Presseartikel  

24. Oktober 2005 - Wittlager Kreisblatt, Lokalausgabe der "Neue Osnabrücker Zeitung", Nr. 248/2005

Die St.-Ulricus-Kirche bietet Stoff für Archäologen
Instandsetzung des Gotteshauses geht voran - Gemeindeversammlung - Fundamente geben noch einige Rätsel auf


Büscherheide / Börninghausen (sl)
"Sie haben Glück gehabt", meint der leitende Architekt Bernd Brüggemann. Sie - das sind die Besucher der Börninghauser Kirche. Glück haben sie gehabt, dass die Gewölbe der mittelalterlichen Ulricus-Kirche nicht eingestürzt sind. Die Gewölbe-Sanierung ist abgeschlossen - fast wäre es zu spät gewesen.


SIND GESPANNT AUF die Öffnung des Grabes. Architekt Bernd Brüggemann (lionks) und Uwe Ramsberg. Fotos: Spreen-LedeburBrüggemann, Uwe Ramsberg, Vorsitzender des Kirchbauvereins, und Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann informierten die Gemeindemitglieder über den Stand der Dinge bei der Sanierung der Ulricus-Kirche. Die rund 185 000 Euro teure Sanierung der Gewölbe ist inzwischen beendet. Ein weiteres Auseinanderdriften der Mauern soll durch den eingebauten Zuganker und Stahleinlagen verhindert werden. Eine Ursache für die zuletzt schadhafte Statik war nach Einschätzung Brüggemanns, dass die Mauern der Ulricus-Kirche eigentlich nicht für ein Gewölbe ausgelegt waren.

Hinsichtlich der Gewölbe ist aus Sicht der Verantwortlichen wohl in letzter Sekunde gehandelt worden. Einige Steine aus dem Gewölbe seien so locker gewesen, dass man sie mit der Hand habe herausnehmen können, sagte Brüggemann. "Wir haben alle sehr viel Glück gehabt." Mit der Sanierung der Decke ist die Sanierung der Ulricus-Kirche aber noch lange nicht beendet. Freiwillige Helfer aus der Gemeinde haben in Abstimmung mit dem Denkmalamt inzwischen den Fußboden aufgenommen. Teile der Heizungsanlage seien schadhaft gewesen, sagten Beckmann und Ramsberg. Ramsberg zeigte bei der Versammlung eine angesengte Isolierungsplatte. Zum Glück sei außer einem Schwelbrand nichts passiert.

Die Helfer stießen bei den Arbeiten in einer Tiefe von rund 30 Zentimetern unter dem bisherigen Fußboden-Niveau auf einen Bodenbelag aus Backsteinen. Der könne aus dem 17. Jahrhundert stammen, sei aber möglicherweise auch älter, so Brüggemann. Im östlichen Teil des Kirchenschiffs liegen Platten unter denen Brüggemann, Beckmann und Ramsberg eine Grabstelle vermuten. Diese Grabstelle werde aufgenommen, wenn ab dem 2. November Archäologen in St. Ulricus aktiv seien. An einer anderen Grabstelle sind Knochen gefunden worden, die ordnungsgemäß auf dem Friedhof beigesetzt werden.

RÄTSELHAFTE FUNDAMENTE in der St.-Ulricus-Kirche.Auf der Nordseite des Kirchenschiffs geben Fundamente, die rund 80 Zentimeter unter dem bisherigen Bodenniveau liegen, noch einige Rätsel auf. Es könnte sich dabei um Fundamente eines Nebenaltars handeln, so Brüggemann. In diesem Bereich wurde eine Scherbe gefunden, die Archäologen nach Angaben Ramsbergs in das achte oder neunte Jahrhundert datieren. In den kommenden Wochen wollen die Börninghauser gemeinsam mit den Denkmalschützern beraten, welcher Fußboden in St. Ulricus eingebaut werden kann. Sinn mache es, dann auch die Vorbereitungen für den Einbau der neuen Heizung zu treffen, sagte Beckmann. Fußboden und Heizungs-Vorbereitungen würden rund 100 000 Euro kosten.

Je mehr Mitglieder der Kirchbauverein habe und je mehr eigene Mittel er einbringen könne, desto besser seien die Chancen für Zuschüsse für diese Maßnahme. Sanierungsbedarf besteht wie berichtet auch am Turm von St. Ulricus. Die Kosten gaben Brüggemann und Beckmann mit 65 000 Euro an. Diese Summe ist fast komplett - lediglich 2000 Euro fehlen noch. Ramsberg sagte während der Gemeindeversammlung zu, dass der Kirchbauverein sich bemühen werde, diese Lücke in der Finanzierung möglichst schnell zu schließen.