Presseartikel  

1. März 2006 - Wittlager Kreisblatt, Lokalausgabe der "Neue Osnabrücker Zeitung", Nr. 51/2006

Stück für Stück gibt die Kirche Geheimnisse frei
Archäologen arbeiten in St. Ulricus - Viele Funde

Von Joern Spreen-Ledebur

Büscherheide / Börninghausen
Langsam führt Uwe Ramsberg die Sonde über den Boden. Stück für Stück tastet er den Untergrund ab. Ein Signalton ertönt. Für Ramsberg das Signal, mit einer kleinen Kelle zu graben. Kurze Zeit später hat er eine Münze freigelegt.


SCHICHTWEISE GESCHICHTE: Dr. Ottfried Ellger (links) und Dr. Stefran Leenen sind der Baugeschichte von St. Ulricus auf der Spur. Sorgsam untersuchen sie die einzelnen Schichten der Grabunjgsschnitte - und meinen, dass die Börninghauser Kirche vielleicht älter ist als angenommen.
Die Börninghauser St. Ulricus-Kirche gehört zu den ältesten Gotteshäusern in der hiesigen Region. Der Geschichte des Bauwerks sind derzeit die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) auf der Spur - und bei dieser Suche haben Dr. Otfried Ellger und sein Kollege Dr. Stefan Leenen möglicherweise neue Hinweise auf das Alter der Kirche im Eggetal entdeckt. Das Gotteshaus besteht genau genommen aus drei Teilen. Das ist der romanische Chorraum, das Kirchenschiff mit seinen gotischen Fenstern und als dritter Baukörper der wuchtige Turm. "Nach dem bisherigen Stand ist davon auszugehen, dass das Kirchenschiff der älteste Teil ist", sagt Ellger. Dort habe man die ältesten Spuren eines steinernen Baus gefunden. "Wahrscheinlich ist die Südwand das älteste Bauteil." Aber das müsse noch genauer erforscht werden.

Der Fußboden in St. Ulricus soll um 40 Zentimeter abgesenkt werden. An einigen Stellen graben die Archäologen allerdings tiefer - der Erforschung der Baugeschichte wegen. Gefunden haben die beiden Experten des LWL dabei Mörtel und Steinabschläge.

Der Vorgängerbau zwischen Turm und Chorraum, vermuten sie, sei wahrscheinlich nicht gewölbt gewesen. Ellger geht zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass der romanische Chorraum erst später gebaut worden ist als das Kirchenschiff.

BARE MÜNZE: Es sei überraschend, wie viele Münzen in St. Ulricus gefunden wurden, sagen die Archäologen. Zu den Funden gehören auch Münzen aus Bielefeld und Sachsen. Der Vorgängerbau des jetzigen Kirchenschiffs "wird spätestens ins späte 12. Jahrhundert gehören", meint Ellger. In der Regel habe sich die Einwölbung von Kirchen ab der Mitte des 12. Jahrhunderts durchgesetzt. "Es kann sein, dass die Kirche älter ist als bislang angenommen." Unterschreiben würde Dr. Ellger diese Vermutung derzeit aber noch nicht. Denn noch ist es nur eine Vermutung. Um Genaueres zum Alter sagen zu können, brauchen die Archäologen Funde.

Funde - an denen mangelte es während der vergangenen Wochen nicht. Und es sind nicht nur Scherben, die zutage gefördert werden. Stück für Stück wird der Fußboden untersucht. Während Dr. Ellger und Dr. Leenen die Grabungsschnitte vermessen und dokumentieren, untersucht Uwe Ramsberg mit einer Sonde den Fußboden. In geringem Abstand zum Ziegelpflaster, das möglicherweise nach der Einwölbung von St. Ulricus um 1463 verlegt worden war, führt er den Detektor. Einen Griffel legte er ebenso frei wie ein Metallplättchen und einen Heller - eine Münze, die das Wappen des Königreiches Sachsen trägt und 1763 geprägt wurde. Der sächsische Heller ist nicht die einzige Münze, die bei den Grabungen ans Licht der Scheinwerfer gefördert wurde. Auch andere Münzen kamen zutage, darunter eine, die das Ravensberger Wappen trägt und 1621 in Bielefeld geprägt wurde. Die bislang älteste in der Kirche gefundene Münze stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde in der damaligen Herrschaft Büren geprägt. "Für eine Kirche haben wir ungewöhnlich viel gefunden", sagen Ellger und Ramsberg.

Der schönste Fund wird allerdings schon in Münster aufbewahrt. In der Bauschicht aus dem ersten Baukörper von St. Ulricus haben Ellger und Leenen eine Lampe gefunden, die mit Talg oder einem anderen Fett betrieben wurde. Das kleine Töpfchen datieren die Archäologen angesichts der verwendeten Tonart "auf jeden Fall in die Zeit vor 1200." Es sei ein ungewöhnlicher Fund: "Das ist zurzeit die älteste Lampe in Westfalen."

Sagt es und wendet sich wieder den Grabungen zu. Aber nicht für lange Zeit. Denn wieder gibt der Metalldetektor Signale, wieder scheint eine Münze entdeckt worden zu sein. Stück für Stück gibt St. Ulricus Geheimnisse frei.