Presseartikel  

18./19. Dezember 2004 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt" Nr. 296/2004

Kirche bleibt zu Weihnachten geschlossen
Grundsicherung kurz vor Abschluss


Börninghausen (HoG). Auf eines werden die Menschen im Eggetal zum kommenden Weihnachtsfest verzichten müssen: Die Gottesdienste können nicht in der St. Ulricus-Kirche abgehalten werden. Handwerker führen im und am Gotteshaus das Regiment.

Die drei Gewölbe der St. Ulricus-Kirche sind arg in Mitleidenschaft gezogen und weisen regelrechte Beulen auf, wie Bernhard Brüggemann hier zeigt. Sie müssen vorsichtig herausgedrückt, die Fugen dann vergossen und verputzt werden. Eine Arbeit, die viel Geschick erfordert. (Fotos Griepenstroh)

Die Kirche ist vollständig eingerüstet, um die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten durchführen zu können und so das historische Gebäude vor dem Verfall zu bewahren. Die Gottesdienstbesucher hatten sich schon an die Stahlstreben im Inneren der Kirche gewöhnt, die das einsturzgefährdete Gewölbe stützten. Die Deckenlast der Gewölbe hatte die Außenmauern nach außen gedrückt, so dass inzwischen Risse sichtbar wurden. Die beiden westlichen Gewölbe hängen bereits durch. Dazu gibt es Risse im Bogen zwischen Turm und Kirchenschiff, wo bei einer Sanierung vor rund 40 Jahren in die Bausubstanz eingegriffen wurde.

Nun erhält die Kirche zunächst eine später nicht sichtbare Verankerung, eine Art Korsett, das in das Mauerwerk eingebaut wird. So haben Spezialisten in den vergangenen Tagen vier Anker quer durch das Gebäude und zwei Anker im Chorbereich eingezogen, 36 Millimeter starke Edelstahlstangen, die an den Enden mit Scheiben gesichert und in das Mauerwerk eingegossen werden. Die Bohrungen werden anschließend wieder verfüllt und später ist von dieser Maßnahme nichts mehr zu sehen.

Ein weiteres Augenmerk der ersten Sicherungsmaßnahmen sind die drei Gewölbe des Gotteshauses, die heftige Beulen aufweisen. Diese Beulen werden hydraulisch und mechanisch beseitigt und die Risse verfugt und vergossen. »All das muss mit äußerster Sorgfalt geschehen, denn die Gewölbe sind überaus marode«, so Dipl. Ing. Bernhard Brüggemann aus Braunschweig, der die Bauleitung innehat.

Thomas Wiener schneidet Blöcke aus dem Mauerwerk, damit die Anker im Inneren vergossen werden können. Mit diesen Arbeiten ist die Sanierung der St. Ulricus-Kirche jedoch noch längst nicht abgeschlossen. »Das sind nur die ersten Maßnahmen, um das Gebäude vor dem Verfall zu sichern«, so Brüggemann. Es könne nur der unmittelbare Kollaps verhindert werden. Im Hinblick auf die Gewölbe wurde das auch höchste Zeit. Es hätten hier leicht Menschen von herab fallenden Steinen verletzt werden können, so der Fachmann. Die laufenden Arbeiten dürften etwa Mitte Januar abgeschlossen sein, schätzt Bernhard Brüggemann. Auf ihren geliebten Kirchenbesuch müssen die Gemeindeglieder jedoch weiterhin verzichten. Die Kirche bleibt geschlossen, sie ist unbenutzbar. Offensichtlich sei die heutige Generation nicht mehr in der Lage, alte Gebäude zu erhalten. Das sei umso verwunderlicher, als in den 50er Jahren umfangreiche Sanierungsarbeiten an alten Bauten erfolgt seien, so Brüggemann. »Und damals waren die Zeiten wesentlich schlechter«.

Die St. Ulricus-Kirche ist eine der ältesten Kirchen in der Gegend überhaupt. Der Turm als ältester Teil ist Ende des 12. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt. Bernhard Brüggemann schätzt ihm aber deutlich älter. 1420 brannte die Kirche ab, wurde aber wieder aufgebaut und 1463 eingeweiht. Sie der Nachwelt zu erhalten, bezeichnet Bernhard Brüggemann als eine Verpflichtung. Schließlich sei dieses Kleinod der Meilenstein für die Christianisierung des Eggetales.

Spezialgerät wird eingesetzt, um die Bohrungen für die Anker in das Mauerwerk zu treiben. Der zur Verfügung stehende Etat in Höhe von 185 000 Euro reicht gerade einmal für die statische Sicherung des Kirchenschiffes. Die statische Sicherung des Turmes sei von ebenso großer Notwendigkeit. Das dürfte noch einmal 65 000 Euro kosten - Geld, das nicht zur Verfügung steht. Doch auch damit sei die Kirche nicht fertig. Die Kosten für die gesamte Restaurierung schätzt der Fachmann auf knapp eine Million Euro. »Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll. Zuschüsse vom Land gibt es keine mehr und auch der Kirchenkreis ist mehr als zurückhaltend«, bedauert Brüggemann. Im Presbyterium werde nach Mitteln und Wegen gesucht, die Finanzierung der Maßnahme irgendwie »auf die Beine zu stellen. Doch ohne Hilfe von außen sei das wohl kaum möglich.