Presseartikel  

01/02. Juli 2006 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt" Nr. 150/2006

Geschichte im Boden
Grabung in St. Ulricus-Kirche Börninghausen (von Wilfried Mattner)


Börninghausen (WB). Geschichte kann überaus interessant sein. Den Beweis dafür findet man derzeit in der altehrwürdigen St. Ulricus-Kirche im Pr. Oldendorfer Stadtteil Börninghausen. Im Zuge der laufenden Sanierungsarbeiten wird derzeit der Boden im Gotteshaus sorgfältig Schicht für Schicht abgetragen auf der Suche nach geschichtlich wichtigen Fundstücken.

Die Leitung der Grabungen liegt in Händen des Bodenarchäologen Dr. Otfried Ellger vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe. Er wird unterstützt von freiwilligen Helfern aus dem Ort. Mehr als 30 Münzen wurden bereits entdeckt - und auch einige Gräber. Bauschichten und Fundstücke deuten darauf hin, dass nicht der Turm der älteste Teil des Gotteshauses ist, sondern Chor und Kirchenschiff schon vorher standen.
Chor und Kirchenschiff dürften getrennt gewesen sein. Wobei nach dem jetzigen Stand der Grabungen nicht auszuschließen ist, dass das Schiff das vermutlich älteste Teilstück ist, vorher bereits aber in anderer Form an dieser Stelle gestanden haben könnte. Endgültigen Aufschluss darüber, wann kirchliches Leben in Börninghausen begonnen hat, erhofft man sich insbesondere von der Datierung der Münzen. Aber auch eine wissenschaftliche Altersbestimmung von Knochenfunden mittels radioaktiven Kohlenstoffs (C-14-Methode) wird nicht ausgeschlossen.

(Dieser Artikel befindet sich auf der ersten Seite der Lokalausgabe. Es folgt der Artikel aus dem Lokalteil.)

Schichtweise in die Vergangenheit
Funde in St. Ulricus lassen die Geschichte des Gotteshauses immer klarer werden (von Wilfried Mattner)


Börninghausen (wm). Die akribische Arbeit im Boden der St. Ulricus-Kirche in Börninghausen zeigt Wirkung. Aufgrund von Funden - Baumaterial, Knochenreste hier bestatteter Menschen sowie Münzen - verdichten sich die Hinweise darauf, dass nicht der Turm der älteste Teil des Bauwerkes mit noch stehenden Mauern ist, sondern Chor und Kirchenschiff schon vorher entstanden. Und das vermutlich auf Resten eines darunter liegenden, noch älteren Bauwerkes.

Bodenarchäologe Dr. Otfried Ellger bei der Arbeit: Mit einem Spachtel trägt er sorgfältig Erdschicht um Erdschicht ab und hält Bodenformationen sorgfältig auf Papier fest. Fotos: Wilfried MattnerEine ganze Woche haben Bodenarchäologe Dr. Otfried Ellger vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Moritz Fehr, der ihm als Zivildienstleistender tatkräftig zu Hand geht sowie durchschnittlich vier freiwillige Helfer aus dem Eggetal intensiv und sorgfältig zugleich Schicht um Schicht an verschiedenen Stellen entfernt, um der ganzen Kirchengeschichte auf die -richtige - Spur zu kommen.

Dabei entdeckte man unter der Schicht aus gebrannten roten Ziegelsteinen, die sich unter dem Kirchenfußboden befindet, verschiedene Schichten: Sandfüllungen sowie Aufschüttungen in unterschiedlich dunklen Farben. Uwe Ramsberg, der als Vorsitzender des Kirchbauvereins an den Grabungen stark beteiligt ist: »Diese Färbungen - Laufhorizonte genannt - entstanden durch unterschiedlich intensives Begehen der damaligen Kirchenbesucher.« Gefunden wurden auch erneut Gräber mit Knochenresten, denn im ausgehenden Mittelalter wurden Kirchen bekanntlich noch für Bestattungen benutzt. In Börninghausen gibt es lediglich Hinweise darauf, dass im Gotteshaus bestattet wurde; ein Verzeichnis aber, wer wo begraben wurde, existiert nicht.

Uwe Ramsberg gehört zu den engagierten Helfern, die mit kleinem Werkzeug wie dieser Kelle ganze Bodenschichten freilegen, um die letzten Geheimnisse um St. Ulricus enträtseln zu können. Bauschichten und Fundstücke im Chor und im Schiff ließen darauf schließen, dass das Kirchenschiff der älteste Teil sei und auf den Resten eines anderen Bau entstanden sein könnte, der jedoch eine andere Form hatte. Bei den laufenden Grabungen ist man bislang noch immer nicht auf gewachsenen Boden gestoßen. Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch das manchmal unerwartet auftretende Grundwasser. Jedoch plant man nach Ramsbergs Worten, zumindest im Turmbereich den gewachsenen Boden erreichen zu wollen, um die Annahmen über das Alter der Kirche bestätigt zu bekommen.

Gefunden hat man bisher mehr als 30 Münzen, die aus dem 14. Jahrhundert datieren. Das neueste Stück fiel Ramsberg am Mittwoch in die Hände, als er einen Teil Packlagenestrich, rund 50 Zentimeter unter den roten Ziegelboden im Bereich des Kirchenschiffs, freilegte. Das jetzt entdeckte Fundstück - knapp ein Zentimeter im Durchmesser und sehr dünn - könnte sogar aus dem 13. Jahrhundert stammen, meint Dr. Otfried Ellger. Sicherheit aber wird erst die Untersuchung durch einen Münzsachverständigen in Münster bringen. Ramsberg plant, nach Abschluss der Grabungen den Wert der Münzen bestimmen zu lassen, die zwischen 0,9 und drei Gramm wiegen. Sehr dünn und knapp einen Zentimenter Durchmesserklein ist diese jetzt gefundene Münze. Für den jetzt gefundenen Ravensberger Pfennig konnte man Eier oder Brot kaufen oder Arbeit bezahlen.

Die Suche nach Beweisen für das Alter des ältesten Bauwerkes läuft jetzt auf Hochtouren, um mit Sicherheit sagen zu können, wann in Börninghausen kirchliches Leben begonnen hat. Und diese Reste dürften noch weiter im Boden bzw. unter den jetzt sichtbaren Mauern des Gotteshauses zu finden sein, so Dr. Otfried Ellger. Zwischen Kirchenschiff und Turm sei man auf eine Grube gestoßen, die für den Bau des Turmes angelegt worden sein könnte, so der Bodenarchäologe. Und man entdeckte in diesem Bereich ein rundes Taufbecken, das jetzt nach und nach freigelegt wird. Ob es mit dem Turmbau oder danach entstand, ist noch unklar.