Presseartikel  
11. August 2006 - Neue Westfälische, Lokalausgabe Lübbecke, Nr. 185/2006

Auch ein Erzbischof spendet
Fußboden in der Börninghauser Ulricus-Kirche bekommt ein neues Niveau / Freiwillige streichen den Turm an

VON JOERN SPREEN-LEDEBUR

Pr. Oldendorf - Börninghausen. Erdreich bedeckt den Boden. Eine Schiebkarre steht herum, altes Mauerwerk ist freigelegt. Gottesdienste werden auf dieser Baustelle so schnell noch nicht gefeiert werden können.

So tief gehts runter: Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann steht auf dem historischen Fußboden-Niveau in der Ulricus-Kirche. Das soll jetzt wieder hergestellt werden, der Boden wird deshalb um 55 Zentimeter abgesenkt. FOTOS: JOERN SPREEN-LEDEBUR

Sie gehört zu den ältesten Kirchen im Lübbecker Land. Für Gottesdienste steht die Börninghauser St. Ulricus-Kirche derzeit aber nicht zur Verfügung. Das Gotteshaus gleicht einer Baustelle. Nach der dringend erforderlichen Sanierung der mittelalterlichen Gewölbe und der Sicherung des Turmes soll St. Ulricus nun einen neuen Fußboden und eine neue Heizung bekommen. Der neue Fußboden – der wird im Vergleich zum bisherigen Boden um 55 Zentimeter abgesenkt. „Das ist dann das alte Niveau“, sagt Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann und verweist auf entsprechende Erkenntnisse, die die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) bei den Grabungen gewonnen haben.

Die Wirkung des Kircheninneren dürfte sich durch die Tieferlegung des Bodens verändern. Es dürfte weniger gedrungen aussehen als dies in den vergangenen Jahrzehnten der Fall war. Auch der neue Bodenbelag dürfte das Kircheninnere heller erscheinen lassen. Helle Natursteine sollen verlegt werden, so Beckmann. Auch dies sei mit den Denkmal-Experten des Landschaftsverbandes abgestimmt worden. Einst sei der Boden des Gotteshauses ebenfalls mit hellen Steinen ausgelegt gewesen, so Beckmann.

Vom Tisch ist nach Angaben des Pfarrers der Einbau einer Fußbodenheizung. Eine zu große Hypothek sei das für folgende Generationen, meint er. „Im Schadensfall müsste der Fußboden wieder aufgenommen werden.“ Stattdessen werden fünf Heizelemente in der Kirche eingebaut. mit rund 45.000 Euro koste das auch nur halb so viel wie eine Fußbodenheizung.

Die Bauarbeiten sollen nach dem jetzigen Stand der Dinge im Frühjahr kommenden Jahres beginnen. Bis dahin muss allerdings die Finanzierung geklärt sein. Fußboden und Heizung kosten zusammen 140.000 Euro. Davon sollen Arbeiten im Wert von 12.000 Euro in Eigenleistung erbracht werden. Zuschussanträge haben die Börninghauser nach Angaben Beckmanns bei der deutschen Stiftung Denkmalschutz (Bonn) und der Stiftung zum Erhalt kirchlicher Baudenkmäler (Hannover) gestellt. Beide Stiftungen wollten der Kirchengemeinde weiter unter die Arme greifen, betont der Pfarrer. In welcher Höhe allerdings der nächste Bauabschnitt gefördert wird, soll erst im November entschieden werden.

Bei der Sanierung ihres Gotteshauses legen die Bürgerinnen und Bürger aus dem Eggetal aber auch selbst tatkräftig Hand an. Freiwillige hatten bei den Grabungen geholfen, freiwillige Helfer werden jetzt auch den Anstrich des Turmes vornehmen. Unterstützt werde das von Hans Meyer, freut sich Beckmann über das Engagement innerhalb der Gemeinde für St. Ulricus, wo möglicherweise im Mai 2008 wieder der erste Gottesdienst gefeiert werden kann.

Ein verlässlicher Partner bei der SanierungKleingeld vergangener Tage: Gefunden haben die Archäologen auch Münzen aus mittelalterlichen Grafschaften. ist auch der Kirchbauverein. Der zählt zurzeit 450 Mitglieder; die Tendenz sei steigend. Rund 150 Mitglieder wohnen in anderen Regionen, 300 in der Gemeinde. Über den Kirchbauverein bekomme die Gemeinde jährlich Einnahmen in Höhe von knapp 10.000 Euro. Beckmann: "Das hilft schon sehr viel weiter." Auch Spenden gibt es immer wieder – und das nicht nur bei Familienfeiern. Auch der Freiburger Erzbischof Dr. Robert Zollitzsch will den Erhalt des dem Heiligen Ulrich (um 890 bis 973; lange Jahre Bischof von Augsburg) geweihten Gotteshauses fördern. Der Erzbischof spendete dem Börninghauser Kirchbauverein 300 Euro.

Bei den Grabungen haben die LWL-Archäologen um Dr. Otfried Ellger übrigens nicht nur Münzen aus verschiedenen mittelalterlichen Grafschaften ausgegraben. Freigelegt haben sie neben den Mauern eines Seitenaltars auch romanische Grundmauern, die in die Zeit um 1280 datieren. Anders als bislang angenommen sei der Chorraum von St. Ulricus nicht das älteste Bauteil der Kirche. Die Mauerfunde deuteten darauf hin, dass an der Stelle des heutigen Kirchenschiffes bereits ein Gotteshaus gestanden habe. Demnach wäre der Chorraum nicht ältester Bauteil.


Kurfürst stiftete die Orgel
Die Börninghauser St. Ulricus-Kirche ist in mehreren Punkten eine Besonderheit unter den Gotteshäusern im Lübbecker Land. Es ist die Predigtstätte des Eggetales und dazu gehört mit Büscherheide auch ein Teil der niedersächsischen Gemeinde Bad Essen.

Der Chorraum von St. Ulricus ist im romanischen Stil gebaut, das Kirchenschiff selbst weist gotische Fenster und Gewölbe auf. Der gedrungene Turm mit seinem Satteldach erinnert an einen Wehrturm. Bemerkenswert ist die Orgel, die 1684 vom Großen Kurfürsten gestiftet worden war. Daran erinnert eine Inschrift auf dem Prospekt, der Schauseite des Instruments. Aus dem späten 17. Jahrhundert stammt die Brüstung der Empore. Die Empore soll in verkleinerter Form wieder eingebaut werden. Die Empore an der Westseite ist aus Sicht der Denkmalschützer lediglich eine unsachgemäße Ergänzung und wird nach Abschluss der Bauarbeiten nicht wieder hergestellt.

Geweiht ist die Börninghauser Kirche dem Augsburger Bischof Ulrich (um 890 bis 973). Ulrich war ein enger Vertrauter des Königs Otto I. und hatte maßgeblichen Anteil daran, die immer wieder nach Bayern eindringenden Ungarn zu besiegen und bei der Schlacht auf dem Lechfeld entscheidend zu schlagen. Später förderte Ulrich das Mönchstum, kümmerte sich um Arme und Kranke. Er wurde 993 durch Papst Johannes XV heilig gesprochen. (-sl-)