Presseartikel  
06. April 2005 - Lübbecker Kreiszeitung, Lokalausgabe des "Westfalen-Blatt", Nr. 79/2005

Kirchensünder mussten draußen bleiben
Hagioskop und Stiftungen adeliger Familien - Teil IV der Geschichte von St. Ulricus
Von Dieter Besserer


Börninghausen (WB). Die St. Ulricus-Kirche verfügt noch über eine Besonderheit aus katholischer Zeit. Es ist das Hagioskop an der Außenmauer an der Südseite, aus heutiger Sicht ein kleines Fenster, durch das man von außen auf den Altar blicken kann. Um seine Geschichte geht es u. a. im heutigen vierten und letzten Teil der Geschichte von St. Ulricus.

Das Hagioskop an der Südseite der Kirche am heutigen Altarraum ist ein Überbleibsel der früheren Kirchenzucht. Foto: Mattner Pfarrer Friedrich Wilhelm Beckmann macht immer wieder auf diesen einzigartigen Zeitzeugen des früheren Kirchenzucht aufmerksam. Nur ganz wenige Kirchen besitzen noch dieses Hagioskop. Gemeint ist insgesamt das frühere katholisch-kirchliche Sendgericht. Es wurde jedes Jahr vom Archidiakon in Lübbecke gehalten, und alle Gläubigen mussten erscheinen. In diesem Sendgericht wurden kleinere Vergehen wie Gotteslästerung, unzüchtiges Benehmen, Ehebruch und unchristlicher Lebenswandel, für die die Kirche zuständig war, aber auch anfängliche Beschuldigungen wegen Hexerei und Zauberei, verhandelt und ggf. mit Kirchenstrafen belegt. Im Extremfall konnte die Exkommunikation ausgesprochen werden.

Solche exkommunizierten Kirchensünder durften den Gottesdienst in der Kirche nicht besuchen, und es war ihnen nur erlaubt, von außen durch das Hagioskop den Gottesdienst am Altar zu verfolgen. Altarschranken von 1671, links mit dem Wappen von Henrich von Schloen, genannt Tribbe. (Foto: Besserer) Um der Gnade der Kirche wieder teilhaftig zu werden, konnten sie nach den ihnen auferlegten Kirchenstrafen und erfolgter Buße wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen werden. Dies geschah in der alten katholischen Kirche am Abend des Gründonnerstages in einer besonderen Messe. Die Reue und die Buße mussten die Sünder beim Wiedereinzug in die Kirche auch äußerlich zum Ausdruck bringen. Von diesem »greinen« der Kirchensünder hat der Gründonnerstag seinen Namen, nicht von irgendwelchem Grün.

 Auch aus der Zeit nach der lutherischen Reformation gibt es erhebliche Dotierungen in der Börninghauser Kirche. Von den vielen Spenden des einfachen Kirchenvolkes, auch der ärmeren Schichten, ist in der Kirche nichts überliefert. Erhalten geblieben sind jedoch Dotationen der adeligen Familie von Schloen genannt Tribbe, zu Fiegenburg. Diese Familie fühlte sich wegen ihres adeligen Standes und aus Glaubensgründen zu diesen Dotationen verpflichtet, hatte aber auch durch ihre pfarrpflichtigen Eigenbehörigen eine Unterhaltungsverpflichtung gegenüber der Kirche. Der letzte katholische Kirchherr war 1533 der Mindener Domherr Johann von Schloen, genannt Tribbe, vom im Eggetal liegenden Rittergut Fiegenburg. Ihm flossen die Einnahmen der Kirche zu. Davon musste er einen Geistlichen für die Seelsorge im Eggetal besolden.

Die Familie besaß auch einen adeligen Kirchenstuhl in der St. Ulricus-Kirche. Im Mittelschiff befindet sich im Gewölbe das Wappen von Reineke von Schloen, genannt Tribbe, vermutlich kurz nach 1463 erstellt.

Über dem Altar ist links das Wappen von Amelung von Schloen, genannt Tribbe, und rechts das Wappen seiner Frau, Agnese von Ledebur, zu sehen. Amelung von Schloen, genannt Tribbe, stiftete der Kirche am 11.11.1554 eine Geldsumme, damit vor dem Sakramentshäuschen nach dem Wunsch der Eltern, des Jasper von Schloen, genannt Tribbe, und seiner Frau Anna von Baer, ein Licht während des Gottesdienstes brennen konnte. Ganz wollte man im Jahre 1554 auf alte katholischen Bräuche noch nicht verzichten. Das Wappen der Familie von Schloen, genannt Tribbe, hier aus Anlass der 1000-Jahrfeier vom heutigen Vorsitzenden des Kirchenbauvereins, Uwe Ramsberg, geschnitzt. Es findet sich an zahlreichen Stellen in der Kirche. (Foto: Besserer)

Etwa 1592 stifteten Hieronymus von Schloen, genannt Tribbe, und seine Frau Anna von Nehem die sogenannte »Fiegenburger Prieche«, an der sich auch ihre Wappen befanden. 1632 stiftete sein Sohn Reineke Amelung von Schloen, genannt Tribbe, die heute noch erhaltene Kanzel. Schließlich stammen auch die beiden Altarschranken von 1671 von dieser Familie, denn links ist das Wappen von Henrich von Schloen, genannt Tribbe, und rechts das Wappen seiner Frau Anna Eleonore Rosina von Dassel zu sehen (siehe großes Foto oben). Sie stifteten 1671 den Altar. Das Schloensche Wappen ist in der Kirche mehrfach zu sehen.

(Ende)