Presseartikel  

05./06. März 2005 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt" Nr. 54/2005

Wilfried MattnerPr. Oldendorfer Zwischentöne (Von Wilfried Mattner)
Ehrlich sein


Konsumflaute »dank« Sparzwang überall, Staat und Institutionen fahren Ausgaben auf vielen Gebieten zurück. Das gilt auch für die Kirche. Um ihre originären Aufgaben - Seelsorge, Diakonie und Jugendarbeit - weiter anbieten zu können, muss an anderer Stelle eingespart werden. Und das betrifft nicht zuletzt die kirchlichen Immobilien.

Das bekommt derzeit die Kirchengemeinde Börninghausen mit voller Wucht zu spüren. Auf 945 000 Euro werden die Gesamtkosten für die dringend notwendige Sanierung der St. Ulricus-Kirche veranschlagt - wenn alles von Handwerkern erledigt würde. Mit »Hand- und Spanndiensten« der Gemeindeglieder kann diese Summe zwar reduziert werden; aber selbst dann braucht man noch gut 550 000 Euro, um das uralte Kirchlein vor dem Verfall zu retten und mit zeitgemäßer Technik und Ausstattung der Nachwelt zu erhalten.

Dass dies die derzeit 1 884 Gemeindeglieder wollen, steht außer Frage. Denn den Eigenanteil von 100 000 Euro an den Kosten von 185 000 Euro für den ersten Sanierungsabschnitt hat man bis auf die Restsumme von etwa 12 000 Euro zusammen. Und dem am Montag gegründeten Kirchbauverein, der weiteres »Sanierungsgeld« beschaffen soll, gehörten am Donnerstag bereits 99 Mitglieder an.

Äußerungen aus der Kirchenkreisverwaltung und der evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) lassen dagegen den Schluss zu, dass ihnen der Erhalt von St. Ulricus deutlich weniger am Herzen liegt. Vorschläge aus dem Kreiskirchenamt wie »Macht doch eine Sommerkirche daraus« oder »Schlüssel umdrehen und die Kirche sich selbst überlassen«, wie sie öffentlich zitiert wurden, brachten Gemeindepfarrer und Presbyterium »auf die Palme«. Neben diesen Äußerungen ist besonders bedenklich, dass die EKvW den Gemeindeantrag abgelehnt hat, Kirchenvermögen verkaufen zu dürfen, um damit zur Kirchensanierung beitragen zu können. Die Begründung »aus grundsätzlichen Erwägungen« ist ebenso nichtssagend wie lächerlich, macht die Arbeit der Gemeindeführung nicht leichter. Mit welchen Argumenten sollen Pfarrer und Presbyterium die Menschen im Eggetal und darüber hinaus zu noch mehr Spenden und zu Arbeitseinsätzen an ihrem uralten Gotteshaus bewegen, wenn »die oben« eine derartige Refinanzierung verhindern?

Wenn von allen verlangt wird, »Tafelsilber« zu veräußern, bevor aus dem Steuersäckel geholfen wird, muss dies auch für die Kirche gelten. Es kann nicht sein, die Allgemeinheit über Zuschussanträge an den Kosten für diese Kirchensanierung beteiligen zu wollen, wenn Vermögen zur Deckung vorhanden ist - man es aber »aus grundsätzlichen Erwägungen« heraus nicht angreifen will. Dann sollten die Kirchenoberen endlich auch ganz ehrlich sein und sagen, dass ihnen an St. Ulricus -und damit an einem Teil der eigenen Geschichte - nichts mehr liegt.