Presseartikel  

15/16. Juni 2006 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 137/2006

Untergrund gibt Geheimnisse preis
Freiwillige helfen bei Sanierung der Börninghauser St.-Ulricus-Kirche
VON JOERN SPREEN-LEDEBUR


Pr. Oldendorf-Börninghausen. Die alten Steine des Fußbodens sind in vielen Teilen aufgenommen. Tiefe Löcher tun sich auf, geben den Blick frei auf alte Mauerschichten. Dass die Archäologen an einem historischen Ort graben, ist nichts Neues. Neue Erkenntnisse, die dürfte es aber trotzdem geben.

Auf den Spuren der Geschichte: Archäologe Dr. Otfried Ellger legt Mauerwerk frei, das zum Vorgängerbau der heutigen St.-Ulricus-Kirche gehört hat. Neben Fundamenten sind auch Münzen und Knochen gefunden worden. FOTO: JOERN SPREEN-LEDEBUR

Stück für Stück legen die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Mauerwerk frei, Stück für Stück gibt die Börninghauser St.-Ulricus-Kirche Teile ihrer Geschichte preis. „In wenigen Wochen wissen wir das genau“, sagt Dr. Otfried Ellger vom LWL.

St. Ulricus sei älter als bislang angenommen, meint Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann. Innerhalb des kleinen Kirchenschiffes werde wohl das erste Gotteshaus gestanden haben. Die ältesten Grundmauern, vermutet Beckmann, könnten aus der Zeit um 1180 stammen. Gefunden haben die Archäologen nicht nur Mauern. Auch zahlreiche Münzen aus verschiedenen Jahrhunderten, Knochen und nicht zuletzt die bislang älteste in Westfalen bekannte Tonlampe (12. Jahrhundert) förderten sie zutage. In den nächsten Wochen werden sie noch einiges zu tun haben in St. Ulricus.

Ab dem Spätsommer können dann nach Einschätzung Beckmanns die Vorbereitungen für den Einbau des neuen Fußbodens beginnen. Eine Fußbodenheizung wird St. Ulricus allerdings nicht bekommen. Im Schadensfall wäre deren Reparatur zu aufwändig. „In der Kirche wird eine Heizung mit fünf Elementen eingebaut“, sagt Beckmann. Betrieben werde sie mit Gas. Kosten soll das rund 40.000 Euro, aber ob mit den Arbeiten heuer noch begonnen wird, ist offen.

Historischer Schutt in der Kahre: Freiwillige wie Uwe Ramsberg helfen bei den Grabungen im Gotteshaus, FOTO: JOERN SPREEN-LEDEBUR  Heizung, Fußboden und elektrische Anlagen gehören zum dritten Bauabschnitt und der soll rund 125.000 Euro kosten. Beckmann: „Wir haben jetzt die schwierige Aufgabe, einen Finanzierungs- und Kostendeckungsplan aufzustellen.“ Dabei wollen die Eggetaler auch Gespräche wegen Zuschüssen führen.

Und sie hoffen auf die Spendenbereitschaft. Die beiden ersten Bauabschnitte kosteten zusammen 250.000 Euro und davon sind aus der Kirchengemeinde rund 110.000 Euro beigesteuert worden. „Das ist viel“, freut sich Beckmann. Mit Hilfe von Zuschüssen von Stiftungen seien die beiden ersten Abschnitte finanziert. Einbringen wird sich in den anstehenden dritten Bauabschnitt auch der 450 Mitglieder zählende Kirchbauverein. Dessen Vorsitzender Uwe Ramsberg freut sich, dass sich Bürger auch freiwillig bei den Ausgrabungen beteiligen. Ohne Freiwillige sei das nicht machbar. „Dann säßen wir in drei Jahren noch hier.“ Nach Angaben von Ramsberg und Beckmann werden sich freiwillige Helferinnen und Helfer auch bei anderen Arbeiten einbringen. Sie übernehmen den Anstrich des Turmes und wollen auf dem Kirchplatz die Drainage verlegen. Die Sachkosten für diese beiden Bereiche übernimmt der Kirchbauverein. Die Drainage müsse gelegt sein, bevor der Fußboden eingebaut werde, betont Ramsberg.