Presseartikel  

12. November 2005 - Wittlager Kreisblatt, Lokalausgabe der "Neue Osnabrücker Zeitung"

Börninghausen: Gotteshaus ist derzeit ein Grabungsfeld
Von Joern Spreen-Ledebur

Büscherheide / Börninghausen
Ein Gotteshaus als Grabungsfeld: Archäologen des Landesdenkmalamtes untersuchen derzeit die mittelalterliche St.-Ulricus-Kirche in Börninghausen. Nicht ausgeschlossen ist, dass dabei weitere Gräber gefunden werden, hieß es jetzt bei einem Ortstermin.


Die St. Ulricus-Kirche, als alt-ehrwürdige Wehrkirche im ostwestfälischen Börninghausen unweit der Grenze zum Altkreis Wittlage gelegen, ist grenzübergreifend als Zentrum christlicher Ökumene auch im Osnabrücker Land seit vielen Jahren ein Begriff.

Das Niveau des Fußbodens in der Ulricuskirche soll wie berichtet abgesenkt werden. Der neue Fußboden brauche einen entsprechenden Unterbau, sagte Dr. Otfried Ellger, Bodenarchäologe vom Landesdenkmalamt aus Münster. In der Börninghauser Kirche befinden sich die verschiedenen Fußböden vergangener Jahrhunderte in Schichten übereinander; bei den bisherigen Grabungen und dem Entfernen von Bodenbelägen waren Mauerreste freigelegt worden. Die gehörten nach Einschätzung von Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann zum Teil zur Westwand des heutigen Altarraumes oder dienten vermutlich auch als Fundament für einen Seitenaltar.

Die anstehenden Grabungen in St. Ulricus sind aus Sicht von Ellger "die Gelegenheit, die Schichten jetzt zu untersuchen". Später seien die weg. Ohne die einzelnen Bodenschichten an den Mauerresten fehle für mögliche archäologische Aussagen ein wesentlicher Teil. Als Glücksfall bezeichnete Ellger den Umstand, dass sich die Archäologen bei den Untersuchungen in St. Ulricus Zeit lassen können. Das ist schließlich nicht immer der Fall, mitunter müssen sie unter Zeitdruck arbeiten, stehen die Bagger für andere Bauprojekte bereits parat. Man werde deshalb wahrscheinlich bis Mitte kommenden Jahres immer wieder Börninghausen besuchen und in der Kirche Untersuchungen vornehmen. Von "Lustgrabungen" will der Bodenarchäologe nicht sprechen. "Das hier sind Notgrabungen."

Ob ein mutmaßliches Grab unweit des Altarraumes geöffnet wird, steht derzeit noch nicht fest. Sei das ein verfülltes Grab, müsse man das nicht öffnen, so Ellger. Handele es sich dabei aber um eine Gruft, sehe das schon anders aus.

Hinter der Tieferlegung des Bodens und dem Einbau einer neuen Heizung steht auch Uwe Ramsberg, Vorsitzender des Börninghauser Kirchbauvereins. "Für uns ist es wichtig, für diese Maßnahmen zu werben", sagt er. Nicht jeder habe schließlich dafür Verständnis, dass der bisherige Fußboden herausgenommen worden sei. Ramsberg verweist in diesem Zusammenhang aber darauf, dass die darunter eingebaute alte Heizungsanlage nicht mehr funktionstüchtig gewesen sei und eine neue Anlage erforderlich ist. "Eine Kirche ohne Heizung - das funktioniert nicht."

Zufrieden ist Ramsberg mit der Mitgliederentwicklung des Börninghauser Kirchbauvereins in den vergangenen Monaten. Inzwischen haben sich dem Verein nämlich rund 360 Menschen, darunter auch einige aus Niedersachsen, angeschlossen. "Jeden Tag kommen neue Anträge." Auch die Spendenbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger sei größer als erwartet.