Presseartikel  

1. März 2005 - Wittlager Kreisblatt, Lokalausgabe der "Neue Osnabrücker Zeitung", Nr. 50/2005

Dem Gotteshaus erst einmal ein Korsett angelegt
Von Joern Spreen-Ledebur

GROSSBAUSTELLE ST. ULRICUS: Die Renovierung läuft. Ein Kirchbauverein soll sich zudem um den Erhalt des Gotteshauses Kümmern. Büscherheide / Börninghausen
Wer mit Baudenkmälern zu tun hat, muss leidensfähig sein. Geld gibt es fast keines mehr, Arbeit dagegen immer mehr als genug. Ein Beispiel dafür ist die evangelische St. Ulricus-Kirche in Börninghausen. Das Gebäude muss saniert werden, doch Geld ist nur für einen kleinen Teil der Arbeiten vorhanden.


"Man möchte am liebsten abschließen und den Schlüssel wegwerfen", meint Bernd Brüggemann (Braunschweig). Das sei der Frust, den man habe, meint der leitende Architekt. Viele Baudenkmäler - wenig Geld. Für die Börninghauser St. Ulricus-Kirche gebe es lediglich Geld für die statische Sanierung, mehr nicht. Dringend erforderlich wäre aus Sicht Brüggemanns auch die Sanierung der Turm-Statik.

Auch andere Arbeiten müssten gemacht werden, und dazu zählen unter anderem der Anstrich und eine neue Heizung. Aber auch dafür gibt es keine Zuschüsse. "Dafür ist bislang kein Cent freigekommen", meint Brüggemann. Das Problem sei, dass eine Kirchengemeinde im Prinzip einem eingetragenen Verein entspreche. Wenn das Vereinsgebäude nicht in Ordnung sei, müssten die Arbeiten vom Verein selbst gezahlt werden. Dafür reichten die Mitgliedsbeiträge allerdings nicht.

KIRCHENLEUTE: Architekt Bernd Brüggemeier (links) und Hans Meyer setzen auf das neue Korsett, das die Statik des mittelalterlichen Gotteshauses wieder in Ordnung bringen wird. Die Ulricus-Kirche ist aus Sicht Brüggemanns nicht allein ein Vereinsgebäude. Damit möchte der Braunschweiger Architekt das Gotteshaus nicht vergleichen. Die Kirche sei ein Baudenkmal, sie sei ein Kulturgut und müsste demnach eigentlich Anspruch auf Hilfe durch die öffentliche Hand haben. Förderungen des Landes seien aber ausgelaufen. "Das ist doch überall so." Das deutsche Modell, dass Eigentümer ihr Baudenkmal auch selbst unterhalten müssten, sei ein schlechtes Finanzierungsmodell, so der Architekt. Mit Bewunderung schaut Brüggemann auf Dänemark. Kirchensteuer gibt es nicht, stattdessen eine Kultursteuer. Die müssen alle zahlen, egal, welcher Konfession sie angehören. Mithilfe dieser Steuer würden Kulturdenkmäler unterhalten - auch Kirchen. Für das Leben und die Arbeit in den Kirchengemeinden werde dann ein Kirchengeld gezahlt.

Natürlich sei es klar, dass nicht benötigte Gebäude aufgegeben werden müssten. "Das macht doch jeder Immobilienbesitzer so." Aber historische Bauten aufgeben - mit dem Gedanken mag sich Brüggemann nicht anfreunden. "Wäre hier nur eine Rasenfläche, wäre das Zentrum des Dorfes weg", sagt er und weist auf die eingerüstete Ulricus-Kirche.

Die Kirche, meint Brüggemann, müsste auf Dauer von der Unterhaltung der Baudenkmäler entbunden werden. "Das sind Baudenkmäler, die müssen als Kulturgut erhalten werden." Ein Museum käme doch auch nicht auf die Idee, eine "Stradivari" zu verkaufen, um Geld zu machen. Die Kulturgüter habe man übernommen und stehe in der Pflicht, sie in vernünftigem Zustand den Nachkommen zu übergeben. So wie die Ulricus-Kirche. Deren Kirchenschiff-Mauern waren ursprünglich nicht für Gewölbe ausgelegt gewesen. Nach einem Brand wurden die gotischen Gewölbe eingezogen; zum Stützen außen Pfeiler angebaut. Deren Wirkung entsprach aber wohl nicht ganz den Hoffnungen, die in sie gesetzt wurden. Die Mauern drifteten auseinander und seien so schief, dass das auch ohne eine Wasserwaage zu sehen sei, meint Brüggemann.

AUCH DER GURTBOGEN zum Altarraum ist von den statischen Problemen in Mitleidenschaft gezogen worden. Fachleute der Pr. Oldendorfer Firma Meyer verpassen dem Gotteshaus deshalb ein Korsett. Das banne die akute Einsturzgefahr der Gewölbe, sagen Brüggemann und Hans Meyer. Die Gewölbe seien zum Teil schon so weit heruntergekommen, dass sie negative Formen angenommen hätten. "Es war höchste Zeit." An einigen Stellen seien Steine schon locker gewesen. Es sei fast ein Wunder, dass nicht schon Steine heruntergefallen seien. Für weitere Maßnahmen fehlt Geld. Es sei aber bewundernswert, wie groß die Spendenbereitschaft in Börninghausen sei, sagt Brüggemann.

Um den Erhalt des Gotteshauses soll sich auch ein Verein kümmern. Die Gründungsversammlung fand gestern Abend im Albert-Schweitzer-Gemeindehaus in Börninghausen statt. Zu Gast war Bernhard Brüggemann, der nochmals über das Vorhaben und den Stand der Renovierungsarbeiten informierte. Es gelte, alle Kräfte des Eggetals zu bündeln, so Pastor Friedrich Wilhelm Beckmann. Der Verein soll unter anderem finanzielle Hilfe organisieren. Die öffentlichen Kassen - Kirche und Kommune - sind nämlich leer.