Presseartikel  
22. Februar 2006 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt" Nr. 45/2006

Dr. Otfried Ellger Uralte Tonscherbe in St. Ulricus entdeckt

Dr. Otfried Ellger präsentierte während der Hauptversammlung des Kirchbauvereins Börninghausen das Bruchstück einer Tonschale, die bei Ausgrabungen in der St. Ulricus-Kirche gefunden wurde. Sie stammt wohl aus der Zeit vor dem 12. Jahrhundert.
Weiter mit Artikel aus dem Lokalteil

 

Erhaltung von St. Ulricus läuft gut
Bemerkenswerte Funde bei Ausgrabung


Börninghausen (WB/wm). Zu seiner ersten Jahreshauptversammlung traf sich am Montagabend der vor einem Jahr gegründete Kirchbauverein, der es sich zum Ziel gemacht hat, die Sanierung der St. Ulricus-Kirche finanziell und auch selbst tatkräftig zu unterstützen. Nach dieser kurzen Zeit sei auch dank der Hilfe des Vereins ein Fortgang bei den laufenden Erhaltungsarbeiten erkennbar, stellte Vorsitzender Uwe Ramsberg zu Beginn fest.

Kirchbau-Vereinsvorsitzender Uwe Ramsberg dankte Fritz Vögding (l.) für dessen Unterstüzung der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde im Zusammenhang mit der Renovierung der St. Ulricus-Kirche mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft. Davon, dass St. Ulricus einfach dem Schicksal alter Gebäude überlassen werden solle, sei heute nicht mehr die Rede. Man habe den ersten Schritt getan, um die Kirche wieder in Ordnung zu bringen. Und man erfahre auch von auswärts großen Zuspruch und Unterstützung. So seien die Mitglieder des Vereins im Bundesgebiet von Freiburg im Süden bis Sylt hoch in den Norden der Republik verteilt. Zwar habe man die Schallmauer von 500 Mitgliedern zum Jahresende 2005 nicht ganz erreicht, aber ganz sicher werde diese Zahl sehr bald übertroffen.

In der Jahreshauptversammlung begrüßte Ramsberg Dr. Otfried Ellger, Bodenarchäologe des Landesdenkmalamtes Münster. Er erläuterte den interessierten Mitgliedern anschließend vor Ort in der Kirche den Stand und die Erkenntnisse aus den laufenden Grabungen im Gotteshaus. Ellger und sein Kollege Dr. Stefan Leenen sind inzwischen fast jeden Dienstag gern gesehene Forscher beim Ergründen des Bodens hier in der Kirche geworden. Ziel sei, Unwiederbringbares für die Nachwelt sicher festzuhalten, Erklärungen für das im Boden Gefundene zu geben und geschichtliche Zusammenhänge zu klären.

Der Verein zähle mittlerweile die stattliche Zahl von 431 Mitgliedern und sei damit der zweitgrößte Verein im Eggetal. Die Erhaltung des Gotteshauses sei eine »intergenerative Verantwortung«, was bedeute, das diese nicht auf nachfolgende Generationen verschoben, sondern schon heute selbst ein Beitrag geleistet werde.

Der erste Bauabschnitt in der Kirche war sicher auch der wichtigste. Die Sicherung und Festigung der Gewölbe in der Kirche. Über 100 Stempel waren letztendlich nötig, um ein Abstürzen der Gewölbe zu verhindern und das Gewölbe wieder in Ordnung bringen zu können. Hierzu habe wohl der leitende Architekt Brüggemann die richtige Aussage gemacht: »Wir haben alle sehr viel Glück gehabt. Warum? Weil einige der Steine im Gewölbe so lose waren, dass sie mit der Hand aus dem Verband genommen werden konnten. Hier ist wohl in allerletzter Sekunde gehandelt worden«, so Brüggemann in einer Gemeindeversammlung am 20. Oktober 2005. Aber nun sei ein erster großer Schritt getan und das Gewölbe auf Dauer und bestmöglich saniert. Spannend werde auch die Frage sein, ob in die Kirche wieder eine Empore eingebaut wird. Ramsberg: »Meine Meinung ist inzwischen die, dass die historische Empore von 1684 in jedem Fall wieder in die Kirche gehört. Auch die Empore hat über viele Jahrhunderte das Gesicht des Kircheninneren mit geprägt. Sicher würde es dem Kircheninneren gut tun, wenn die Empore etwas kleiner würde, ganz auf die Empore verzichten sollte die Kirchengemeinde aber nicht. Aber hier ist nicht der Kirchbauverein gefragt, sondern in erster Linie die Denkmalsschützer und die gesamte Kirchengemeinde.«

Der von Schatzmeisterin Elke Stiebitz erstatteten Kassenbericht war geprüft und für einwandfrei befunden worden. Ihr wie dem gesamten Vorstand wurde Entlastung erteilt.

Anschließend verlieh Ramsberg Fritz Vögding und dem Ehepaar Hedwig und Bernhard Hahn die Ehrenmitgliedschaft im Kirchbauverein in Anerkennung ihrer Verdienste um die Erhaltung des Gotteshauses. Vögding habe wie selbstverständlich wieder seine Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung gestellt, um die Kirchenmöbel unterstellen zu können. Dies war notwendig, um die Gerüste und Stempel in der Kirche einsetzen zu können. Es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Familie Vögding der Kirche in großzügiger Form entgegenkam. Und ohne das großzügige finanzielle Engagement des Ehepaares Hahn - es war verhindert - hätten die notwendigen Anker über den Gewölben im Kirchenschiff nicht in der geforderten Qualität eingebaut werden können. Ramsberg: »Unsere drei Mitbürger haben sich um die Kirche verdient gemacht. Dies wollen wir in angemessener Weise mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft im Kirchbauverein würdigen.«

Dr. Ottfried Ellger (Mitte) stieß mit seinen Ausführungen über die laufenden Ausgrabungen in der St. Ulricus-Kirche und die aus Funden zu ziehenden Erkenntnisse auf großes Zuhörerinteresse. (Fotos: Wilfried Mattner)Anschließend überraschte Dr. Otfried Ellger die Zuhörer mit der Nachricht über bemerkenswerte Funde bei Ausgrabungen in der Kirche. So habe man eine »sehr kleine, sehr alte Scherbe entdeckt, älter als alle Kirchen, die hier gestanden haben«. Ellger datierte diesen Fund in die Zeit aus etwa dem 7. bis 8. Jahrhundert; sie sei ein frühes Zeugnis für die Besiedlung des Eggetales. Außerdem sei das Bruchstück einer Tonschale aufgetaucht, »ein Teilstück der vermutlich ältesten mittelalterlichen Tonschale, die in Westfalen je gefunden wurde«. Sie sei vermutlich noch vor dem 12. Jahrhundert entstanden; wieviel früher vermochte Ellger jedoch nicht zu sagen. In der Hoffnung, noch weitere Stücke zu finden, werde noch weiter gesucht. Es handele sich vermutlich um Teil des Materials, mit dem das Gelände beim Kirchenbau eventuell aufgefüllt worden sei. In der Auffüllung von Gräbern wurden darüber hinaus zwei Münzen entdeckt. Eine datiert aus dem Jahre 1823, eine weitere aus dem Zeitraum Ende des 16. Jahrhunderts.