Presseartikel  

12. November 2004 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt" Nr. 265/2004

St. Ulricus erhält Korsett
Gewölbe wird hydraulisch angehoben und stabilisiert


Börninghausen (wm). Weil die alten Außenmauern trotz einer Verstärkung dem Gewicht der Gewölbe nicht standhalten, wurden - und werden - sie langsam auseinander gedrückt. Die Folge: Die Gewölbe der altehrwürdigen St. Ulricus-Kirche in Börninghausen weisen Risse auf und sind auf lange Sicht einsturzgefährdet. In diesen Tagen beginnen die ersten Sanierungsarbeiten.

Gestern trafen sich Dipl.-Ing. Bernhard Brüggemann aus Braunschweig, Spezialist in Sachen Kirchenrestaurierung, Bianca Meyer vom Gerüstbauunternehmen Meyer in Pr. Oldendorf sowie der Eggetaler Tischlermeister Wilhelm Schnittker mit Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann, um die weitere Vorgehensweise festzulegen.

Nachdem die Bänke bereits entfernt wurden, wird Schnittker Anfang nächster Woche auch die Empore vollständig abgebaut haben. Die Brüstung der Empore ist schon demontiert; jetzt müssen noch die Tragbalken und Stützen abgebaut werden. Dabei kam zum Vorschein, dass nur ein Teil der Empore wirklich alt und erhaltenswert ist; das gilt nicht für den Boden der Empore. Dann kann schweres Gerüst im Gotteshaus aufgestellt werden. Das ist erforderlich, damit anschließend hydraulisches Gerät aufgebaut werden kann, mit dem man vermutlich Anfang Dezember die »aus den Fugen» geratenen Gewölbe wieder in ihre ursprüngliche Form zurückdrücken will.

Brüggemann betonte, dass sich neben den seit langem sichtbaren Rissen im Mauerwerk mittlerweile auch Beulen im Gewölbe gebildet haben, die ins Kircheninnere zeigten. Dies sei Zeichen dafür, dass es durchgesackt sei und man befürchten müsse, dass es herunterfallen könnte. Mit hydraulischer Hilfe werde man die beiden instabilen Gewölbe Zentimeter um Zentimeter wieder nach oben - und damit in ihre ursprüngliche Form - drücken. Dabei werde das Mauerwerk nach oben wegbrechen. Brüggemann: »Das ist aber beabsichtigt. Dann dann können die Fugen gesäubert, vergossen oder vermauert werden und somit dem Gewölbe wieder Halt geben.« Zusätzlich werden oberhalb der Gewölbe noch Längs- und Queranker angebracht, die sie wie ein Korsett halten und zukünftig ein erneutes Auseinanderbrechen verhindern sollen. Damit die Handwerker freien Zugang zu den Gewölben haben, muss das Dach teilweise abgedeckt werden. Dafür wurden gestern erste Gerüstteile außen aufgestellt.

In diesem ersten Bauabschnitt muss man sich aus finanziellen Gründen mit der rein statischen Sanierung begnügen, die für die Sicherheit erforderlich ist. Dafür werden 185 000 Euro benötigt, von denen die Kirchengemeinde selbst 100 000 Euro aufbringen muss; 20 000 fehlen ihr noch. Die gesamten Sanierungskosten »ohne Luxus« beziffert Brüggemann auf bis zu 600 000 Euro; Schönheitsreparaturen seien nicht »drin«.

Noch in weiter Ferne sind deshalb Überlegungen, die defekte Fußbodenheizung zu reparieren und in diesem Zusammenhang den Fußboden in der Kirche um rund 60 Zentimeter abzutragen, um wieder die originale Fußbodentiefe zu erreichen. Damit könne man auch die richtigen alten Proportionen wiederherstellen. Nicht auszuschließen sei, so Brüggemann, dass man dabei auf Reste des alten Bodens stoße. Das sei ihm in anderen Kirchen ebenfalls schon passiert.