsse. »Wir haben schon mehrfach einmalige Zuschüsse gegeben. Auf einmalig folgt letztmalig, was hier der Fall sein muss, auch wegen der Gleichbehandlung mit der Kirchengemeinde Holzhausen«, erklärte Schrewe. Derartige Hilfen seien freiwillige Leistungen, mit denen man sparsam umgehen müsse -gerade auch vor dem Hintergrund, dass man noch nicht wisse, wie der Nachtragshaushalt aussehe. Annemarie Koch (CDU) schlug in die gleiche Kerbe: »Wir bewilligen zum zweiten Mal der Kirchengemeinde in Börninghausen einen einmaligen Zuschuss. Das muss jetzt das letzte Mal sein, damit keine weiteren Wünsche dieser Art kommen.«

Marlotte Östreich (SPD) wies gleichfalls auf die schwierige Finanzlage der Stadt hin, hielt aber einen Zuschuss von 2.000 Euro für denkbar. Das Geld könne aus dem »Denkmaltopf« gezahlt werden.

Stadtheimatpfleger Dieter Besserer hielt die Unterstützung der Sanierungsarbeiten an der St. Ulricus-Kirche im Eggetal wegen ihrer Baubedeutung für gerechtfertigt. Dabei solle man sich nicht auf ein »letztes Mal« für Zahlungen festlegen. Es könne durchaus passieren, dass wegen der Bedeutung des Gotteshauses und der geringen Größe der Kirchengemeinde nochmals ein Zuschussantrag gestellt werde.

Dies forderte den Widerspruch von Schrewe heraus. Nachvollziehbar sei, dass dringende Baumängel behoben werden müssten. Nicht nachvollziehbar sei allerdings, »dass der Fußboden zerstört wird bzw. zerstört worden ist, ohne dass dies erforderlich war und ohne dass dafür Geld zur Verfügung steht. Die Turmsanierung war wichtig, alles andere hätte Zeit gehabt. Wir werden noch mehr Zuschussanträge ablehnen müssen. Und mit Spendenaufrufen werden die Menschen überfordert«. Dem hielt Besserer entgegen, dass der Kirchbauverein die Fußbodensanierung in Eigenarbeit erledigen wolle. Und Hannelore Lösche (Grüne) wies darauf hin, dass Baudenkmäler immer Geld kosteten und die Erhaltung von St. Ulricus für das Bild der Stadt und ihren Tourismus wichtig sei.

Nachdem Carsten Scholz (SPD) und Bürgermeisterin Anke Korsmeier-Pawlitzky ebenfalls einen Zuschuss von 1.000 Euro befürworteten, fasste der Ausschuss einstimmig einen gleichlautenden Beschluss. Und auch die Kirchengemeinde Holzhausen erhält diesen Betrag zur Sanierung des Glockenstuhls des Gotteshauses. Die Gesamtkosten betragen etwas 22.000 Euro, von denen die Gemeinde rund 10.000 Euro selbst aufbringen muss.